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Gründermesse in Frankfurt Messe für Jungunternehmer

Zum elften Mal treffen sich auf der Frankfurter Gründermesse „Aufschwung“ Start-up-Unternehmer mit Experten und Dienstleistern der Gründerszene.

08.02.2017 23:07
Patrick Jütte
Die Jungunternehmer Erik Wegener, Florian Keller und Enrico Jakob helfen anderen Start-ups. Foto: Christoph Boeckheler

Ideen für Dienste und Produkte, die dieser Welt noch fehlen, hat jeder ab und zu. Wie wäre es mit einem Anzug, der die Muskeln während des Sports elektronisch stimuliert. Ein solches Produkt wäre gefragt. Doch es braucht Unternehmergeist, das Kapital aufzutreiben, ein Entwicklerteam zu engagieren und sich durch die Bürokratie zu wursteln.

Eine erste Anlaufstelle, um all diese Hürden für ein solches Start-up zu meistern, fand Kay Rathschlag, der Erfinder des elektronischen Sportanzugs, auf der „Aufschwung“.

Auf dieser Messe bringt die Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK) seit elf Jahren Existenzgründer und Jungunternehmer mit Experten und Dienstleistern der Gründerszene zusammen. Am Mittwoch konnten die Besucher erneut an 80 Messeständen Kontakte knüpfen und sich in 50 Vorträgen und Gesprächen zu ihren Geschäftsideen beraten lassen.

„Der Fragenkatalog eines angehenden Gründers ist sehr dick“, sagte IHK-Geschäftsführer Matthias Schoder. Der Gesprächsbedarf reiche vom Gewerberecht bis zur Finanzierung. „Die Messe hat zum Ziel, nachhaltige Unternehmensgründungen in der Region anzustoßen.“ Vom Austausch profitieren letztlich alle Beteiligten. „Der Planer will wissen, was er falschmachen könnte, das Start-up, wie es mehr Kunden gewinnt, und der Experte will Geschäfte machen“, erklärte Burkhard Schneider, Vertriebsleiter des Messeveranstalters Beewell.

In Berlin sei die Zahl der Gründungen zwar höher, räumte Schneider ein: „Aber einmal im Jahr kommen sie alle zu uns.“ Insbesondere der Franchise Matching Day sei überregional gefragt.

Wie beim Speeddating wandeln die Interessenten dort von Tisch zu Tisch, um sich von Experten wie dem Geschäftsführer des deutschen Franchiseverbands, Torben Brodersen, in die verschiedenen Systeme sowie die Rechtslage und die Erfolgskonzepte von Filialen einführen zu lassen.

Fabienne Donath ist auf den Köder angesprungen. „Ich studiere am Franchisecampus in Weilburg“, sagte die 19-Jährige. Das sei ein praxisnahes Pilotprojekt des Franchiseverbands. Die Messe ist voller potenzieller Arbeitgeber für sie – ein ganzer Raum ist für Franchiseunternehmen reserviert. „Gerade jungen Existenzgründern können wir helfen, eine Finanzierung zu erhalten“, meinte Nicolas Scheidt, Mitarbeiter eines Immobilien-Franchisegebers. „Uns kennen die Banken, wer unter unserem Namen ein Maklerbüro eröffnet, hat höhere Chancen auf Kredit.“ Für Donath sind Immobilien jedoch keine Option, sie will in die Buchhaltung.

Zwei Etagen höher bot die Messe den Förderorganisationen einen Raum. Neben dem Wirtschaftsministerium und einigen Banken, die innovative Ideen mit Darlehen versorgen, war auch die Wirtschaftsförderung Frankfurt präsent. Die Beratungsstelle hilft Gründern mit Kontakten, Bürgschaften und Büroräumen weiter. „Im November wurde das Fintech-Center eröffnet, in dem sich junge Firmen für Finanztechnologien mit Etablierten ansiedeln und vernetzen können“, sagt der Vorsitzende Oliver Schwebel. Eine Art Frankfurter Silicon Valley.

Die drei Jungunternehmer Enrico, Florian und Erik lassen sich hier inspirieren. Sie führen selbst einen „Accelerator“. „Wir beschleunigen die Entwicklung junger Unternehmen“, erklärte Florian (26). In Workshops müssten ihre Kunden erfolgreiche Start-ups analysieren, um von ihnen zu lernen. „Wir haben einen Co-workspace, wo die Gründer in Logistik oder Buchhaltung zusammenarbeiten können“, sagte Enrico (22). Auf der Messe hofften sie weitere Gründungswillige zu finden. Ganz besondere Player der Frankfurter Gründermesse waren die Business Angels. Die etwa 150 Geldgeber aus der Wirtschaft lassen sich nur für Ideen gewinnen, die nach ein paar Jahren Millionengewinne und neue Arbeitsplätze versprechen. „Von 600 Anfragen im Jahr sind etwa sechs erfolgreich“, bilanzierte Geschäftsführer Frank Müller. Wer Risikokapital wolle, müsse ein „zugkräftiges Alleinstellungsmerkmal“ vorweisen. Auf der Messe hatten vier Start-ups die Gelegenheit, den Business Angels in einem sogenannten Speed-Pitch ihre Geschäftsidee vorzustellen. Manchmal finden sich auch ganz unerwartete Partner im Publikum.

So war es Markus Schaar-schmidt ergangen, der auf einer früheren Messe Feedback für seine Idee eines zentralen Fundbüros für Flughafengepäck suchte. Stattdessen wurde ein Flughafen-Angestellter auf ihn aufmerksam. „Jetzt sind wir bereits in den USA auf Expansionserkundung“, sagte Schaarschmidt. Ohne Finanzpartner gehe nichts. „Das Büro in San Francisco kostet 1700 Dollar.“

Um kleinere Dimensionen geht es an einem Stand im ersten Stock: „Social Business Women“ vergibt Kleinkredite an Gründerinnen. „Frauen haben oft mehr Hemmungen als Männer, viel Geld in die Hand zu nehmen“, erklärte Sabine Jehle ihr Unterstützungsprogramm, das auch ein Profiling beinhalte – um herauszufinden, ob jemand eine Unternehmerpersönlichkeit habe.

Glaubt man Messegast Rainer Biesinger, einem Heavy-Metal-Coach, braucht man dazu auch den Willen zur „Selbstermächtigung. Du musst deine Ziele klar verfolgen. Die Erde dreht sich, wer stehen bleibt, hat verloren.“

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