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Gesundheitsamt Frankfurt Hygienemängel in Nagelstudios

Das Gesundheitsamt in Frankfurt hat die Sauberkeit von Nagelstudios überprüft - und gravierende Mängel festgestellt. Viele Nagelstudios nehmen es mit der Hygiene nicht so genau.

Nagelstudio
Eine Maniküre kann gefährlich sein, wenn das Nagelstudio unhygienisch arbeitet. Foto: peter-juelich.com

Einmalfeilen werden wiederverwendet, Instrumente nicht richtig gereinigt und desinfiziert – viele Nagelstudios nehmen es mit der Hygiene nicht so genau. „Da sehen wir ein Riesenproblem“, sagt Ursel Heudorf vom Frankfurter Gesundheitsamt. Denn so bestehe das Risiko, sich bei der Nagelpflege eine Pilzinfektion einzufangen. Oder Krankheiten wie Hepatitis könnten über kleine Wunden übertragen werden.

Nagelstudios in jeder Ecke

Quasi an jeder Ecke befindet sich inzwischen ein Nagelstudio. Deutlich mehr als 700 Läden seien es in Frankfurt, schätzt Heudorf am Mittwoch bei der Vorstellung des Infektions- und Hygieneberichts 2016/2017. Das Gesundheitsamt hat im vergangenen Jahr 112 Nagelstudios überprüft. Ergebnis: Bei 30 Prozent waren die Mängel so gravierend, dass die Geschäfte geschlossen werden mussten. Bei 50 Prozent machte das Amt eine Nachkontrolle. Dabei seien zwar Verbesserungen zu erkennen gewesen, aber besonders bei der Sterilisation haperte es weiterhin.

Den Grund für die gravierenden Hygienemängel sieht das Amt darin, dass es sich bei Nagelpflege um keinen Ausbildungsberuf handelt. In fast der Hälfte der Einrichtungen konnten die Mitarbeiter nicht einmal die erforderliche Sachkunde nachweisen. Heudorf rät Kunden, „mit normalem Menschenverstand zu gucken, ob es sauber aussieht“. Für das Amt gebe es da noch viel zu tun, „aber wir können nicht in allen Nagelstudios dauernd auf der Matte stehen“.

Sorgen macht sich Heudorf auch wegen multiresistenter Erreger. Also Erregern, die gegenüber vielen Antibiotika unempfindlich sind. Heudorf ruft zu einem zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika auf; diese werden viel zu oft und nicht zielgerichtet verordnet. Das führt dazu, dass die Krankheitserreger immer schneller Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln, die dadurch ihre Wirkung verlieren – und dann kann ein harmloser Keim lebensbedrohlich werden.

In Frankfurts Krankenhäusern sind im Vergleich zu 2015 etwas weniger Antibiotika verbraucht worden, aber 85 Prozent werden in Arztpraxen und nicht im Krankenhaus verordnet. Deswegen soll es Fortbildungen für Ärzte geben. Das Netzwerk Multiresistente Erreger Rhein-Main gibt zudem Broschüren heraus, die Bürger aufklären, was bei Atem- und Harnwegsinfektionen hilft. „Ohne dass der Bürger sein Verhalten ändert, können wir nicht weiterkommen“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne).

„Wir müssen dann Duschverbote aussprechen“

Probleme beim Trinkwasser gibt es immer mal mit Legionellen. Sie können beim Duschen in die Atemwege gelangen und Lungenentzündungen auslösen. „Wir müssen dann Duschverbote aussprechen“, sagt Heudorf. Bis Ende 2017 war das bei 146 Liegenschaften der Fall. „Ein großes Problem sind Schulturnhallen.“In den Ferien können sich die Bakterien durch den Stillstand des Wassers gut vermehren. An einer Lösung des Problems werde gearbeitet.

Große Ausbrüche und Epidemien hat es in den Jahren 2016 und 2017 allgemein nicht gegeben. „Obwohl Frankfurt mit seinem Flughafen ein Tor zur Welt und damit auch zu Infektionskrankheiten ist“, sagt Majer. „Bei uns würde es zuerst aufschlagen.“ Allerdings wäre man in der Stadt auch auf solche Fälle gut vorbereitet.

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