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Hauptbahnhof Frankfurt Bahn schafft Gepäckwagen ab

Schon zweimal wurde die komplette Flotte der Gepäckwagen im Frankfurter Hauptbahnhof geklaut und musste wieder erneuert worden. Nun wurden die Wagen bis auf Weiteres abgeschafft.

Die Gepäckandockstation am Hauptbahnhof ist ohne Gepäckwagen, weshalb die Reisendenden ihr Gepäck tragen oder ziehen müssen. Foto: Hartung

Von wegen Metropole. „Das hier ist wie in einem Provinznest“, schimpft Traugott Redieck aus Lübeck. Der Reisepartner des 55-Jährigen kommt kopfschüttelnd zurück zum Gleis 6 des Frankfurter Hauptbahnhofs, wo die beiden ganz weit hinten mit ihrem schweren Gepäck gestrandet sind. Nach einem Gepäckwagen kann er ewig suchen. „Die sind ständig geklaut worden, deshalb hat man sie abgeschafft“, hat er erfahren. Dies bestätigt ein Bahn-Sprecher der Frankfurter Rundschau: Bis auf Weiteres gebe es keine Gepäckwagen im Frankfurter Hauptbahnhof mehr. Noch sei nicht endgültig entschieden, ob es künftig dabei bleibe. Die Wagen, die immer wieder entführt würden, seien teuer. Und 99 Prozent der Reisenden benötigten diesen Service gar nicht mehr, weil sie mit rollfähigem Gepäck unterwegs seien.

Die beiden Männer auf Gleis 6 sind es nicht. Sie sind auf der Rückreise von einer Flusswanderung. Vor ihnen steht alles, was sie für ihren Natururlaub brauchten: Zelt, Schlafsäcke, wasserfeste Tonne, Paddel und der Sack mit dem Faltkanu, das einen Zentner wiegt. Wie sie das Ganze zum Südausgang transportieren sollen, wo die Abholerin wartet, ist ihnen schleierhaft. Vielleicht wäre ja der Mann auf dem Elektrokarren so nett – gegen ein großzügiges Trinkgeld? „Nö“, sagt der und fährt mit seinen beiden kleinen Zeitungsstapeln davon.

Redieck ist außer sich. „Auf dem Flughafen gibt es Tausende von den Dingern, hier keinen einzigen“, sagt er den beiden Schaffnern, die ihm zufällig über den Weg laufen. „In Hamburg“, tröstet der eine ihn, „sind die Gepäckwagen auch abgeschafft worden.“ In Augsburg, Göttingen und Berlin ebenfalls. „Aber nicht in Bremen“, brummelt der Wassersportler aus Norddeutschland. Dort waren die beiden in den Zug nach Frankfurt gestiegen.

So viel Gepäck hätten sie gar nicht mitnehmen dürfen, sagt der Bahnsprecher: „Erlaubt ist nur, was über und unter dem Sitz verstaut werden kann.“ Reisende wie die beiden seien Einzelfälle. Sie hätten sich an den Service-Point wenden können. Dort hat Redieck auch nachgefragt und keine Hilfe bekommen. „Wir waren in jüngster Zeit personell etwas knapp“, entschuldigt sich der Bahn-Sprecher. Das Problem des Gepäckwagenschwunds ist nicht neu: Schon zweimal sei die komplette Flotte geklaut und wieder erneuert worden. Vor vier Jahren startete die Bahn ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt mit einer Wegfahrsperre. Rund um den Hauptbahnhof wurden rote Linien angebracht, bei denen die Räder blockierten.

Die Hoffnung, damit den Dieben das Handwerk zu legen, erfüllte sich nicht. Die Wagen verschwanden weiter in Fernreisebussen, wurden zur Beute professioneller Metalldiebe. Erfolglos blieb auch vor acht Jahren der Versuch mit menschlichen Gepäckträgern, die ihre Dienste anbieten. „Die Leute wollen dafür nicht bezahlen“, sagt der Bahnsprecher. Das habe auch eine Umfrage unter Reisenden bestätigt.

Die beiden Wassersportler hätten liebend gerne ein paar Euro bezahlt, um von Gleis 6 wegzukommen. Zum Schluss sah die Lösung so aus: Die Abholerin parkte ihr Auto im Halteverbot und bewachte das Gepäck. Die Männer schleppten die Säcke und die Tonne nach und nach zum Südausgang. Knapp eine Stunde nach der Ankunft ihres Zuges konnten sie den Hauptbahnhof verlassen.

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