Lade Inhalte...

Grüne in Frankfurt Jubel bei Kandidatenkür

Nargess Eskandari-Grünberg wird mit 90 Prozent zur OB-Bewerberin gewählt.

Nargess Eskandari-Grünberg
Nargess Eskandari-Grünberg wird zur OB-Kandidatin gekürt. Foto: Andreas Arnold

Das Ergebnis war eindeutig. Mit knapp 90 Prozent der Stimmen hat der Parteitag der Frankfurter Grünen Nargess Eskandari-Grünberg am Mittwochabend zur Kandidatin bei der OB-Wahl im März 2018 gekürt. Die frühere Integrationsdezernentin, die keinen Gegenkandidaten hatte, wurde im Gallus Theater mit stehenden Ovationen gefeiert.

Der erste Jubel brandete auf, als Eskandari-Grünberg rief: „Ich möchte die erste Migrantin sein, die in Frankfurt zur Oberbürgermeisterin gewählt wird.“ Die 52-Jährige war 1985 aus dem Iran geflohen.

„Die Zeit ist reif für einen Wechsel“, sagte Eskandari-Grünberg. Doch die Politikerin, die dem ehrenamtlichen Magistrat angehört, verzichtete völlig auf Angriffe auf Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD). Allzu viele konkrete Ideen präsentierte sie nicht. Die Zeit für ein detailliertes Wahlprogramm sei noch nicht gekommen. Sie wiederholte allerdings die Forderung, die sie in dieser Woche im Interview mit der FR erhoben hatte: Alle Menschen, die in Frankfurt wohnen oder arbeiten, sollen ein Jahresticket für den RMV bekommen – für 365 Euro.

Als „fatalen Fehler“ bezeichnete Eskandari-Grünberg die Abschaffung des eigenständigen Integrationsdezernats im Römer, das seit Sommer von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) betreut wird. Obwohl sie von 2008 bis 2016 Integrationsdezernentin war und gerne im Amt geblieben wäre, sage sie das „nicht aus persönlicher Betroffenheit“. Es zeige sich aber schon jetzt, dass die Internationalität Frankfurts nicht den nötigen Stellenwert im Römer erfahre. Initiativen wie „Pulse of Europe“ blieben im Rathaus ohne Beachtung.

Vorgeschlagen wurde die Bewerberin von Bastian Bergerhoff, dem Kreisvorsitzenden der Grünen. Er ermunterte seine Partei nach dem enttäuschenden Ergebnis bei der Kommunalwahl 2016 zu mehr Mut und Selbstbewusstsein. „Im Frühjahr 2018 wird Frankfurt eine Oberbürgermeisterin haben“, rief er.

Aufgabe der Grünen sei es, sich dem „Trend zum Populismus“ entgegenzustellen. Dafür sei Eskandari-Grünberg die perfekte Kandidatin.

Die Grünen seien die erste Partei, die sich in der Kandidatenfrage festlege, sagte Bergerhoff. Das stimmt. Zwar gilt es als sicher, dass Feldmann für die SPD und Bernadette Weyland für die CDU antreten. Die formalen Beschlüsse der beiden Parteien stehen aber noch aus. Dass die Grünen eine eigene Kandidatin stellen und nicht wie zuletzt bei der OB-Wahl 2007 SPD und CDU das Feld überlassen, sei eine Selbstverständlichkeit. Die Grünen hätten in den vergangenen Jahren in Frankfurt viel erreicht, sagte Bergerhoff. Als Beispiele nannte er den Frankfurter Weg in der Drogenpolitik und die Gründung des Amts für Multikulturelle Angelegenheiten. „Ohne uns Grüne wäre Frankfurt deutlich weniger lebenswert“, sagte Bergerhoff.

Marina Ploghaus, die mit Bergerhoff zusammen den Kreisvorstand bildet, ergänzte, von dem Abend im Gallus Theater müsse „ein Aufbruch“ ausgehen. Dann klappe es mit der Wahl von Eskandari-Grünberg im März 2018.

Und dann, als die Aussprache über die Kandidatin fast schon beendet war, gab es doch noch einen Seitenhieb auf Peter Feldmann. Ein Mann habe dank der grünen Bewerberin nun „schlaflose Nächte“, sagte die Stadtverordnete Hilime Arslaner-Gölbasi: „Und das geschieht ihm recht.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum