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Handel in Frankfurt Wetter wichtiger als Nationalelf

Die Frankfurter Gastronomen und Händler bleiben auch nach dem WM-Aus der deutschen Mannschaft zuversichtlich.

WM-Public Viewing
Kehraus: Die Zeit der Deutschlandfähnchen und Fanartikel ging abrupt zu Ende. Foto: Andreas Arnold (dpa)

„Das Trikot ist in der Wäsche“, sagt Thorsten Weider. Am Tag nach dem WM-Aus der deutschen Mannschaft steht der 52 Jahre alte Frankfurter in einem Hemd vor einer Bäckerei auf der Zeil. Das Spiel habe ihm und seinen Freunden den Abend versaut. „Dabei hatten wir uns frei- genommen.“

Nicht nur die Zuschauer hatten sich mehr von der Weltmeisterschaft erhofft, auch den Handel und die Gastronomie hat das WM-Aus kalt erwischt. Siege der deutschen Mannschaft hätten das Bier fließen und die Kassen der Fanshops klingeln lassen sollen. Viele Wirte hatten sich auf volle Kneipen beim Public Viewing in den nächsten Wochen vorbereitet. Der Frankfurter Hof hatte auf seiner Terrasse sogar eine Fußball-Lounge einrichtet. An einen Abbau der Lounge oder ein Abhängen des WM-Schmucks denkt dort aber niemand: „Wir haben schließlich ein internationales Publikum, das auch an anderen Spielen interessiert ist“, sagt Sprecher Holger Flory.

In den Schaufenstern von Karstadt auf der Zeil erinnert nichts an die Weltmeisterschaft. Auf einem Plakat wirbt zwar Christiano Ronaldo für Reisekoffer, doch er trägt kein Trikot, sondern Lederjacke und Jeans. In der Sportabteilung liegen Perücken, Blumenkränze und Hüte mit DFB-Insignien noch in den Regalen. Die Nachfrage nach den Fanartikeln sei niedrig, erzählt eine Verkäuferin. „Man merkt, dass die Leute enttäuscht sind.“

Zwei DFB-Trikots kosten bei Karstadt 100 Euro, Fußbälle sind von 25 auf 20 Euro reduziert. „Viele Artikel sind reduziert – allerdings schon seit Wochen“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. „Wir verkaufen diese Artikel ganz normal. Die WM geht weiter, und wir haben ja auch Fan-Utensilien anderer Mannschaften.“

Im Fanshop von Galeria Kaufhof auf der Zeil sind die meisten Artikel hingegen nicht reduziert. Nur jene, die direkt mit der Weltmeisterschaft zu tun hätten, sagt Verkäuferin Nil-Eleni Mavridou. „Aber alles andere, also Deutschlandflaggen, -hüte oder Armbänder sind Souvenirs, die Touristen gerne kaufen.“

Im Bull & Bear an der Frankfurter Börse läuft das WM-Geschäft normal weiter. „Wir hatten keinen besonderen WM-Schmuck, müssen also auch nichts abhängen“, sagt eine Sprecherin. So voll wie bei Deutschlandspielen werde es beim Public Viewing der anderen Spiele voraussichtlich aber nicht mehr.

Große finanzielle Einbußen für Gastronomen fürchtet der hessische Hotel- und Gastronomieverband nicht. Das Aus der deutschen Mannschaft bedeute für viele Wirte zwar eine leichte Delle in ihren Planungen, sagt Geschäftsführer Julius Wagner, „die Menschen werden aber trotzdem in die Biergärten und Kneipen gehen“. Viel wichtiger als ein gutes Abschneiden der deutschen Mannschaft sei deswegen das Wetter. „Wenn das gut ist, dann ist es auch eine gute Saison für die Gastronomen – auch ohne König Fußball.“

Eine ähnliche Metapher benutzt auch der Brauerbund Hessen: „Das Wetter ist und bleibt unser wichtigster Spieler.“ Zwar hätten die letzten Fußball-Turniere gezeigt, dass während dieser Zeit mehr Bier getrunken werde als sonst üblich. Ein guter Sommer sei aber der beste Garant für den Bierabsatz.

Auch Teresa und Magda hoffen auf schönes Wetter. Die 18 und 19 Jahre alten Schülerinnen sind über das Aus der deutschen Mannschaft nicht traurig. „Fußball ist mir egal“, sagt Magda. „Ein guter Sommer und Spaß haben – das ist wichtig.“

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