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Goethe-Uni Tausende Wohnheimplätze für Studenten fehlen

Der Asta der Frankfurter Goethe-Uni schlägt Alarm: Studierende haben es immer schwerer, in der Stadt eine für sie bezahlbare Unterkunft zu finden.

Studierende noch ohne Wohnung
Studienanfängerin Celina Ufken sitzt auf einem Feldbett im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Studierende haben es immer schwerer, in Frankfurt eine für sie bezahlbare Unterkunft zu finden. Zimmer in Wohngemeinschaften sind knapp und sehr teuer. Ein Apartment in einem der privaten Wohnheime, die, weil sie Investoren gute Renditen versprechen, überall in der Stadt entstehen, können sich meist nur Studierende leisten, die von ihren Eltern kräftig finanziell unterstützt werden.

Und öffentliche Wohnheimplätze gibt es viel zu wenige. Rechnerisch reichen diese gerade einmal für sieben Prozent der Studierenden im Rhein-Main-Gebiet. Damit ist die Region deutlich schlechter mit Wohnheimplätzen versorgt als andere Gegenden Deutschlands. Der Bundesschnitt liegt bei zehn Prozent. 

„Die Situation wird immer prekärer“, sagt Kyra Beninga, Vorsitzende des Astas der Frankfurter Goethe-Universität. Es bestehe die Gefahr, dass nur noch Menschen in Frankfurt studieren können, die Geld von ihren Eltern bekommen. Schon jetzt könnten sich viele Studierende keine Wohnung mehr in Stadtnähe leisten, pendelten von weiter her zur Uni. Andere arbeiteten, um sich ihr WG-Zimmer leisten zu können, so viel, dass sie Vorlesungen und Seminare versäumten, nicht so schnell wie gefordert studierten und deshalb noch das Bafög riskierten oder verlören.

Das sei ein Teufelskreis. Dass mehr als 70 Prozent der Studierenden ihr Examen nicht in der Regelstudienzeit schafften, sei zu einem guten Teil diesem Problem geschuldet. Auch dieses Jahr bietet der Asta zum Semesterstart wieder Notschlafplätze für Studierende, die noch gar nichts gefunden haben, an. 33 junge Leute nutzen das Angebot. 

Der Asta sieht besonders das Land in der Pflicht, die Wohnraumsituation der Studierenden zu verbessern. Es müsse dringend die Zuschüsse für den Bau von Studentenwohnheimen erhöhen, fordert Beninga. Die Zahl der Studierenden sei auf immer neue Höchstwerte gestiegen, die Zuschüsse aber stagnierten.

Dem Land wirft die Asta-Vorsitzende eine grundsätzlich falsche Weichenstellung vor. Selbst da, wo es Flächen besitze, entstehe kein bezahlbarer Wohnraum. Als Beispiel nennt sie den Verkauf des Uni-Campus Bockenheim und des alten Polizeipräsidiums. Statt bezahlbarer Wohnungen entstehe dort Luxus. 

Auch das Studentenwerk Frankfurt forderte vor kurzem deutlich mehr Geld vom Land. Nötig seien Baukostenzuschüsse in ausreichender Höhe für mindestens 2600 neue Wohnheimplätze, sagt dessen Geschäftsführer Konrad Zündorf. Die Wartelisten würden länger und länger. 
Auch die Stadt Frankfurt unternimmt nach Ansicht des Astas aber nicht genug, um die Situation für Menschen, die eine bezahlbare Wohnung suchen, zu verbessern. Eine Quote von 30 Prozent geförderten Wohnraums, wie sie die Stadt von Investoren verlangt, sei zu niedrig, sagt Beninga. 

Der Asta unterstützt daher auch den „Mietentscheid“, sammelt Unterschriften für einen Bürgerentscheid über die Geschäftspolitik der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG. Ziel ist, dass diese nur noch geförderten Wohnungsbau betreibt, die Mieten aller Bestandsmieter, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, auf maximal 6,50 Euro pro Quadratmeter senkt und frei werdende Wohnungen zum Preisniveau des geförderten Wohnungsbaus vermietet. 

Der Asta ruft zudem mit etwa 40 anderen Gruppen für Samstag, 20. Oktober, zur Großdemonstration gegen „Mietenwahnsinn“ auf. Die Schwierigkeit von Studierenden, bezahlbaren Wohnraum zu finden, sei nur ein Teilproblem im allgemeinen Wohnungsmangel, sagt Asta-Wohnraumreferent Felix Sauer. Dieser habe damit zu tun, dass Wohnraum im Kapitalismus wie eine Ware gehandelt werde. „Der Staat hätte längst regulierend eingreifen müssen“, sagt er. 

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