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IGS Nordend in Frankfurt Süßkartoffeln mit einer Prise Hoffnung

Die IGS Nordend in Frankfurt macht sich bei einem Essen Mut für ihren Kampf für den bisherigen Mensabetreiber.

IGS Nordend Mensaretter
Die „Mensaretter“ kochen in der IGS Nordend. Foto: Rolf Oeser

Stephanie Dietmann ist „gnadenlos naiv und blauäugig“, und das darf man auch so schreiben, denn Dietmann sagt es selbst über sich. Aber was soll sie auch tun, die Schulelternbeirätin der IGS Nordend? Sie will, sie muss am Freitagabend Hoffnung verbreiten. Die Hoffnung darauf, dass der bisherige Mensabetreiber, die Cantina Buen Barrio, doch weitermachen darf. Dass also der Großcaterer Sodexo, der die Ausschreibung für die Essensversorgung an der Gesamtschule gewonnen hat, von sich aus zurückzieht. Und die beiden Konkurrenten, die noch vor der Cantina auf den folgenden Plätzen gelandet sind, ebenso.

Am Freitag wird an der IGS erst einmal gekocht. 50 „Mensaretter“, wie sich die Gruppe um Dietmann nennt, machen mit. Später gibt es dann Essen. 200 Menschen kommen, der Abend bekommt schnell den Charakter eines Stadtteilfestes. Es duftet nach Süßkartoffeln und Currysoße, nach indischem Essen und nach Tiramisu. Eine Schülerband spielt, auf einer Leinwand sind Fotos der Proteste in den vergangenen Wochen zu sehen, und als die Letzten nach Hause gehen, ist es sehr spät.

Sandra Beimfohr ist gerührt von dem, was sich um sie herum abspielt. So viele Schüler, Eltern, Lehrer, die dafür kämpfen, dass sie und ihre Cantina bleiben dürfen. Doch die Köchin ist auch Geschäftsfrau. Sie muss ihre Einnahmen kalkulieren und deshalb realistisch sein. „Ich gehe nicht davon aus, dass ich nach den Sommerferien noch hier bin“, sagt sie.

Beimfohr hat ein Café in Sachsenhausen und einen Catering-Service, und vielleicht, so hofft sie, bekommt sie irgendwo anders noch einen Auftrag. Sie und ihr Team könnten sogar bleiben – und für Sodexo kochen. Das Angebot gibt es, doch Beimfohr und ihre Mitarbeiterin Bettina Wingerter winken ab. Sie sagen kein böses Wort über Sodexo, „aber ich möchte nur für kleine Betriebe arbeiten“, erklärt Wingerter.

Das alles klingt anders als bei Dietmann. Etwas melancholisch – wie das Lied „Purple Rain“, das die Schulband zum Essen spielt. Doch der Abend soll alles sein bloß keine Abschiedsparty, und so sagt Dietmann, die Cantina Buen Barrio könne bestimmt auch kurzfristig wieder die Mensa übernehmen.

Immerhin gebe es noch die Klage eines Schülers vor dem Verwaltungsgerichtshof. Und vor allem könne sie sich nicht vorstellen, dass Sodexo den Betrieb gegen den Willen der Schulgemeinde übernehmen werde, sagt Dietmann. Viele Hundert Eltern hätten schon erklärt, dass sie ihre Kinder ab Sommer nicht mehr in die Mensa schicken werden, wenn das Essen vom Großcaterer kommt.

Wie die Schüler dann versorgt werden? „Wir arbeiten an einem Plan B“, sagt Dietmann. Darüber reden will sie nicht. Erst einmal spricht sie nur über Plan A. Die Cantina Buen Barrio retten.

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