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Immobilien in Frankfurt Spekulanten belagern Kirche

Beim Alten Polizeipräsidium in Frankfurt interessieren sich Investoren auch für das Nachbarareal. Darauf steht die Matthäuskirche. Die Tage des Gotteshauses sind gezählt.

Matthaeuskirche
Die alte Matthäuskirche rechts neben dem leerstehenden früheren Polizeipräsidium. Foto: Renate Hoyer

Seit 112 Jahren steht die neugotische Matthäuskirche nahe dem Frankfurter Hauptbahnhof an der Friedrich-Ebert-Anlage. Doch jetzt ist das Bauwerk in den Fokus der internationalen Immobilienspekulation geraten – und seine Tage sind gezählt. Pfarrer Lars Kessner von der evangelischen Hoffnungsgemeinde berichtet: „Es sind immer wieder Interessenten da – Männer in Anzügen stehen plötzlich mitten im Hof.“ Sie stiegen über den Zaun und fotografierten alles.

Der Hintergrund: Der Millionenpoker um das benachbarte Gelände des leerstehenden Alten Polizeipräsidiums steht kurz vor der Entscheidung. Im internationalen Bieterwettbewerb, den das hessische Finanzministerium ausgeschrieben hat, haben sich die Offerten mittlerweile nach FR-Informationen auf 180 Millionen Euro hochgeschaukelt.

Die Immobilienkonzerne, die um das 15 430 Quadratmeter große Areal des Polizeipräsidiums kämpfen, wollen auch das Nachbargrundstück der Matthäuskirche in die Entwicklung einbeziehen. Das Gotteshaus soll abgebrochen und durch einen lukrativen Büroturm ersetzt werden. Ralph-Nicolas Pietzonka, der Sprecher des hessischen Finanzministeriums, bestätigt: „Die Investoren gucken durchaus über das Areal des Alten Polizeipräsidiums hinaus.“

Bereits im April 2002 hatte die Versammlung des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt einen heftig umstrittenen Beschluss gefasst. Er sieht vor, so Pfarrer Kessner, „dass die meisten Teile der Kirche abgebrochen werden können“. Einzig der Turm müsse stehenbleiben. Die alten Fenster, die Kanzel und das Christusrelief aus Sandstein sollen erhalten und in eine neue Bebauung integriert werden. Es solle wieder ein Kirchenraum entstehen, so die Hoffnung des Regionalversammlung vor fünfzehn Jahren.

„Dieser Beschluss gilt“, hofft Pfarrer Kessner. Seine Forderung ist klar: „Wir brauchen eine Kirche.“ Das alte Gebäude verfällt zusehends. Schon im Jahr 1997 hatte der Regionalverband das Gotteshaus von der Liste der „dauerhaft zu erhaltenden Kirchengebäude“ gestrichen. „Seitdem gab es keine Investition in unsere Kirche mehr“, sagt der Pfarrer. Aber 3600 Gläubige der Hoffnungsgemeinde hätten ein Anrecht auf ein Gotteshaus.

Der städtische Bebauungsplan für das Gelände des Alten Polizeipräsidiums umfasst auch das Grundstück der Matthäuskirche, bestätigt Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). In der Ausschreibung des Finanzministeriums werden die potenziellen Investoren sogar ausdrücklich auf das lukrative Kirchenareal hingewiesen: „Der Evangelische Regionalverband hat bereits signalisiert, an einer Veräußerung des Nachbargrundstücks (Matthäuskirche) interessiert zu sein.“

Es ist also nicht überraschend, dass die Spekulanten das Gotteshaus umkreisen. Das Verkaufsverfahren für das Alte Polizeipräsidium „kommt zügig voran“, so Sprecher Pietzonka vom Finanzministerium. Voraussichtlich noch im Dezember werde der „engere Bieterkreis“ verbindliche Angebote einreichen. Land, Stadt und Kaufinteressenten stünden „im Austausch, um detailliertere Fragen zu klären“.

Immobilienentwickler können laut Ausschreibung 100 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf dem Gelände des früheren Polizeipräsidiums unterbringen. Ein 145 Meter hohes Hochhaus darf entstehen. 30 Prozent der Geschossfläche oberhalb der siebten Etage müssen für Wohnen reserviert sein.

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