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Horst Hemzal Der gekränkte Diener

Frankfurts früherer Stadtkämmerer Horst Hemzal ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Enttäuscht über die Politik der CDU verließ er die Partei und trat 2013 in die AfD ein. In der CDU herrschte danach Fassungslosigkeit.

Horst Hemzal
Er liebte Bücher über Geschichte: Horst Hemzal 2014 in seiner Wohnung. Foto: Martin Weis

Er hat sein halbes politisches Leben der CDU gedient, 43 Jahre lang. Für den gelernten Bibliothekar Horst Hemzal war ein Begriff wie dienen nicht wesensfremd. Der Sozialpolitiker, der dem linken Flügel seiner Partei angehörte, hat diesen Dienst geduldig und freundlich, mit Kompetenz und Beharrlichkeit geleistet. Und dann kam der Bruch, der doch so typisch ist für etliche Männer seiner Generation in der CDU: 2013 trat der frühere Stadtkämmerer in die AfD ein. Jetzt ist er mit 79 Jahren in seiner Heimatstadt Frankfurt gestorben.

In der CDU ist die Trauer zu spüren. „Ich werde ihn immer in sehr guter Erinnerung behalten“, sagt der frühere Fraktionsvorsitzende im Römer, Helmut Heuser. Als sich jetzt die Stadtältesten der CDU trafen, legten sie eine Gedenkminute für den Verstorbenen ein.

Hemzal diente sich in seiner Partei über Jahrzehnte von unten hoch. Er war Stadtverordneter von 1975 bis 1995, arbeitete dann als Fraktionsgeschäftsführer im Römer, wurde Vorsitzender der CDU-Fraktion von 1989 bis 1993. Dann begann seine Karriere in der Stadtregierung: Erst Personaldezernent, später kam die Verantwortung für das Bauen hinzu. Anschließend arbeitete er als Sozialdezernent, bevor er am 1. Januar 2002 Stadtkämmerer. wurde Er hatte mehr erreicht, als er sich je erträumt hatte.

Hemzal war damals ein Mann des sozialen Ausgleichs. Er behielt stets ein Bewusstsein für die sogenannten kleinen Leute, stammte er doch selbst aus einfachen Verhältnissen. In der Regierungszeit der Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) war der Kämmerer stets das ruhige Korrektiv zum impulsiven Stadtoberhaupt. Finanzielle Abenteuer waren mit ihm nicht zu machen.

Aber unter der Oberfläche des stets beherrschten Politikers begann es damals schon zu brodeln. In unseren Gesprächen ließ er manchmal etwas von seiner Kritik erkennen. „Seine“ CDU war einfach nicht mehr die alte. Als er am 31. März 2007 aus dem hauptamtlichen Magistrat ausgeschieden war, begann er sich im konservativen „Berliner Kreis“ der CDU zu engagieren. Dem gehörten damals die Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach und Christean Wagner, der frühere CDU-Fraktionschef im Landtag an.

Die CDU in der Bundesregierung stimmte 2011 der Aufgabe der allgemeinen Wehrpflicht zu. Das mag für Hemzal der Tropfen gewesen sein, der das Fass überlaufen ließ. Er kehrte der CDU den Rücken, ebenso wie sein Vorgänger als Kämmerer, Albrecht Glaser. Beide traten in die AfD ein. Als wir uns danach trafen, schimpfte Hemzal, die CDU habe „den konservativen Flügel in der Bevölkerung“ vernachlässigt. Die Niedrigstzinspolitik der EZB treffe die kleinen Leute, zehre ihre Ersparnisse auf. Er wirkte persönlich gekränkt.

In der CDU herrschte erst Fassungslosigkeit, dann wurde Hemzal als „beleidigte Leberwurst“ hingestellt. Doch das griff zu kurz. Horst Hemzal hat sich um seine Stadt verdient gemacht.

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