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Hessischer Rundfunk Weg vom Äther

Nach 39 Jahren, davon 22 als Chef, kehrt Jörg Bombach HR3 den Rücken. Zum 30. November wechselt der Moderator endgültig zum Hessen-Fernsehen. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Wechselt den Schreibtisch: Jörg Bombach. Foto: Stephan Morgenstern

Einmal hat sogar der „Bombi“ feuchte Augen bekommen. Es war im Winter 1989/1990, die Mauer war gerade gefallen, und HR3-Moderator Jörg Bombach machte gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Koschwitz Party an der Zonengrenze. Irgendwo östlich von Tann in der Rhön, wo Europa wenige Wochen zuvor noch in zwei Lager geteilt war, hatte der Sender ein Zelt aufgestellt und feierte eine seiner berüchtigten Discopartys.

Es sollte eine besondere Party werden: Tausende Menschen von diesseits und jenseits der Grenze feierten so ausgelassen, als hätten sie gerade erst verstanden, was in unmittelbarer Nähe geschehen war. Mitten in der Nacht mussten dann die Wände des Zelts geöffnet werden, weil es einfach zu voll war.

Gut möglich, dass Jörg Bombach am 30. November wieder mit den Tränen zu kämpfen haben wird. Dann feiert er seinen Abschied von HR3 – nach 39 Jahren, davon 22 als Chef. Wie der Hessische Rundfunk am Montag einigermaßen überrascht bekannt gab, übernimmt Jan Vorderwülbecke, Leiter von You FM, den Sender. Der 57-jährige Bombach wechselt endgültig zum Hessen-Fernsehen. Dort moderiert er bereits das „Hessenquiz“ – eine Sendung, die eine gänzlich andere Zielgruppe hat als HR3, wie Bombach einräumt. Während sich die Radiostation trotz der Konkurrenz durch die Jugendwellen immer noch als ein Sender für halbwegs junge Leute versteht, geht es in der TV-Show vor allem um Fragen des Brauchtums und des hessischen Dialekts.

Für ihn sei dieser Gegensatz in den vergangenen Jahren nie ein Problem gewesen, sagt Bombach. Zu alt fühle er sich für HR3 nicht. „Es war eine tolle Zeit, aber es reicht jetzt einfach“, sagt der Journalist. Er freue sich jedenfalls darauf, sich künftig voll aufs Fernsehen konzentrieren zu können, und betont, das „Hessenquiz“ sei das meistgesehene Format des Senders.

Es sind nette Geschichten, die Bombach aus knapp vier Jahrzehnten Radio erzählen kann. Etwa über die 70er Jahre, als er mit seinen Kollegen („Da waren noch welche vom Afrika-Feldzug dabei“) jeden Vormittag zum Hauptbahnhof ging, um „bei einem Bier die Leute anzuschauen“. Oder aber die 80er, als die Radio-Moderatoren selbst die Stars waren und Hunderte zu Partys kamen, um Koschwitz oder Martin Hecht zu erleben. Und dann Schaf Manfred. Während einer technischen Panne fabulierte er plötzlich von einem sprechenden Schaf. Das Maskottchen von HR3 war geboren. Zeitweise saß sogar ein echtes Schaf im Studio.

In den vergangenen Jahren hatte sich Bombach rar gemacht am Mikro. Nur in einigen ausgewählten Wochen moderierte er freitagmorgens die „Bombi-Show“, eine ziemlich lustige Sendung, in der auch mal Blaskapellen und Zauberer auftreten durften. Eine Abschiedsshow wird es nicht geben. „Das wäre Selbstbeweihräucherung“, sagt Jörg Bombach.

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