Lade Inhalte...

Hauptbahnhof in Frankfurt Wenn die Putzkolonne kommt

Auch in der Nacht stehen die Räder bei der Deutschen Bahn nicht still. Ein Besuch im ICE-Werk in Griesheim.

Verkehr in Frankfurt
Treffen sich zwei Reiniger. Nicht etwa der Anfang eines Witzes, sondern eine Tatsache, die in jeder Nacht auf dem Frankfurter Hauptbahnhof zu beobachten ist. Foto: Renate Hoyer

Die Nacht ist lau, fast schon warm. Eine lange schmale Straße führt verschlungen von der Hauptstraße ab. An den Seiten wuchern hohe Hecken. Wie aus dem Nichts taucht eine Schranke auf dem Weg auf. Als sie aufschwingt, gibt sie den Weg zum ICE-Werk im Frankfurter Stadtteil Griesheim frei. 

Schichtleiter Steven Neumann begrüßt die Gäste. Hinter ihm steht die Halle 3. Mit ihrer weiß-roten Fassade erinnert sie schon an die Farbgebung der Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn. Seit mehr als fünf Jahren gibt es die Halle bereits, seitdem wird dort rund um die Uhr gearbeitet. 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. In dieser lauen Nacht stehen drei ICE zur Wartung in Halle 3, berichtet Neumann. Etwa 30 Mitarbeiter werkeln im Inneren. Mehr als 100 sind es auf dem gesamten Gelände.

Obwohl die kürzeste Nacht des Jahres bevorsteht – es ist Sommersonnenwende – gibt es nicht minder viel zu tun für die Mitarbeiter der Bahn. Damit sind nicht nur die Beschäftigten der Wartung gemeint, sondern auch die zahlreichen Mitarbeiter, die in anderen Bereichen tätig sind. Doch dazu später mehr. 

Zunächst geht es in das Innere von Halle 3. Auf dem ersten Wartungsgleis steht ein ICE der Baureihe 406, acht Wagen reihen sich aneinander. Die Mitte der Halle ist mehrere Meter tiefergelegt, so dass der Zug nun über dem Boden steht. „Jeder Zug hat Fristen. Wenn er eine gewisse Anzahl an Kilometern hinter sich hat, muss er zur Inspektion“, sagt der Schichtleiter. Ein bisschen ist es wie beim Auto, aber bei einem ICE gibt es schon noch mal ein paar Unterschiede. 

Der 406er auf dem ersten Gleis ist außerplanmäßig in Griesheim. Grund ist eine IS 030. Diese Instandhaltungsstufe verdeutlicht, dass der Zug außerhalb der regelmäßigen Wartung da steht. Mehrere Radsätze müssen getauscht werden, die tonnenschweren Räder sind mit einer Achse verbunden und werden von den Mitarbeitern in dieser Nacht gewechselt. Etwa zwei Stunden braucht man für einen Radsatz. Auf einem großen Display neben dem Zug steht als Uhrzeit 5.30 Uhr – zu diesem Zeitpunkt soll der ICE wieder aus dem Werk rollen, dann müssen alle Arbeiten erledigt sein. Und weil der 406er schon mal da ist, werden auch gleich noch einige defekte Toiletten ausgetauscht.

Neumann erzählt, dass die Bahn mehrere Fehlerklassen von eins bis neun unterscheidet. Die vorderen Klassen sind dringende Fehler und oft sicherheitsrelevant. „Die Radsätze am Zug haben wir pro forma gewechselt“, sagt Steven Neumann. Sensoren an den Gleisen erfassen, wenn der ICE sie überfährt, Unregelmäßigkeiten bei den Rädern. Kommt dies häufiger vor, muss  der Zug in die Werkstatt, damit die betroffenen Radsätze getauscht werden – bevor sie ein sicherheitsrelevanter Fall werden.

Auf dem zweiten Gleis steht ein ICE der Baureihe 407. „Der ist bereits seit Montag hier“, sagt Neumann. Instandhaltungsstufe 530 erklärt er dann und sagt, dass der Zug eine ganze Woche im Werk bleibt. Unter anderem müssen Bremstests vorgenommen werden. Und die hört man. Ständig zischt und quietscht es an einigen Stellen. 

Ohnehin ist in Halle 3 ein grundsätzliches Rauschen zu hören. Beim 407er blinken regelmäßig rote Lampen an dem Gleis, auf dem er steht; diese warnen die Mitarbeiter vor den Bremstests. Am vorderen Wagen des Zugs zeigt Neumann noch den „Train Mover“. Mit diesem Gerät können die Züge per Fernbedienung in der Halle bewegt werden. Die Menschen hingegen bewegen sich eher per Fahrrad fort. An mehreren Stellen stehen Räder, um Hol- und Bringzeiten in der riesigen Halle zu verkürzen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen