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Henninger-Turm Frankfurt Der neue alte Turm

Der Henninger-Turm war ein Frankfurter Wahrzeichen. Nun ist am Hainer Weg ein Wohnhochhaus entstanden, das dessen Form aufgreift. Im Juli können die ersten Bewohner einziehen.

Henninger-Turm in Frankfurt
Der Henninger-Turm war ein Frankfurter Wahrzeichen. Nun ist am Hainer Weg ein Wohnhochhaus entstanden, das dessen Form aufgreift. Foto: Christoph Boeckheler

Weiß und bläulich glitzert der neue alte Turm in der Morgensonne. Hoch ist er geworden, misst mit 140 Metern gut 20 mehr als der Getreidesilo mit Drehrestaurant im aufgesetzten Fässchen, das als Henninger- Turm einst als Sachsenhäuser, ja Frankfurter Wahrzeichen galt. Im Vergleich zum Vorgängerbau ist er zudem deutlich in die Breite gegangen.

Noch läuft der Innenausbau, ist in dem von weitem sichtbaren Solitär am Hainer Weg nicht allzu viel zu sehen. Die Bodenbeläge sind bereits verlegt, fast alles ist aber noch abgehängt. Im Juli werden die ersten Bewohner in das dann zweithöchste Wohnhaus Deutschlands (nach dem Kölner Colonia-Haus) ziehen. Bis Ende September sollen die 209 Wohnungen nach und nach übergeben und bezogen werden.

Bis auf eines der 300 Quadratmeter großen Luxusapartments mit 360-Grad-Panorama im 40 Meter hohen Fässchen, sind alle verkauft. Für die Einheiten im eigentlichen Hochhaus sind im Mittel etwa 6500 Euro pro Quadratmeter geflossen. Im Fässchen ist es deutlich teurer. Kaufpreise von 4,55 Millionen Euro machten schon vor Monaten die Runde. In den meisten der neueren Hochhausprojekte sind die Preise im Mittel allerdings noch deutlich teurer.

Internationale Käufer, die Wohnungen als Kapitalanlage erwerben, spielen in der Marketingstrategie vieler Wohnturm-Entwickler eine große Rolle. Manche gehen gar in Dubai oder Singapur auf Roadshow. Unter den Käufern der Wohnungen im neuen Henninger Turm seien dagegen fast nur Menschen aus Frankfurt und der Region, heißt es. Die meisten zögen selbst ein, sagt Michael Noll, der für den Mannheimer Bauherrn Actris den Vertrieb verantwortet. Dessen Geschäftsführer ist Daniel Hopp, Sohn des SAP-Milliardärs Dietmar Hopp. Bewusst sei das Projekt nicht auf Kapitalanleger ausgerichtet geworden, sagt Projektleiter Jörg Janson. Gebe es zu wenig Eigennutzer, drohten solche Projekte zu kippen.

Oben im 38. Stock des Turms, auf der Aussichtsterrasse, geht der Blick über die Frankfurter Skyline weit ins Land hinaus. In mehr als 130 Meter Höhe wird man hier von Ende September an mit Panorama-Aussicht essen, Café und Bier trinken können. Ein Aufzug bringt die Gäste direkt hinauf. So kommen sich Bewohner und Besucher nicht in die Quere.

Restaurant im 39. Stock

Die Bewirtung übernimmt der Frankfurter Gastronom Christian Mook, der das Restaurant im 39. Stock betreiben wird. Drehen wird es sich – anders als das einst beliebte Lokal im Fässchen – allerdings nicht.

Außer der Lobby mit einem rund um die Uhr besetzten Concierge-Service wird es nichts als Wohnungen im Hochhaus geben, keine Gemeinschaftsräume vom Kino bis zum Garten etwa, wie sie einige Türme bieten. Dafür zieht ein Fitnessstudio samt Schwimmbad auf dem Dach in das den Turm halb umschließende Sockelgebäude ein. Darin sollen zudem eine Brauereigaststätte, ein großer Edeka Scheck-In, ein Aldi, ein DM-Markt und eine Apotheke Platz finden und die Nahversorgung für das gesamte Quartier übernehmen.

2013 ist der alte Henninger- Turm, der als Silo für Gerste und Malz diente, abgerissen worden. 2014 begannen die Arbeiten am Neubau. Inzwischen ist man etwa ein halbes Jahr über dem zunächst gesetzten Zeitplan. Mindestens 150 Millionen Euro wird das Projekt kosten. „Baut den neuen Henninger-Turm“, sei der Auftrag gewesen, sagt Janson. Der Anspruch sei, ein neues altes Wahrzeichen zu schaffen. Und nicht nur die Kompromisse, die nötig seien, um einen modernen Wohnturm in Form eines früheren Getreidelagers zu bauen, seien sehr aufwendig. Janson weist etwa auf die Fassade hin. Die ähnelt der des früheren Henninger- Turms schon wegen der weithin sichtbaren Balkone kaum, ist aber sehr detailreich gestaltet, fast wie in Handarbeit. Kein Balkon sei wie der andere.

Schräg gegenüber dem Turm, auf der östlichen Seite des Hainer Wegs, hat Actris gemeinsam mit dem Unternehmen Conceptaplan bereits 200 Wohnungen des Projekts Stadtgärten realisiert und im Mittel für 4500 Euro pro Quadratmeter verkauft. Die von vier verschiedenen Architekten gebauten Häuser sind bezogen. Auf dem südlich angrenzenden Areal aber wird noch jahrelang eine riesige Baustelle sein. Bis das ganze Quartier bebaut ist, alle 800 Wohnungen der Stadtgärten fertig sind, könnte es 2022 werden, schätzt Janson.

Der angrenzende historische Park der Villa Henninger, der denkmalgeschützt ist und erhalten bleibt, soll öffentlich zugänglich sein. Die aus den 1950er Jahren stammende Villa Schubert am Wendelsweg soll dagegen einer neuen Bebauung weichen.

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