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IGS Nordend in Frankfurt Schüler bestimmen mit

Nach der Diskussion um die Mensa-Vergabe an der IGS Nordend in Frankfurt fordert die Schuldezernentin neue Kritierien für die Ausschreibung, zum Beispiel auch ein Testessen.

IGS Nordend
Die Schüler sollen bei der Mensa-Vergabe ihrer Schule mitbestimmen.

Wie bewertet man Qualität, Service und Geschmack, wenn man nur Formulare vorliegen hat? Das fragt Martin Richter Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD). Die Mensa, meint er, gehöre zum Schulalltag, als Teil des Unterrichts. „Und Lehrer werden ja auch nicht per Ausschreibung gesucht“, sagt das Mitglied des Schulelternbeirats an der IGS Nordend. 

Testessen könnte solch eine Möglichkeit sein, das schlug die Grünen-Politikerin Ghodsi Hejazi analog zu Auswahlverfahren etwa in Berlin vor. „Ob das der Realität entspricht, wenn sich Anbieter an einem Tag besondere Mühe geben, sei dahin gestellt“, sagte Weber, „aber es wäre eine Verbesserung der Schülerbeteiligung.“ FDP-Mann Thomas Fruhwirth ergänzt: „Was gut ist, kann nur der entscheiden, der es essen muss.“

Verschiedenes müsse man aus der Diskussion um die Bewirtung der Mensa der IGS lernen. Für die Zukunft, denn in Sachen IGS, sagt Weber, „da sind uns die Hände gebunden. Sodexo hat einen Anspruch auf den Vertrag, das Verfahren ist quasi beendet.“ Nach zehn Jahren unterlag die Cantina Buen Barrio bei einer Ausschreibung. Seither protestiert die Schulgemeinde, die IGS sieht Köchin Sandra Beimfohr als Teil des pädagogischen Teams, lobt die frische, regionale Küche und die individuelle Betreuung der Kinder (wir berichteten). 

Die Vergabekriterien sollen demnach angepasst werden. Tariftreue, mehr Bioprodukte, ein pädagogisches Konzept, die Umweltbilanz und soziale Aspekte sollten laut Weber aufgenommen werden. „Schulessen braucht Bezugspersonen. Wir müssen künftig intensiver mit den Schülern sprechen“, kündigt Weber in der Sitzung des Ortsbeirats 3 an. 

Tariftreue, mehr Bio und ein pädagogisches Konzept

Zum dritten Mal stand sie dort, nach Besuchen im Dezernat und beim Bildungsausschuss, Schülern, Eltern und Politikern Rede und Antwort. Und wieder hagelte es Kritik. „Aus der Kantine des Römers wirft man Sodexo raus, weil sie zu schlecht sind“, sagte Linken-Chef Hans-Joachim Habermann. Grünen-Fraktionschef Jochen Vielhauer sieht das Verbraucherrecht eingeschränkt. „Die Eltern zahlen, sie sollten auch mitbestimmen dürfen.“ 

Aktuell sieht Weber keine Chance. Das Verfahren ist – Stand jetzt – juristisch korrekt. Wird der Klage von Beimfohr bei der Vergabekammer oder der Klage eines Schülers auf Mitsprache nicht stattgegeben, muss dem Großcaterer Sodexo ein Vertrag angeboten werden. „Sonst drohen     uns eine Klage und Schadensersatzforderungen“, so Weber. 

Susanne Habermann, pädagogische Leiterin an der IGS, sagte dazu: „Den Schaden, den die Kinder nehmen, kann man nicht ermessen.“ Ihre siebte Klasse sei entsetzt gewesen, wie niedrig die Wahlbeteiligung bei der Oberbürgermeisterwahl gewesen sei. „Wir bilden unsere Kinder zu Changemakern aus, sagen ihnen, dass sie sich engagieren sollen. Nun geht es um ihr Grundbedürfnis Essen und sie werden nicht gehört.“ 

Das Testessen und die neuen Kriterien sind aber nicht die einzigen Ideen. Ökolinx schlug in einem Antrag ein Pilotprojekt zur autonomen Essensversorgung vor. Dann könnte die IGS selbst entscheiden, ob gekocht wird und wer kocht. Bei Erfolg könnte das auch auf andere Schulen übertragen werden. Der Ortsbeirat folgte dem Vorstoß. „Die Idee ist charmant, aber wir müssen das Verfahren mit Sodexo zu Ende bringen.“ Die Wiederbelebung der Stadtküche war ebenso Thema. „Das wird, schätze ich, am Geld scheitern“, sagte Weber. „Ich weiß, dass ich damals, als die Stadtküche schloss sagte, dass Sodexo gar nicht gehe.“ 

Sodexo wird wohl dennoch für mindestens zwei Jahre kochen, trotz Protest. Schulelternbeirätin Stephanie Dietmann möchte, dass die Stadt den Vertrag offen legt, um bei Missachtung eingreifen zu können. Laut Ausschreibung, satgt sie, sei es möglich, zu 49 Prozent Convenience Food zu verwenden. Mutter Claudia Michling, die selbst in einer Sodexo-Mischküche isst, sagt: „Man kann dort nichts individuell zusammenstellen, dann essen die Kinder am Ende wieder nur Nudeln oder Reis.“ 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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