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Höchster Manufaktur Wenn Porzellan auf Lifestyle trifft

Die Höchster Porzellan-Manufaktur war insolvent – dann kam der neue Geschäftsführer aus Taiwan. Mit modernem Design und einem Afternoon Tea House in der Innenstadt will er junge Kunden gewinnen.

Höchster Porzellanmanufaktur
Das Karussell mit Formen für Porzellanteller. Foto: Peter Jülich

Als sich der neue Geschäftsführer an diesem Mittwochnachmittag der Presse offiziell und zum ersten Mal mit Namen vorstellt, gibt es in der Höchster Porzellan-Manufaktur ganz viele Petit Fours – diese werden natürlich auf einer Porzellan-Etagere präsentiert. Das größte Petit Four hat das bekannte Firmenlogo: das blaue Mainzer Rad als Zuckerguss.

Diese süßen Leckereien sind keine reine Höflichkeit, sondern auch ein Blick in die Zukunft. „Wir planen in der Goethestraße ein Afternoon Tea House, in dem wir unser Porzellan ganz anders als bislang präsentieren können. So gibt es Gebäck und Tee, das auf unseren Tellern und in unseren Tassen serviert wird. Die Leute sollen unseren Lifestyle erleben können“, sagt Evan Y. Chung. Lifestyle ist eines seiner Lieblingswörter. Noch sei er aber auf der Suche nach einer passenden Räumlichkeit. Eine Dolmetscherin der Wirtschaftsförderung übersetzt aus dem chinesischen, weshalb die Antworten immer etwas dauern. „Ich brauche noch Zeit, um Deutsch zu lernen“, sagt Chung, der 1976 geboren wurde. Über ihr Alter sprechen Asiaten nicht gern, erklärt die Übersetzerin. Fest steht: Der Taiwanese hat den zehn Mitarbeitern neue Hoffnung gegeben. Anfang Juni war bekannt geworden, dass ein Investor die insolvente Traditionsmanufaktur gerettet hatte.

Die 1746 gegründete Höchster Porzellan-Manufaktur hatte im Februar einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Frankfurt gestellt. Vor allem seit der Schließung des Porzellangeschäfts am Kornmarkt in der Frankfurter Innenstadt hatte das Unternehmen nicht mehr kostendeckend arbeiten können. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sagt über den neuen Geschäftsführer: „Er ist ein sehr erfolgreicher Unternehmer, der mit dem Herzen beim Thema Porzellan ist.“ Chung selbst sagt: „Ich habe ein großes Interesse an Kunst, und es ist mir wichtig, dass die über 200 Jahre alte Geschichte des Unternehmens nicht vergessen wird: das Know-how, das authentische Handwerk.“

Deshalb habe er auch als Zusatz zum Firmenlogo des Mainzer Rades auch noch das Gründungsjahr 1746 hinzugefügt. Er lebe im Flugzeug, sagt er und lacht. Momentan pendle er zwischen Frankfurt, Hongkong und Taiwan. Auch weiterhin solle alles in Frankfurt-Höchst produziert werden, sagt er. Ihm gehört auch die Zeva Life GmbH mit Sitz in Darmstadt, die schnieke Wannen und Toilettensitze herstellt.

Über den Kaufpreis für die Höchster Manufaktur wurde Stillschweigen vereinbart. „Geben sie uns ein Jahr, damit wir alle unsere Ideen umsetzen“, sagt Chung. Auch sein Team aus USA, Europa, Taiwan und China will er einbinden. Immer wieder betont er, dass er den Lifestyle mit der Tradition verbinden will. Auch beim Design.

 

Bekannt ist die Manufaktur, in der alles per Hand gefertigt wird, auch für ihre Figuren der „Türkischen Kapelle“. Eine Figur kostet ab 1000 Euro. Aber es gibt auch Ottmar Hörls einstige Plastik-Skulptur „Dürer-Hase“, der hier erstmals als Porzellanskulptur geformt werden durfte. „Aber man kann hier sich auch die Struwwelpeter-Tasse für unter 20 Euro kaufen, nur unter zehn Euro gibt es bei uns nichts. Das ist alles Handarbeit bei uns“, erzählt Mario Effenberger. Der 59-Jährige ist der künstlerische Leiter im Haus.

Und er ist es auch, der zusammen mit dem Frankfurter Designer Veit Streitenberger für den neuen kleinen Laden inmitten der neu errichteten Altstadt, am Markt 36, zuständig ist. Dort sollen Touristen, aber auch viel Laufkundschaft vom Höchster Porzellan erfahren und es natürlich kaufen können. „Unser sehr ehrgeiziges Ziel ist es, den Laden, in den wir noch nicht eingezogen sind, Ende September also zum feierlichen Eröffnungswochenende der Altstadt aufzumachen“, sagt Effenberger. Er glaubt an seien neuen Chef.

„Was Herr Chung alles in unseren intensiven Gesprächen sagte, klingt sehr plausibel. Er hat unser Potenzial erkannt“, sagt er. Wichtig sei dabei auch, dass man jüngere Kunden anziehe. „Mit Porzellan folgt man aber keinen großen Trends, sondern versucht es mit zeitlosen, modernen Designs.“ Effenberger hofft außerdem, eine jüngere Generation für die „Ehrfurcht dieses Handwerks“ begeistern könne. Momentan liege das Durchschnittsalter bei 50. „Wir haben jetzt die Chance, neue, junge Mitarbeiter, vielleicht auch Lehrlinge zu rekrutieren.“

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