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Historisches Museum Kapital statt Kapitale

„Typisch Frankfurt“: Das neue Historische Museum zeigt acht Tableaus mit Frankfurter Eigenschaften.

Kapital
Das Geld, die Kirche, die kaiserlichen Insignien ? kapitales Frankfurt auf einen Blick. Foto: Christoph Boeckheler

Das „heimlich“ vor der Hauptstadt, jeder weiß es, haben wir ja dem Adenauer zu verdanken. Selbstverständlich wäre Frankfurt 1949 die logische Wahl für den Sitz des Bundestags und der Regierung gewesen, 101 Jahre nach der Paulskirchenversammlung und angesichts der Unpässlichkeit des auf östliche Abwege geratenen Berlin.

Aber nein, Kanzler Konrad musste ja kurz vor der Abstimmung ein Gerücht streuen, sein Widersacher Kurt Schumacher (SPD) habe sich bereits über die „sichere Niederlage“ der Konservativen in der Hauptstadtfrage gefreut – das melde der Deutsche Pressedienst. Die Nachrichtenagentur brachte die angebliche Meldung dann in Wahrheit nie. Aber die hessischen CDU-Abgeordneten stimmten erzürnt für Bonn, das schließlich mit vier Stimmen Vorsprung gewann. Wer weiß, wofür’s gut war. Am End hätten wir sonst noch die ganzen Politiker hier, nicht nur die Banker aus nah und fern.

So aber ist die „heimliche Hauptstadt“ eine der acht herausragenden Frankfurter Eigenschaften, die im neuen Historischen Museum ab Oktober zu bestaunen sein werden. Das Künstlerpaar Marc und Sylvie Giai-Miniet aus Frankreich hat den Auftrag sehr ernst genommen, die entsprechende Motivscheibe zu gestalten, die im Wechsel mit den sieben anderen Eigenschaften in einer Schneekugel zu sehen sein wird. Sie ist die am üppigsten beladene Plattform von allen.

Da sieht man die Skyline, die großen Kirchen, die Insignien der Kaiser, denn natürlich war Frankfurt schon in alter Zeit die geborene Hauptstadt. „Seit dem 12. Jahrhundert“, erinnern Museumsdirektor Jan Gerchow und Kuratorin Susanne Gesser, „wurden die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Frankfurter Bartholomäusdom gewählt und von 1562 bis 1792 bis auf vier Ausnahmen auch gekrönt.“ Die Goldene Bulle von 1356 habe als wichtigstes Reichsgesetz Frankfurt als Wahlort vorgeschrieben.

Tja, aber irgendwann kamen die Preußen. Den Titel der Geldhauptstadt konnte man uns aber nicht streitig machen, schon gar nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner sich am Main niedergelassen hatten. Die Plattform zeigt daher die Bankentürme, sie zeigt aber auch den Römer, auf dessen Balkon die Fußball-Nationalmannschaft 1974 und 1990 nach erfolgreichen Weltmeisterschaften empfangen wurde – auch in gewisser Weise eine Kaiser-Verehrung, denn da war jeweils Franz Beckenbauer entscheidend beteiligt.

Mit auf der runden Fast-Hauptstadt-Scheibe ist übrigens auch ein Drahtseilakt: der berühmte Hochseillauf des Artisten Philippe Petit beim 1200-Jahre Stadtjubiläum am 12. Juni 1994. Er ging über den Köpfen der staunenden Bevölkerung von der Paulskirche bis zum Dom. Das Motiv wird auch als Projektion in der Rotunde des Museums zu sehen sein – neben vielen anderen Frankfurter Einzigartigkeiten wie dem Wäldchestag oder dem Goetheturm.

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