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Granada Tod und Gewalt in Frankfurts Partnerstadt

Granada ist von der bürgerkriegsähnlichen Lage in Nicaragua betroffen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will die Reise in die Partnerstadt nachholen, „wenn sich die Lage beruhigt hat“.

Konflikt in Nicaragua
In vielen Städten Nicaraguas ist Gewalt derzeit an der Tagesordnung. Foto: Carlos Herrera (dpa)

Von den 17 Partnerstädten Frankfurts liegt keine andere so weit entfernt: 9200 Kilometer beträgt der Luftweg nach Granada am Großen Nicaraguasee. Nur wenig dringt aus der mittelamerikanischen Stadt mit ihren 130.000 Einwohnern nach Frankfurt. Doch gerade jetzt ist die Lage dort besonders schlimm: In den Straßen wird gekämpft, es gibt Todesopfer, Barrikaden, Plünderungen. 

„Granada ist voll in die Auseinandersetzung zwischen der sandinistischen Regierung und der Opposition hineingezogen worden“, berichtet Reinhold Dallendörfer. Der 65-jährige Schulleiter und seine Ehefrau, die Ärztin Birgit Koch-Dallendörfer, organisieren seit mehr als 30 Jahren mit dem Verein „Städtefreundschaft Frankfurt-Granada“ praktische Hilfe für die Menschen vor Ort. Viel haben die Frankfurter und ihre Freunde in der Partnerstadt erreicht und aufgebaut: Trinkwasserversorgung, eine Vorschule für Kinder, Krankenhäuser, ein Frauenzentrum, Löschfahrzeuge für die Feuerwehr, ein Rechtshilfebüro, Unterstützung für Behinderte und vieles mehr. 

Doch jetzt steht vieles infrage. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Kämpfe zwischen Regierung und Opposition verhindern, dass die Frankfurter Granada erreichen. „Alle Reisen mussten abgesagt werden“, sagt Dallendörfer. 

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wollte eigentlich am 24. Juni an der Spitze einer Frankfurter Delegation zum Besuch Granadas aufbrechen. Es wäre das erste Mal gewesen, dass ein Frankfurter OB die 1991 begründete Städtepartnerschaft würdigt. Doch die Tour wurde als viel zu gefährlich gestrichen. 

„Unsere Gedanken und Herzen sind bei den Menschen in Granada und ganz Nicaragua“, sagt der Oberbürgermeister am Donnerstag. Er fügt hinzu: „Ich hoffe sehr, dass die Spirale der Gewalt ein Ende findet und die unveräußerlichen Menschenrechte wieder geachtet werden.“ Es müsse jetzt eine friedliche und demokratische Lösung für die Konflikte gefunden werden. 

„Wir können uns derzeit nicht im Land bewegen“, so schildert Reinhold Dallendörfer, der schon mehr als 50 Mal nach Nicaragua gereist ist, die Situation. Deshalb halten die Frankfurter per Telefon und Internet Kontakt nach Granada – wenn dort die Stromversorgung funktioniert. „Die Situation in der Stadt ist sehr schwierig“, erklärt der Frankfurter Helfer. „Das Bürgermeisteramt ist abgefackelt worden.“ Supermärkte würden geplündert, die von den Frankfurtern unterstützte Vorschule musste zeitweise geschlossen werden. „Sie ist jetzt gerade wieder geöffnet, aber es kommen nur noch wenige Kinder, die meisten haben Angst.“ 

Die größte Gefahr gehe von paramilitärischen Gruppen aus, die von der sandinistischen Regierung gezielt eingesetzt würden, um die Opposition einzuschüchtern. „Präsident Ortega versucht alles, um den Protest gegen seine Regierung zu ersticken“, sagt Dallendörfer. In der Folge zögen „marodierende Banden“ durch die Großstadt Granada, die Menschen bauten Barrikaden, um sich zu schützen. „Es ist niemand mehr auf der Straße, die Läden sind vernagelt.“ Touristen, für die Stadt die wichtigste Einnahmequelle, blieben völlig aus. 

Am Donnerstag ist der alljährliche Nationalfeiertag, an dem die sandinistische Regierung an ihren Sieg über die frühere Militärdiktatur zu erinnern pflegt. Doch inzwischen haben sie selbst eine sehr autoritäre Herrschaft aufgebaut. Dallendörfer fürchtet, dass die Regierung am Nationalfeiertag mit besonderer Gewalt gegen Proteste und die Forderung nach freien Wahlen vorgehen wird. Noch am Donnerstag erfährt er von vielen Verhaftungen. 

OB Feldmann will die Reise in die Partnerstadt nachholen, „wenn sich die Lage beruhigt hat“. Er beschreibt die Verbindung zwischen Frankfurt und Granada als „eng“. Dafür sorge zum einen der Freundschaftsverein. Zum anderem erinnert der OB an die vielen Freundschaftsreisen, die von der Stadt Frankfurt seit Anfang der 90er Jahre organisiert worden waren. 

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