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Holzhausenschule Kinderdemo für mehr Sicherheit

100 Viertklässler der Holzhausenschule in Frankfurt demonstrieren für mehr Sicherheit im Verkehr. Die Autofahrer hupen ihnen zu.

01.09.2016 12:39
Sonja Ingerl
Aktion zur Verkehrssicherheit: Am 1. September standen rund 200 Schüler mit Plakaten auf der Fußgängerbrücke Bremerstrasse/Eschersheimer Landstraße. Foto: christoph boeckheler*

So mancher Autofahrer dürfte aus Reflex auf die Bremse getreten haben, als ihn Donnerstagmorgen um die 100 Viertklässler auf der Fußgängerbrücke Bremerstraße/Eschersheimer Landstraße mit Plakaten empfingen. Unter dem Motto „Sicher in die Schule“ warben sie für mehr Vorsicht auf dem Schulweg und rücksichtsvolles Fahren. „Fast alle Autofahrer haben gehupt und gewunken“, sagt Marlon. „Und die Polizei hat sogar das Blaulicht angemacht, als sie unter der Brücke durchgefahren sind.“ Der Schüler kommt selbst regelmäßig mit dem Fahrrad zur Schule und macht sich seine Gedanken. „Mir ist zwar noch nichts passiert, aber ein Freund von mir wurde mal angefahren.“ Auch wenn seine Mutter ihn morgens in die Schule begleite, so fürchtet er, dass ihn mal ein Autofahrer übersieht. „Viele telefonieren ja auch beim Fahren und sind dann abgelenkt.“

Das Projekt entstand vor zwei Jahren, nachdem ein Kind vor der Schule angefahren wurde. „Wir fragten uns, was wir tun können, um die Sicherheit zu erhöhen“, sagt Lorenz Gempper, Schulelternbeirat der Holzhausenschule. Mittlerweile sei auch die Kinderbeauftragte des Frankfurter Nordends, Ulrike Grzimek, an Bord. Man plane weitere Aktionen.

Auch Sofia, die wie Marlon in die vierte Klasse geht, freut sich über das Feedback der Autofahrer. „Ich würde das nächste Mal auch wieder mitmachen.“ Zwar habe sie noch keine gefährliche Situation auf dem Schulweg erlebt, aber auch sie sorge sich, angefahren zu werden. „Ich habe Angst, dass ich mal eine rote Ampel übersehe und überfahren werde. Deshalb komme ich nie mit dem Fahrrad. Meine Eltern fahren mich immer“, erzählt sie.

„Wir haben ein bisschen Druck aufgebaut“

Für Josefa-Maria Hybner-Kauß, die Schulleiterin der Grundschule, ist es wichtig, mehr Sensibilität für das Thema Verkehrssicherheit zu erzeugen. In jeder Klasse hängt ein Plakat, auf dem gefährliche Stellen rund um die Schule verzeichnet sind.

Das Problem seien laut Gempper aber nicht nur unachtsame Autofahrer, die den Schulweg der Kinder kreuzen, sondern auch Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren: „Deshalb haben wir morgen noch eine Aktion für die Elterntaxen.“ Anstatt die Kinder auf der viel befahrenen Straße rauszulassen, sei es verantwortungsvoller, ins Parkhaus beim nahe gelegenen REWE oder in die Cronstettenstraße zu fahren. „Wir haben auch schon schlecht parkende Eltern fotografiert, sie unkenntlich gemacht und auf Flyer abgedruckt. Diese haben wir dann im April den Kindern mit nach Hause gegeben“, sagt Gempper. Es sei das Ziel gewesen, dass die Kinder die Eltern ermahnen.

Sowohl Elternbeirat als auch Schulleitung sehen zudem die Stadt in der Pflicht. Es sei auch ihre Aufgabe, für mehr Sicherheit zu sorgen. „Wir haben ein bisschen Druck aufgebaut“, sagt Gempper, woraufhin eine Ampel vergrößert worden sei, es gebe mehr Fahrradständer und Verkehrspoller. In der Innenstadt und in Bornheim gebe es laut Hybner-Kauß allerdings deutlich mehr Verkehrspoller. „Das ist da besser gelöst. Aber es hat sich auch hier schon viel getan“, merkt sie an. Es sei gut, dass jetzt Tempo 30 um die Schule herum gelte.

Menschenkette geplant

Die Aktion vom Donnerstag sehen alle als Erfolg an. „Die Resonanz war großartig“, schlussfolgert Hybner-Kauß. Und auch Grzimek blickt schon ins nächste Jahr: „Wir müssen einen Bewusstseinswandel bewirken. Die Eltern müssen den Mut haben, ihre Kinder zu Fuß in die Schule zu schicken, aber die Autofahrer müssen auch Rücksicht üben. Um darauf aufmerksam zu machen, dass mehr für den Schutz der Kinder getan werden muss, soll es 2017 eine Menschenkette unter dem Motto „Sicher – wir laufen!“ geben, für die die Schule Tatortdarsteller Peter Lerchbaumer als Schirmherrn gewinnen konnte.
Die Grundschüler werden also nicht zum letzten Mal für ihre Sicherheit protestiert haben.

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