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Hertie-Stiftung Schön und aufstrebend

Eine neue Umfrage gibt Frankfurt und seinem Umland gute Noten. Vor allem geben die Bewohner des Ballungsraums ihrer Heimat gute Noten, bessere als die Berliner der Hauptstadt zugestehen. Bloß weniger Verkehr wäre noch schöner. Und billigere preise.

24.09.2010 17:48
Matthias Arning
Zwischen den Türmen und weit weg von ihnen lebt es sich gut. Foto: FR/Müller

Achtzig Prozent der Frankfurter würden ihren Bekannten empfehlen, in die Stadt am Main zu ziehen. In Berlin fällt dieser Rat mit siebzig Prozent geringer aus. Erstaunlich findet Michael Endres dieses Ergebnis der von seiner Stiftung vorgelegten Hertie-Studie nicht. Für ihn selbst gelte das im Übrigen auch: „Je länger die Menschen hier leben, desto lieber bleiben sie“, unterstreicht der Vorstandschef ein Fazit der Expertise zur Befindlichkeit der Menschen in der Metropolregion, von der er sich eine rege Debatte verspricht. In der Bundeshauptstadt sei es mit der Zufriedenheit und dem Wohlfühlen genau umgekehrt.

In Berlin reden gegenwärtig viele über sich plötzlich auftuende Parallelgesellschaften. Davon kann in Frankfurt und Rhein-Main keine Rede sein. „Frankfurt hat gar keinen Platz für Parallelgesellschaften“, macht Konrad Götz, Mitautor der Studie, am Freitag deutlich: „Die Vorstellung, regionale Identität könne nur auf Basis von Gemeinschaftlichkeit und Einheitlichkeit entstehen, trifft nicht zu“, sagt der Wissenschaftler vom Institut für sozial-ökologische Forschung, das für die Expertise Interviews mit Menschen aus Stadt und Region geführt hat. „Die Region ermöglicht es in ihrer einzigartigen Vielfalt von Lebensstilen und schroffen Gegensätzen ganz unterschiedlichen Menschen, Heimatgefühle zu entwickeln und sich zu identifizieren“, unterstreicht Götz.

Für Klaus Hurrelmann, den die Studie leitenden Sozialwissenschaftler, ergeben sich aus der Befragung von insgesamt 3000 Menschen klare Hinweise, dass „die Integration von Einwanderern von den Bewohnern Frankfurts und der gesamten Region als gut gelungen empfunden wird“. In diesem Zusammenhang wirke das Wirtschaftswachstum im Ballungsraum überaus positiv. Entwickele sich die wirtschaftliche Dynamik künftig anders, „treten die Probleme offen hervor“. Darüber sollte man sich besser nicht hinwegtäuschen. Wenngleich die Ergebnisse der Befragungen doch einen guten Einblick in die Befindlichkeiten der Frankfurter wie der Rhein-Mainler lieferten.

Steigende Preise

So zufrieden die Menschen auch mit ihrer Lebenswelt im Ballungsraum sind, so gibt es doch eine Reihe von Problemen, die ihnen Kopfzerbrechen bereiten. Etwa die steigenden Preise. Das nehmen die Autoren als deutlichen Hinweis auf Verunsicherungen in der Mittelschicht, wo seit Jahren die Angst vor einer Inflation wachse. Gleichzeitig leiden viele Bewohner unter einem Zuviel an Verkehr und einem Zuwenig an Kinderbetreuungsplätzen. Dagegen tritt die Zahl der Ausländer wie auch die Frage nach Ausgrenzung und Intoleranz deutlich zurück. Vielmehr verstehen die meisten Bewohner der Metropolregion ihre Nachbarschaft als international, weltoffen, selbstbewusst und lebensfreudig.

3000 Befragte, damit könne die Studie als repräsentativ gelten, sind die Autoren überzeugt. 1200 Menschen wurden in Frankfurt befragt, 1000 in einem enger gefassten Rhein-Main-Gebiet zwischen Wiesbaden und Hanau, dem Hochtaunuskreis und Darmstadt, und noch einmal 800 in der weiter gefassten Metropolregion bis nach Fulda und Aschaffenburg.

Sie erleben in ihrer großen Mehrheit Frankfurt/Rhein-Main als „eine zusammenhängende Einheit“, in der sie sich wohl fühlen und in der sie gerne leben.

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