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Grüne-Soße-Festival „Ich mach’ die Grüne Soße halt, und fertig“

Willi Kehr, der Wirt der 400 Jahre alten Gaststätte „Zum Einhorn“, über den Sieg beim Grüne-Soße-Festival.

Zum Einhorn
Arbeitsteilung im „Einhorn“ in Bonames: Willi Kehr macht die Grüne Soße, Barbara Kehr gewinnt damit beim Festival. Foto: Renate Hoyer

Herzlichen Glückwunsch zur besten Grie Soß erst mal, Herr Kehr.
Danke.

Wie haben Sie gefeiert?
Eigentlich gar nicht.

Bitte?
Na, wir haben hier gesessen mit ein paar Gästen, und meine Frau war auf dem Festival. Sie kam aber nicht weg wegen des Autokorsos …

… die Eintracht, der Pokalsieg …
… sie war erst um halb zwei daheim, dann haben wir noch zusammengesessen, was getrunken, und dann war’s gut. Am nächsten Tag mussten wir ja wieder ran.

Sie sind das Gewinnen ja auch schon fast gewohnt, oder?
Na ja, ein Mal hammer erst gewonnen, 2013.

Plus zwei dritte Plätze – und jetzt der große Triumph. Was ist das Geheimnis Ihrer Grünen Soße?
Also, ich kaufe diese fertigen Rollenpäckchen bei der Firma Hanne im Frischezentrum und mache dann meine Spezialzutaten dazu.

Die Sie uns jetzt wahrscheinlich nicht verraten.
Genau. (lacht)

Aber die Grüne Soße, die Sie machen, ist schon die ganz originale Frankfurter Grüne Soße?
Kann man so auch nicht sagen. Das variiert. Früher, vor 30 Jahren hat man sie mal so gemacht, und dann wieder so – wissen Sie was?

Was denn?
Ich mach’ mir da gar nicht so viele Gedanken. Ich mach’ die Grüne Soße halt, und fertig. Entweder sie gewinnt, oder sie gewinnt nicht.

Das Rezept ist Familientradition?
Hm, jein. Das mit der Grünen Soße hat sich ja in den letzten Jahren erst entwickelt. Früher gab’s die am Gründonnerstag. Da hat man Grüne Soße gegessen mit Eiern, und vielleicht noch zwei Mal im Jahr, und dann war’s das. Erst neuerdings kommt das ja in Frankfurt, dass man Schnitzel mit Grüner Soße isst, Spargel mit Grüner Soße ..., auch durch das Festival ist das alles mehr geworden.

Vor zehn Jahren wurde noch gar nicht viel Grüne Soße verlangt?
Nein. Vor 28 Jahren haben wir das „Einhorn“ von den Eltern übernommen, da gab’s Rippchen mit Kraut, Handkäs, gemischt’ Worscht, da hat keiner Filet oder Spargel in der Gaststätte gegessen. Erst seit zehn Jahren wollen die Leute beständig mehr Grüne Soße. Es kommen auch viel mehr Touristen, die davon gelesen haben und die sagen: Probieren wir halt mal, so wie wir nach München fahren und Weißwurst essen.

Kann man die Siegersoße bei Ihnen zum Mitnehmen kaufen?
Kann man. Aber bitte vorher anrufen und sagen, ich brauche fünf Liter oder wie viel es eben sein soll. Wir machen sie zwei Mal die Woche, mittwochs und freitags.

Wer hat mitgearbeitet an der Festivalsoße? Das muss ja eine große Menge sein.
An den Festivaltagen haben ein paar Freundinnen des Hauses geholfen, die Kräuter zu putzen. Mittags wird die Soße durchgelassen, gegen Abend noch mal abgeschmeckt, wenn sie geruht hat.

Wieso sind Sie selbst nicht mit ins Festivalzelt gekommen?
Weil ich arbeiten musste. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Ich muss das auch nicht so haben, auf der Bühne stehen und so.

Sie wirken eher im Hintergrund?
Ich sage Ihnen, wie das losging. Vor sieben Jahren haben die Ria Thorwarth, das ist unsere Servicekraft, und meine Frau – hin und her und blablabla – sie wollten am Wettbewerb teilnehmen. Ich hab gesagt: Okay, ich mache Euch die Soße, aber ich muss nicht auf die Bühne, ich muss den ganzen Kram nicht haben. Ich mach’ das, und dann isses gut. Seitdem ist Tradition, dass die zwei da hingehen. So hat es angefangen, und dann hat’s halt funktioniert.

Erfolgreiches Teamwork.
Im Finale sind sie ja alle gut. Das sind dann nur Nuancen, der eine macht etwas mehr Senf dran, der andere mehr Zitronensaft. Und Glück gehört auch dazu.

Also kein 300 Jahre altes Familienrezept. Aber das „Einhorn“ ist im Familienbesitz schon seit 1608. Es heißt, dass der Kindesmord, der Goethe zum Urfaust inspirierte, in Ihrem Keller geschah.
Das weiß kein Mensch. Das ist so oft von allen möglichen Experten untersucht worden, aber es kam nie was dabei raus.

Man kann also daraus nicht schließen, dass Sie Ihre Seele an den Teufel verkauft haben, damit Ihre Grüne Soße gewinnt?
Hahaha, das glaub ich nicht.

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