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Hungerstreik Bauarbeiter ohne Lohn

Rumänen arbeiten seit zwei Wochen ohne Gehalt auf einer Frankfurter Baustelle. Mit einem Hungerstreik wollen sie auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam machen.

Diese Bauarbeiter sind in einen Hungerstreik getreten, weil sie nicht bezahlt werden. Foto: Christoph Boeckheler

Eine Gruppe rumänischer Bauarbeiter hat am Montag vor einer Baustelle in Preungesheim protestiert. Wie die Männer berichten, haben sie seit etwa zwei Wochen keinen Lohn erhalten. Bereits am vergangenen Freitag sind sie in einen Hungerstreik getreten, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen.

Die Männer arbeiten seit etwa drei Monaten auf dem Gelände an der August-Schanz-Straße 27-31a. Dort soll ein Handwerkszentrum für zwölf Betriebe entstehen. Bauherr sind die Gebrüder Hahn aus Kronberg. Bereits vor einem Jahr begannen die Bauarbeiten. Den Rohbau fertigte der Baukonzern Bilfinger SE an, dessen Vorstandsvorsitzender der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch ist. Wie ein Unternehmenssprecher mitteilt, hat Bilfinger mit der Baustelle nun aber „nichts mehr zu tun“. Im Frühjahr seien die Arbeiten am Rohbau abgeschlossen worden und damit habe Bilfinger seine Aufgabe an der Baustelle erfüllt.

Der Sprecher der Bauarbeiter, Bundi Ferenc, berichtet, dass die Männer von der Accent Bau GmbH mit Dämmarbeiten beauftragt worden seien. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Bad Soden und ist im gesamten Rhein-Main-Gebiet tätig. So war es in der Vergangenheit bereits als ausführende Firma für die Installation des Wärmedämm-Verbundsystems im Opernturm gegenüber der Alten Oper zuständig. „Dort haben wir auch gearbeitet“, sagt Ferenc. Bereits seit einem Jahr arbeiten die Männer demnach immer wieder für Accent. Der Geschäftsführer, Roland Fuhrmann, äußert sich, ebenso wie die Bauherren, nicht zu den Vorwürfen.

Der Frankfurter DGB-Geschäftsführer, Harald Fiedler, hat am Montag die Bauarbeiter besucht. „Das sind die Auswirkungen des neuen europäischen Sklavenmarkts, die wir hier sehen“, sagt er. Fiedler bezweifelt, dass die Bauarbeiter legale Beschäftigungsverhältnisse haben. Auch glaubt er nicht, dass hier die gesetzlichen Tarifbestimmungen eingehalten werden.

Bis vor zwei Wochen haben die Bauarbeiter ihren Angaben zufolge jeweils 100 Euro pro Woche bekommen. Sie wohnen in einem Baucontainer auf der Baustelle, für den sie 700 Euro im Monat bezahlen müssen. Zu sechst teilen sie sich dort 20 Quadratmeter. „Accent schuldet uns insgesamt 28 000 Euro“, sagt Ferenc.

Laut Fiedler werde den Männern nur die Öffentlichkeit helfen können. „Es gibt ständig solche Fälle. Meistens werden die Bauarbeiter, wenn sie aufmucken nach Hause geschickt“, sagt er. Ferenc und seine Kollegen werden weiter hungern. Bis sie ihr Geld bekommen.

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