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Hilfestellung für Migranten in Frankfurt In den Beruf finden

Junge Migranten informieren sich beim „Brücken- und Wege-Tag“ des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit über Zukunftsperspektiven.

Michael Eder
Michael Eder, Mitarbeiter der Firma Cisco Systems, hilft Jugendlichen beim Ausfüllen von Fragebögen. Foto: Christoph Boeckheler

Mohammad Ahmado hat es geschafft: Rund zwei Jahre nachdem er aus Syrien geflohen ist, hat er im vergangenen Sommer einen Ausbildungsplatz gefunden und lässt sich seither zum Zahntechniker ausbilden. Am Dienstag ist der 28-Jährige noch einmal an den Ort zurückgekehrt, an dem er zuvor im Integrationskurs Deutsch gelernt hatte: beim Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit in der Rechneigrabenstraße. Rund 200 Jugendliche, die wie Ahmado nach Deutschland geflohen oder zugewandert sind, wollen sich hier heute beim „Brücken- und Wege-Tag“ Anregungen für ihre berufliche Zukunft holen – und Ahmado als „Best Practice“-Beispiel erzählt ihnen, wie er es geschafft hat.

„Man sollte ein Ziel haben, auf dass es sich lohnt hinzuarbeiten“, sagt Ahmado. „Die deutsche Sprache schnell und gut lernen ist wichtig. Und deutsche Freunde sind sehr hilfreich.“ Ein Freund war es auch, der Ahmado für den Beruf des Zahntechnikers begeisterte – nach ersten Praktika verschickte er bundesweit rund 50 Bewerbungen, ehe er schließlich seine jetzige Stelle fand.

Der Syrer hatte allerdings auch beste Voraussetzungen: Er brachte schon einen Schulabschluss aus seiner Heimat mit, hat dort sogar einige Semester Geschichte studiert, ehe er fliehen musste. Viele der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ihm zuhören, sich in die Schlange für Bewerbungsfotos einreihen, die Stände auf dem Markt der Möglichkeiten besuchen oder der Livemusik von „Bridges“ und dem Heartbeat-Bus lauschen, haben noch einige Schritte mehr zu gehen. Sie besuchen aktuell Integrationskurse oder Intensivklassen an beruflichen Schulen (InteA), um dort den Hauptschulabschluss oder zumindest ein Deutschzertifikat zu erreichen. 

Ihr Sprachdiplom haben die Klassenkameraden Mahdi und Amir (Namen geändert) schon geschafft. Für den Hauptschulabschluss müssen die beiden 21-Jährigen aber noch ein weiteres Jahr in einem Bildungsgang zur Berufsvorbereitung (BzB) verbringen. Der Afghane Mahdi hofft, danach einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker zu finden. Oder als Tischler – „in Afghanistan habe ich bei meinem Vater in der Werkstatt mitgearbeitet“. Amir hingegen weiß noch nicht, was er beruflich machen möchte, „ich habe ja noch nie gearbeitet“, sagt er. Zudem wurde der Asylantrag des Irakers abgelehnt. „Ich weiß nicht, ob ich in Deutschland bleiben darf, das macht es schwierig zu planen.“

„Der unsichere Aufenthaltsstatus verunsichert viele Jugendliche und hemmt sie beim Entwickeln von Zukunftsperspektiven“, sagt Patrick Siegfried vom Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit, dessen Sozialpädagoginnen und -pädagogen InteA-Klassen an acht Frankfurter Schulen unterstützen. Der heutige „Brücken- und Wege-Tag“, den der Verein das zweite Jahr in Folge ausrichtet, soll die Jugendlichen ermutigen und ihnen an den Infoständen, die etwa das Amt für multikulturelle Angelegenheiten oder der Verein für Kultur und Bildung aufgebaut haben, erste Ideen mit auf den Weg geben. Damit auch sie, wie heute Mohammad Ahmado, eines Tages erzählen können, wie sie ihren Einstieg in den Beruf gefunden haben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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