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Grillen Auszeit für einen Tag

Der kurze Regenguss am Wochenende vertreibt Griller von Frankfurts Grillplätzen, hilft aber weder Pflanzen noch Menschen.

Rebstockpark
Das Fleisch lag noch nicht auf dem Grill, da waren die Parkwächter im Rebstockpark schon zur Stelle. Foto: Rolf Oeser

Zugegeben, die Menschen haben sich nicht vor Freude in den Armen gelegen, als es am Samstagnachmittag in der Innenstadt endlich mal wieder kurz und heftig geregnet hat. Aber in große Trauer ist deswegen auch keiner ausgebrochen.

Die meisten nahmen es eher gelassen zur Kenntnis und die Sonnenschirme vor den Restaurants und Cafés dienten für diese kurze Zeit halt als Regenschirme. Zwei Stunden vorher ist von Regen noch nichts zu spüren. Die Parks der Stadt sind gähnend leer.

Der Grillplatz Hadrianstraße an der Nidda, den sonst regelmäßig Heerscharen zu ihrem Wohnzimmer auf der Wiese machen, ist menschenleer. Der Ostpark ist verwaist. Ein einzelner Mann hat alle Viere von sich gestreckt und döst im Schatten. Im hinteren Teil des Parks sind die Trommelklänge eines Festivals zu hören. Gegrillt wird nirgends.

Fast nirgends. Im Rebstockpark hat eine junge Familie am späten Nachmittag einen kleinen Grill aufgebaut. Von dem Grillverbot, das das Umweltdezernat am Donnerstag ausgesprochen hatte, wissen sie nichts. Es dauert nicht lange, bis zwei Parkwächter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt kommen und sie an das Verbot erinnern.

Auch an der Nidda in Praunheim grillen am Abend zwei Pärchen, trotz des auch dort angebrachten Verbotsschilds. Bei der Feuerwehr gehen am Samstag ein paar Anrufe besorgter Bürger ein, die Rauch bei den Nachbarn gesehen haben. „Da haben wir dann halt mal zwei, drei Grills besucht“, sagt Feuerwehrsprecher Thomas Koch lapidar. Eingreifen musste die Feuerwehr nicht, grillen in privaten Gärten ist ja erlaubt, das Verbot bezog sich nur auf städtische Grünanlagen und Grillplätze.

Grillverbot nicht aufgehoben

Insgesamt war das Grillen ohnehin eher harmlos im Vergleich zu dem, was sich sonst bei Sonnenschein in den Grünanlagen abspielt. Halten sich die Leute an das Grillverbot oder flüchten sie vor der Hitze? Oder haben sie die Grillkohle wegen des vorhergesagten Regens am Samstag im Keller gelassen?

Vermutlich Letzteres. Denn am Sonntag wurden schon wieder Grillfans in öffentlichen Anlagen gesichtet. Wie viele es waren oder wie viele gemeldet wurden, dazu wollte die Stadtpolizei am Sonntag keine Auskunft erteilen und verwies an die Pressestelle des übergeordneten Ordnungsamts, die am Wochenende allerdings nicht besetzt ist.

Gut möglich, dass der ein oder andere der Ansicht ist, Grillen sei ein Grundrecht, Waldbrandgefahr hin, Waldbrandgefahr her. Vielleicht will mancher auch glauben, dass das Grillverbot aufgehoben sein müsste, weil es ja am Samstag kurz geregnet hat. Aber das ist natürlich Unsinn, denn das bisschen Regen hat den Pflanzen genauso wenig geholfen, wie es den Menschen Abkühlung gebracht hat.

In der Innenstadt donnert es am Samstag noch, da kommt schon wieder die Sonne raus. Eine Gruppe asiatisch aussehender Menschen hat tatsächlich Regenschirme dabei. Die sind wohl nicht von hier. Auf dem Rathenauplatz laufen kurz nach dem Regen ein paar Kinder unter den Wasserfontänen durch. Ihnen hat der Regen wohl auch nicht gereicht. Das Pflaster drum herum ist da schon wieder trocken.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Heiße Zeiten

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