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Harheim Behutsames Wachstum

Der Stadtteil Harheim im Norden hat sich seinen Charme und viel idyllisches Grün bewahrt.

Landschaftsgärtner Stefan Quirin liebt sein beschauliches Harheim. Foto: Andreas Arnold

Es ist ein kleines Rinnsal, das da in dem Grünstreifen zwischen Kleingärten und der Riedhalsstraße vor sich hin plätschert. Einige hundert Meter entfernt mündet es in den Eschbach und schließlich in die Nidda. Aber es ist Leben drin. „Das ist der Born, hier haben wir als Kinder Kaulquappen und Stichlinge gefangen“, erinnert sich Stefan Quirin. Der 57-Jährige ist gebürtiger Harheimer, der bis zum Alter von zwei Jahren auf dem elterlichen Bauernhof in der Korffstraße wohnte, ehe die Familie mit ihrem Gehöft an den Ortsrand Richtung Nieder-Erlenbach zog. Dort betreibt Quirin seit mehr als 20 Jahren eine Landschaftsgärtnerei.

Die Landwirtschaft habe sich bei dem kleinen Hof mit nur 25 Hektar Ackerfläche nicht mehr gelohnt, erzählt Quirin. Sechs Pferde hält er aber noch immer auf dem Gut. Sein 32-jähriger Sohn arbeitet seit mehreren Jahren in der Gärtnerei mit und soll sie irgendwann einmal übernehmen.

Am Born posiert Quirin für den Fotografen unter einer Trauerweide, deren herunterhängenden, nackten Äste sich im Wind wiegen. Es ist ein kalter, aber klarer und sonniger Januarmorgen. In hohen, kargen Baumwipfeln haben Krähen Nester gebaut. Ihr Gekrächze ist weit zu hören. Am liebsten sei er draußen in der Natur, sagt Quirin, beispielsweise an der Nidda. „Dort sieht man ab und zu auch mal einen Storch oder Rehwild.“

In der angrenzenden Riedhalsstraße, auch Spielstraße genannt, nutzen drei Jungen mit Rädern die Hindernisse, die neben Basketballkörben für Skater aufgebaut wurden. Durch die einige hundert Meter lange asphaltierte Schleife am Ortsrand darf kein Auto hindurch fahren. Aaron ist mit seinen Freunden aus Massenheim herüber geradelt. Der Zehnjährige habe auch mal in Harheim gewohnt, erzählt er. Am Born habe er früher Frösche mit seinem Kescher gefangen. „Und in der Nidda ist mir auch mal ein Fisch ins Netz gegangen“, sagt er und zeigt mit beiden Händen, wie groß er gewesen sei. Die Jugend scheint also ähnliche Hobbies wie vor rund 50 Jahren zu Quirins Kindertagen zu pflegen.

Hinter der Spielstraße beginnt das Naturschutzgebiet Harheimer Ried, das sich neben Sporthalle und Fußballplatz der SG Harheim bis zum Niddaufer erstreckt. Auf dem erst kürzlich gebauten „Senioren-Fitnessparcours“ gegenüber probieren sich an den Geräten gerade zwei noch gar nicht so alte Männer. „Ein geiles Ding, der Parcours“, sagt Quirin. „Jung und Alt und trainieren hier.“

Quirin ist stolz auf seine Heimat. Das merkt man in fast jedem Satz. Dem Mann mit breitem Schnurrbart und Brille ist, wie vielen Harheimern, wichtig, dass „wir eine selbständige Gemeinde“ waren. Erst 1972 wurde der nördliche Stadtteil „zwangseingemeindet“, wie der Ur-Harheimer es formuliert. Als Jugendlicher habe er das miterlebt. Vater Hans sei in der freien Wählergemeinschaft gewesen und auch der Sohn ist politisch engagiert. Für die CDU sitzt der gelernte Landwirt im Ortsbeirat.

Mit der Entwicklung des Stadtteils ist Quirin hoch zufrieden. „Daran haben die Harheimer massiv gearbeitet, auch gegen Druck aus Frankfurt.“ Insbesondere die Gemeinschaft im Quartier hebt Quirin hervor. Die 18 Vereine würden eine „Riesen-Sozialarbeit“ leisten. Rund 1000 Bürger seien Mitglieder in Vereinen, neben Sportklubs im Kirchenchor oder Kulturverein.

„Die Vereine sind bemüht auch Neubürger zu integrieren“, sagt Quirin. Rund 2500 Einwohner hätte Harheim in seiner Kindheit gehabt. Seitdem ist die Zahl um mehr als 2000 gewachsen. Neben den Neubaugebieten Harheim-Nord und -Süd sollen auch in dem ehemaligen Gewerbegebiet Im Kalk rund 100 neue Wohnungen entstehen.

Nach einem kurzen Abstecher zum alten Harheim, am Kirchplatz und der kleinen Einkaufsmeile in der Korffstraße mit Bäcker und Metzger vorüber, geht es nach Harheim-Süd. Quirin grüßt Passanten auf der Straße und wünscht hier und da ein gutes neues Jahr.

In der Straße Im Niederfeld öffnet ein neugieriger junger Vater das Fenster seines Hauses. Mit seinem einjährigen Junior lugt er aus dem ersten Stock. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist erst vor neun Monaten in den Stadtteil gezogen. Er äußert sich besorgt über die Verkehrssituation vor seiner Haustür.

Quirin sagt, Autos müssten durch das Niederfeld fahren können, insbesondere wenn künftig weiterer Verkehr durch die neuen Wohnungen im Kalk dazu käme. Auch die freie Grünfläche nebenan bereitet dem Anwohner sorgen. Es sei eine „Vorhaltefläche“, ursprünglich für ein Altenpflegeheim gedacht, erzählt Quirin. Nun befürchtet er, dass dort eine Flüchtlingsunterkunft entstehen könnte. So oder so, Harheim wird weiter wachsen, wie, das wird die Zukunft zeigen.

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