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IGS Herder Schulgründung mit Hindernissen

Die IGS Herder wird zehn Jahre alt. Doch sie musste für ihre Eigenständigkeit gegen viele Widerstände kämpfen. Als Kulturschule ist sie nun für einen bundesweiten Preis nominiert.

IGS Herder
Eine Zwergbartagame als Klassentier: An der IGS Herder lernen Schüler so Verantwortung und Empathiefähigkeit. Foto: Christoph Boeckheler

Derzeit kann es mit Schulgründungen in Frankfurt gar nicht flott genug gehen. Jedes Jahr werden wegen steigender Schülerzahlen auf die Schnelle Schulen in der Stadt eröffnet. Doch es ist gar nicht lange her, da haben Lehrer und Eltern für eine solche Schulgründung hartnäckig kämpfen müssen. Sie haben getrickst, sie haben demonstriert, sie haben sich aufgelehnt – damit es die IGS Herder geben kann. Und sie waren am Ende erfolgreich: Nun feiert die Integrierte Gesamtschule im Ostend am Samstag ihr zehnjähriges Bestehen.

Alles begann mit einer Schulschließung. Die Herderschule, ein Gymnasium, wurde aufgelöst, sie hatte zu wenige Schüler. Heute so sicher auch nicht mehr denkbar, allerdings platzte schon damals sowohl die nahegelegene Helmholtzschule als auch die IGS Nordend aus allen Nähten. Letztere war bereit, im Gebäude an der Wittelsbacherallee eine Dependance zu eröffnen. Sie sollte drei Parallelklassen im Jahrgang haben. Mehr ging als Dependance nicht. Mehr wollte die Politik auch nicht.

Sonnenstern und Bergkristall

Aber von Anfang an – es war das Jahr 2005 – war Eltern und Lehrern klar, dass es eine eigenständige Schule werden sollte. Dafür musste sie aber vierzügig sein. „Wir haben deshalb einfach Schüler für vier Klassen aufgenommen“, erzählt Lehrerin Marina Bock. Damit das aber erst mal niemand merkte, wurden die Schüler nicht in die Klassen 5a, 5b, 5c und 5d eingeteilt, sondern in „Differenzierungsgruppen“, die nach Halbedelsteinen benannt wurden: Sonnenstern, Bergkristall, Lapislazuli, Serpentin. „So wurden Bedingungen geschaffen, die man nicht zurücknehmen konnte“, sagt die heutige Schulleiterin Martina Neumann-Beer.

Denn die Schüler waren nun da. So hatte die Schule zwar genügend Kinder für eine Eigenständigkeit, musste aber dennoch weiter gegen Widerstände und politische Entscheidungen kämpfen. Drei Jahre lang. Bis es 2008 geschafft war: Die Schule durfte sich offiziell IGS Herder nennen – das hatte sie aber schon die ganze Zeit getan und den Titel „Dependance IGS Nordend“ nie benutzt.

Von Anfang an entwickelte die Herder ihr eigenes Konzept. Und da spielte vor allem die Kultur eine große Rolle. „Es waren viele kulturaktive Menschen an der Schule“, sagt Bock. Deshalb sollte es eine kulturelle Schule werden. Parallel entwickelte das Kultusministerium ein Programm zur kulturellen Schulentwicklung – und die IGS Herder wurde 2009 eine der Pilotschulen. Das heißt: „Es soll jeder Schüler in seiner Schullaufbahn die Möglichkeit haben, Musik, bildende und darstellende Kunst kennenzulernen“, sagt Bock. So durchlaufen Fünft- und Sechstklässler das gesamte kulturelle Angebot der Schule. Siebt- und Achtklässler legen sich auf eine Kunst fest, Neunt- und Zehntklässler spezialisieren sich in Praxistagen. Dabei wird mit Institutionen wie Mousonturm und English Theatre zusammengearbeitet.

Hinzu kommt: „Ästhetische Zugänge gibt es bei uns bei jedem Thema“, sagt Neumann-Beer. Also auch in jedem Fach. „Man kann den Zitronensäurezyklus auch von Kindern darstellen lassen“ – ein Stoffwechselprozess quasi als Theaterstück. Aber auch Veranwortungsbewusstsein wird gefördert. Die Fünftklässler beispielsweise haben Klassentiere wie Zwergbartagamen und Stabheuschrecken. Mit der Tierpflege müssten die Kinder nicht nur Verantwortung übernehmen, sie fördere auch die Empathiefähigkeit, sagt Neumann-Beer. Denn auf die Tiere muss Rücksicht genommen werden. Nicht zuetzt mit der Lautstärke in der Klasse.

Die IGS Herder ist die einzige Schule in Frankfurt mit dem Zertifikat des Landes als Kulturschule. „Es ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Neumann-Beer. Und in der Schule ist kulturelle Bildung so fest verankert, dass sie nun als eine von drei Schulen in Deutschland für den Zukunftspreis der Kulturbildung „Der Olymp“ nominiert ist. Die Kulturstiftung der Länder zeichnet damit vorbildliche kulturelle Schulprofile aus. „Das ist wie der Deutsche Schulpreis für Kulturschulen“, sagt Bock. Im Juli geht es zur Preisverleihung nach Berlin, wo Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Sieger ehren wird.

An einer solchen Kulturschule wird naturgemäß viel Kunst angefertigt. Gemälde, Plakate, Drucke – die Neumann-Beer auch gerne ausstellen würde. Aber die Wände der Flure sind kahl. „Wir dürfen nichts aufhängen wegen des Brandschutzes“, sagt die Schulleiterin. „Dabei würden wir gerne nach außen sichtbar machen, was Jugendliche können.“ Bisher ist sie mit ihrem Anliegen bei den Ämtern noch nicht weit gekommen. „Aber es gibt viele Möglichkeiten, dafür Sicherheitskonzepte aufzustellen.“ Sie will gerne mit Ämtern und Politik Lösungen finden. Denn die Schule ohne sichtbare Kunst ist für sie „nicht kulturschulwürdig“.

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