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Ikonen-Museum in Frankfurt Ausstellung: Schicksal hessischer Prinzessinnen in Russland

1. UpdateIm Ikonen-Museum in Frankfurt gibt es eine Ausstellung über das Schicksal hessischer Prinzessinnen in Russland.

Prinzessinnen im Ikonenmuseum
Besucher gehen durch die Ausstellung „Liebe, Glanz und Untergang“. Foto: Boris Roessler

Lässig hat Wilhelmine von Hessen-Darmstadt ihren rechten Arm auf eine Mauer gelegt. Die junge Frau mit der schlanken Taille und den langen braunen Haaren blickt auf dem Gemälde fast etwas gelangweilt drein. Noch ahnt sie wohl nicht, dass sie als Großfürstin Natalja Alexejewna in die Geschichte eingehen wird. Obwohl sie durch ihren frühen Tod nie zur Zarin des russischen Reiches aufstieg, war sie dennoch die erste von vier hessischen Prinzessinnen, die ihre Spuren am Hof in Russland hinterließen.

Auf großen Gemälden empfangen die vier Frauen die Besucher ab sofort im Ikonenmuseum. So wie Wilhelmina prägten auch Marie von Hessen und bei Rhein sowie die Schwestern Elisabeth und Alix von Hessen und bei Rhein die Geschichte des russischen Kaiserreiches. Mehr als 320 Exponate aus dem Leben der Frauen sind in der neuen Ausstellung „Liebe, Glanz und Untergang. Die hessischen Prinzessinnen in der russischen Geschichte“ zu sehen. Angefangen von Gemälden, Kleidern, Münzen, Geschirr und Orden bis hin zu persönlichen Schriftstücken und Dokumenten. „Alle Exponate sind Originale“, sagt Museumsleiter Richard Zacharuk.

Bedeutend sei die Schau dadurch, dass die Leihgaben erstmals in einem deutschen Museum zusammenfinden. Einige der Stücke kehren sogar in ihre Heimat zurück. „Einiges wurde hier gefertigt oder bei Besuchen mit nach Deutschland genommen“, erklärt der Museumsleiter. So etwa ein Kartenspiel, das ein Frankfurter fertigte. Kuratorin Ljudmila Schumskaja bezeichnet das Ikonenmuseum nun als ein Schatzkästchen, welches sich dem Besucher beim Betreten öffnet.

Die Inneneinrichtung musste für die Schau speziell angepasst werden. Damit sich der Gast besser zurechtfindet, wurde ein Farbschema entwickelt – jede Prinzessin hat ihre eigene Farbe. So lassen sich auf den ersten Blick die Exponate auf der Empore den jeweiligen Adelsdamen zuordnen.

Doch nicht nur die wichtigsten Museen Russlands haben Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt. Auch Leihgaben aus Jordanville in den USA und aus Baku in Aserbaidschan sind dabei. „Wir haben sozusagen die ganze Welt umreist, um diese Ausstellung zusammenzustellen“, sagt Zacharuk. Alexander Stankewitsch, stellvertretender russischer Konsul in Frankfurt, erklärt: „Es gibt immer etwas zu tun in der Beziehung unserer beiden Länder.“ Die Schau zeige die gute Seite der Zusammenarbeit von Russland und Deutschland. Der Museumsleiter verweist auf die dargestellte Vergangenheit, wo Bande zwischen deutschen Prinzessinnen und russischen Prinzen geknüpft wurden. „Wir waren uns politisch schon mal näher.“

Die Exponate zeigen zum einen die tiefe Religiosität der Frauen – alle konvertierten vom Protestantismus zum russisch-orthodoxen Glauben – aber auch die Verbundenheit zu Deutschland. Oft waren die Herrscherinnen zu Besuch in der Heimat oder schrieben Briefe an die Familie.

Doch die Schau zeichnet nicht nur die schönen und prunkvollen Seiten nach, sie wirft auch einen Blick auf die tragischen Momente. Wilhelmine starb jung im Kindsbett, Marie wurde Kaiserin (Marija Alexandrowna), doch ihr geliebter Sohn Nikolai starb an Meningitis und sie selbst an Tuberkulose. Elisabeth und Schwester Alix (Alexandra Fjodorowna, letzte Zarin Russlands) erlebten die Tragik des Ersten Weltkriegs und wurden schließlich von Revolutionären ermordet.

Die Bedeutung der Frauen ist unumstritten. Marie förderte die Frauenbildung und unterstützte die Gründung der russischen Rotkreuzgesellschaft. Elisabeth gründete das Kloster der Barmherzigkeit in Moskau und wurde nach der Ermordung ihres Mannes Äbtissin.

Die Geschichten der Exponate sowie der vier Frauen lassen sich im Ausstellungskatalog nachlesen. Wer die Hintergründe lieber beim Zuhören erfahren möchte, kann an den öffentlichen Führungen des Museums teilnehmen.

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