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Holocaust Stadt ehrt Zeitzeugin

Die Holocaust-Überlebende Eva Szepesi erhält die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. Die 84-Jährige berichtet in Schulen, Kirchengemeinden und vor Studierenden über ihre Erlebnisse in Auschwitz

Eva Szepesi
Die Holocaust-Überlebende Eva Szepesi. Foto: Christoph Boeckheler

Als Eva Szepesi ihre Rede beendet hat, erheben sich die Zuhörer im Kaisersaal des Römers und applaudieren ausgiebig. Einige wischen sich Tränen aus den Augen. Die 84-jährige Holocaust-Überlebende hat zuvor die Ehrenplakette der Stadt überreicht bekommen. Seit vielen Jahren leistet sie als eine der wenigen noch aktiven Zeitzeugen wichtige Erinnerungsarbeit in Frankfurt und darüber hinaus.

Szepesi ist in Ungarn geboren. Sie war elf Jahre alt, als sie von der Mutter alleine auf die Flucht geschickt wurde. Mit zwölf kam sie nach Auschwitz. Am 27. Januar 1945 wird sie als jüngste Überlebende des Lagers von den Russen befreit. „Angst, Einsamkeit, Hunger, Kälte und Strapazen“, lägen da hinter ihr, beschreibt Oberbürgermeister Peter Feldmann in seiner Laudatio. Trotzdem folgte eine lange Zeit des Schweigens. Erst 50 Jahre später, am 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, spricht sie  über das Erlebte. „Danach ist etwas mit mir passiert“, sagt Szepesi. Sie liest die niedergeschriebene Geschichte ihres verstorbenen Mannes und beginnt, ihre eigene zu Papier zu bringen.

Schließlich begann sie auch mit ihrer Erinnerungsarbeit. In Schulen, Kirchengemeinden und vor Studierenden berichtet sie über ihr Schicksal. Vielen Jugendlichen gibt sie ein Gesicht zu der unvorstellbaren Thematik aus dem Geschichtsbuch. Für ihre unermüdliche Arbeit gegen das Vergessen und für ihren Beitrag zu Toleranz, Mitmenschlichkeit und Weltoffenheit zeichnete die Stadt Frankfurt sie nun aus. Bereits seit 1956 lebt die gebürtige Ungarin in der Mainmetropole. Damals floh   sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter vor der Revolution in „das Land der Täter“, wie sie es nennt. Ständig saß sie auf gepackten Koffern, konnte sich nicht vorstellen, in Deutschland zu bleiben.

„Frankfurt ist zu einer weltoffenen Stadt geworden“, sagt Szepesi heute. Sie fühle sich wohl und beteilige sich an vielen Aktivitäten der jüdischen Gemeinde. „Ich bin aber auch besorgt, wenn ich mich in der Welt umschaue.“ Deshalb sei es weiterhin ihr größtes Anliegen, eine aufgeklärte Jugend mit offenen Augen durch die Welt gehen zu sehen. Dafür werde sie sich weiter einsetzen. Wenn es nach ihrer zweiten Tochter geht: „Noch bis du 120 Jahre bist.“

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