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Hausbesetzung Frankfurt Haus im Gallus besetzt

Die Initiative „Communal West“ besetzt im Frankfurter Stadtteil Gallus ein Haus, um dort das Stadtteilzentrum „Blauer Block“ einzurichten. Es ist nicht das erste Mal, dass die Initiative dies tut. Im Mai hatte sie bereits versucht, dass ehemalige Sozialrathaus Gallus zu besetzen.

Die Initiative „Communal West“ bezeichnete die Hausbesetzung im Gallus als „Wiedereröffnung“ des Stadtteilzentrums „Blauer Block“ Foto: Peter Jülich

Rund 100 Menschen haben am frühen Freitagabend ein leerstehendes Haus in der Krifteler Straße 86 im Gallusviertel besetzt. Gegen 18.30 Uhr hängten Aktivisten zwei Transparente an dem Haus auf, auf denen „Besetzt“ und „Kommste rin – kannste rausgucken“ zu lesen war. Die Besetzung war offenbar von langer Hand geplant: Schon wenige Minuten später trafen weitere Unterstützer ein, ein Transporter brachte eine Musikanlage, Bierkisten, Holzbänke und Material für einen kleinen Infostand vorbei. Anwohner und Passanten blieben stehen und fotografierten die Szenerie.

Der Sprecher der Initiative „Communal West“, Kevin Prinzig, bezeichnete die Besetzung als „Wiedereröffnung“ des selbsternannten Stadtteilzentrums „Blauer Block“. Bereits Ende Mai hatte die Initiative das ehemalige Sozialrathaus Gallus in der Mainzer Landstraße besetzt. Auch damals wurde auf Flugblättern und einem eigens eingerichteten Blog die Eröffnung eines selbstverwalteten Stadtteilzentrums verkündet, das „Blauer Block“ heißen sollte. Die Polizei hatte die Besetzung nach wenigen Stunden am Abend beendet, dabei war es zu kleineren Rangeleien gekommen.

Initiative will "Fakten schaffen"

„Das Bedürfnis nach einem Ort, wo man sich selbstorganisiert und ohne Kommerz austauschen kann, ist durch diese Räumung nicht verschwunden“, sagte Prinzig der Frankfurter Rundschau. Gerade im Gallus, das stark von Mieterhöhungen und Gentrifizierung betroffen sei, brauche es unbedingt Räume, wo sich die Bewohner über die Probleme ihres Stadtteils austauschen könnten, so der 26-Jährige.

Die Stadt habe nach der Räumung des zehn Jahre lang besetzten „Instituts für vergleichende Irrelevanz“ am alten Campus Bockenheim gezeigt, dass sie nicht zu Verhandlungen über solche Projekte bereit sei, sagte Prinzig. „Deshalb hat die Gruppe entschieden, erst einmal Fakten zu schaffen.“ Das Haus stehe leer, die Stadt habe dafür offensichtlich keinerlei Verwendung. Da das Thema Wohnen und Leerstand gerade sehr aktuell sei, sei die Initiative „optimistisch, dass die Stadt sich dieses Mal nicht so einfach aus der Verantwortung ziehen kann“. Die Geschichte der Hausbesetzungen in Frankfurt zeige, dass Besetzer oft auf drängende Themen in der Stadt aufmerksam machten.

Interessierte Anwohner

Anwohner zeigten sich in ersten Reaktionen interessiert. Viele erzählten, dass das Haus schon lange leerstehe. „Vielleicht ist es gar nicht schlecht, einen Daumen auf das Haus zu halten und Interesse anzumelden“, sagte Marion Berghäuser, eine 46-jährige Anwohnerin. Gerade junge Leute hätten in der Tat wenig Raumangebote im Gallus. Helga Roos, die ebenfalls um die Ecke wohnt, sagte, die Besetzung könne die Debatte um die Zukunft des Gallus beleben. „Hier verändern sich durch die Gentrifizierung gerade viele Dinge, die uns alle massiv betreffen“, sagte die 59-Jährige.

Bisher bliebt die Lage in der Krifteler Straße friedlich.

 

 

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