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Großdemo in Frankfurt Hunderte Menschen protestieren gegen Pelzindustrie

Für die Rechte der Tiere und gegen die Pelzindustrie ziehen am Karsamstag rund 1000 Menschen durch die Frankfurter Innenstadt. Auch vor Metzgereien stoppen die Pelzgegner und halten Protestreden.

07.04.2012 23:32
Laura Wagner
1000 Menschen nehmen am Karsamstag in Frankfurt an einer Demo gegen die Pelzindustrie teil. Foto: Rolf Oeser

Für die Rechte der Tiere und gegen die Pelzindustrie ziehen am Karsamstag rund 1000 Menschen durch die Frankfurter Innenstadt. Auch vor Metzgereien stoppen die Pelzgegner und halten Protestreden.

„Tiere haben Rechte“ und „Pelz ist Mord“, skandiert die Menge, die am Samstagmittag durch die Innenstadt läuft. Zwei Männer schieben einen kleinen Drahtkäfig, in dem ein Braunbär hockt. Kein echter natürlich, sondern ein Tierrechtler im Kostüm. Er passt gerade so hinein. „Der hat noch viel Platz, im Gegensatz zu den Tieren in Pelzfarmen“, sagt einer der Männer. Vor einem Pelzgeschäft in der Schillerstraße bleiben die rund 600 Leute stehen, rufen lautstark „Blut an euren Händen“, bevor sie zur nächsten Station laufen.

Gehäutete Tiere als Abschreckung

„Frankfurt Pelzfrei“ heißt die Demonstration, die seit über zehn Jahren in Frankfurt stattfindet. Sie begann als Demonstration gegen die ehemals in Frankfurt stattfindende Pelzmesse „Fur & Fashion“. Die Messe ist seit 2009 Geschichte, das Thema ist geblieben. „Pelz wird gerade wieder richtig in“, sagt Lars Burghardt, zweiter Vorsitzender der Tierrechtsinitiative Rhein-Main. Nicht in Form von schweren Pelzmänteln, sondern als Accessoires. „Es ist eine andere Mode, aber sie setzt auf Pelz“, sagt Burghardt und deutet auf die Jacke einer vorbei gehenden Frau. „Dieser Kragen zum Beispiel.“ Doch auch Schlüsselanhänger, Bommeln an Mützen und Schals und als Innenfutter von Handschuhen würden immer beliebter.

Zur Abschreckung zeigen die Demonstranten Bilder von gehäuteten Tieren, blutigen Kadavern, die entsorgt werden, nachdem man ihnen das Fell abgezogen hat. 90 Millionen Tiere würden jährlich im Auftrag der Pelzindustrie abgeschlachtet, sagt Burghardt. Ein Fernseher auf der Ladefläche eines Transporters zeigt ein Video in Endlosschleife. Einige Passanten bleiben stehen und sehen sich die Bilder von eng zusammengepferchten Nerzen in Pelzfarmen und deren Verarbeitung zum Modeprodukt an, andere ergreifen schnell die Flucht. „Das ist normal“, sagt Burghardt, der froh ist, dass immerhin einige stehen bleiben und zusehen. „Zuhause schaut sich so etwas ja keiner an.“

Tote Ferkel in der Pfanne

An einem halben Dutzend Infoständen an der Hauptwache verteilen die Tierschützer Infomaterial und verkaufen vegane Kost. Es ist nicht nur eine Demonstration gegen Pelz. Sie richtet sich auch gegen die Haltung von Tieren in Zoos, Zirkussen und als Haustiere. „Wir fordern das Ende jeglicher Tierhaltung“, sagt Burghardt. Eine vegane Ernährung sei dafür „unabdingbar“. „Es stellen immer mehr ihre Ernährung um.“ So wie Familie Christ. „Wir essen viel gesünder und bewusster“, sagt Moni Christ. Die Teilnahme an der Demo ist für sie ganz selbstverständlich. „Man muss die Leute mit diesen Themen konfrontieren“, sagt Doom Christ.

Eine besondere Form der Konfrontation, die nicht bei allen Demonstranten gut ankommt, hat die Initiative Maqi gewählt. Am Infostand liegen tote Ferkel in einer Pfanne und auf einem Teller, daneben tote Küken und Hühner in Eierkartons. „Sind die echt?“, fragt eine Frau entsetzt. Sind sie. „Ich will die Täter mit den Opfern konfrontieren, das ist Realität“, sagt Achim Stößer, der die Tiere aus den Mülltonnen von Aufzuchtanlagen hat.
Aufmerksamkeit bekommen die Demonstranten auch wegen des Polizeiaufgebots. „Warum ist denn hier so viel Polizei“, fragt eine Frau verwundert. Allein am Roßmarkt stehen rund 25 Einsatzwagen, an der Hauptwache stehen alle paar Meter Polizisten in Gruppen zusammen. „Das ist die normale Einsatzstärke bei dieser Demo“, sagt Einsatzleiter Felix Paschek. Die Demo verläuft friedlich. „Es war eine gute Aktion“, sagt Burghardt, der bereits erste Erfolge sieht. „Viele Bekleidungsketten verzichten mittlerweile auf Echtpelz.“ Das sei zwar noch nicht genug, aber er sei froh über jeden kleinen Schritt.

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