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Gewalt gegen Frauen in Frankfurt Angst vor Übergriffen

Eine Politikerin der Grünen wird an einer U-Bahnstation in Frankfurt von Männern bedrängt. Das Frauenreferat der Stadt spricht von einem täglichen Problem.

14.10.2016 18:56
Denis Hubert, Florian Leclerc und Friedrike Tinnappel
Wenn Frauen nachts alleine unterwegs sind, läuft oft die Angst mit (Symbolfoto).

Menschen, die nachts alleine unterwegs sind, auf leeren Straßen oder an Bahnstationen, kennen das Gefühl. Die Angst, Opfer einer Gewalttat zu werden. Einer Stadtteilpolitikerin aus dem Frankfurter Norden ist das beinahe passiert. Der Ortsbeirat 15 hat in Folge über die Sicherheit in Nieder-Eschbach debattiert.

„Ich wurde von zwei jungen Männern bedrängt“, berichtet Sabine Klopp (Grüne). Sie sei nach der letzten Ortsbeiratssitzung vor der Sommerpause im Juli spätabends alleine an der U-Bahnstation Nieder-Eschbach vorbeigekommen. Auf der Deuil-La-Barre-Straße hätte zwei Männer sie von der anderen Straßenseite aus beobachtet – und dann Jagd auf sie gemacht. Wohl in der Absicht, ihre Handtasche zu stehlen, vermutet die 55-Jährige. Eine Gruppe von Männern, die gerade aus dem Bus ausgestiegen sei, sei ihr zu Hilfe geeilt. Die beiden Verfolger seien dann geflüchtet. „Ich hatte Glück“, sagt Klopp.

Kein Einzelfall, wie sie sagt. Auch örtliche Gewerbetreibende hätten sich bereits über die Situation beschwert, darunter die Inhaberin des Darmstädter Hofs. Das Restaurant liegt nahe der Bahnstation.

Übergriffe gegen Frauen sind laut Frauenreferat ein tägliches Problem in Frankfurt. Verlässliche Zahlen zu den Übergriffen gebe es nicht. Aber fast jede Frau könne darüber berichten, dass sie in U- und S-Bahnen „angegrabscht“ worden sei, sagt Referatsleiterin Gaby Wenner.

Mehr Zivilcourage nötig

Zur Aufklärung würden am 25. November zahlreiche Flyer in Frankfurter Bussen verteilt. Anlass sei der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen. „Respekt. Stoppt Sexismus“ stehe auf den Zetteln. Dort seien die Adressen von Beratungsstellen aufgeführt.

Was Wenner wenig hilfreich findet, sind gutgemeinte Ratschläge. Dass Frauen sich an den Gang und nicht ans Fenster setzen sollten. Dass sie einen Selbstverteidigungskurs machen müssten. Was wirklich helfe, so Wenner, sei Zivilcourage. Mitreisende müssten bei Übergriffen eingreifen. Sie müssten laut sagen: „Das geht nicht!“

Um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu stärken, fahren in Bahnen nachts Sicherheitsmitarbeiter mit – ab 20 Uhr bis Betriebsschluss in den S-Bahnen, sagte eine Bahnsprecherin. Die Züge seien auch videoüberwacht.

Das gelte auch für die neueren U-Bahnen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) sowie die unterirdischen und teils auch die oberirdischen Stationen, sagte VGF-Sprecherin Karola Brack. Die Polizei habe nach Datenschutzrecht drei Tage lang die Möglichkeit, auf die Bilder zuzugreifen, um Vorfälle aufzuklären. Tagsüber und nachts seien in Frankfurt rund 70 Zugbegleiter des Teams „Service und Sicherheit“ in den Bahnen unterwegs. Auch gebe es Notrufsäulen an Haltestellen. So auch an der Station Nieder-Eschbach, die ebenfalls kameraüberwacht sei.

Polizei sieht keinen Brennpunkt

Der dortige Ortsbeirat schlägt nun Alarm. Magistrat, VGF und Sicherheitsbehörden müssten ein Konzept erarbeiten, um die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen. In einem interfraktionellen Antrag heißt es: „Jede Person, die sich nach der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nach Hause begibt, muss dies ungehindert tun können.“

Was den Stadtteilpolitikern besonders aufstößt, sind der Kiosk und das Wettbüro in der Nähe der Station. CDU-Ortsvorsteher Ernst Peter Müller schlägt vor, den Alkoholverkauf einzuschränken. Der Grünen-Fraktionschef Michael Paul sagt, auf das Wettbüro „habe man einen Blick“. Paul ist Vorsitzender des Präventionsrats Nieder-Eschbach/Am Bügel. Seiner Ansicht nach sollte das Sicherheitspersonal der VGF ab 22 Uhr an Stationen aussteigen, um das Umfeld zu beobachten.

Die Polizei sieht Nieder-Eschbach allerdings nicht als „Brennpunkt“. „Wir haben keine Kenntnis über eine Häufung von Vorfällen oder Beschwerden“, so Polizeisprecher Andrew McCormack. Was zu tun sei, um sich an Bahnhöfen nachts zu schützen, könne er nicht allgemeingültig beantworten. Im Notfall gibt es immer noch die Nummer 110.

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