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Gesundheit Wer radelt, ist weniger krank

Juliane Kemen hat den Einfluss der Verkehrsmittelwahl auf die Gesundheit von Berufstätigen erforscht. Im Interview spricht sie über die Vorzüge des Fahrradfahrens und warum Arbeitgeber in Gesundheitsmanagement investieren sollten.

Wer täglich in die Pedale tritt, tut sich etwas Gutes. Foto: dpa

Juliane Kemen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgemeinschaft Mobilitätsforschung am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt. Die Studie „Mobilität und Gesundheit“ erscheint in Kürze im Springer Verlag.

Frau Kemen, der Mensch ist von Natur aus träge. Wie wollen Sie ihn aufs Fahrrad bringen, um zur Arbeit zu kommen?
Ich wollte mit meiner Studie zeigen, wie sehr es sich für den Einzelnen lohnt, aktiv zu werden und entweder zu Fuß zur Arbeit zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Ich konnte nachweisen, dass man damit deutliche Vorteile hat. Man hat weniger Krankheitstage und einen niedrigeren BMI, das heißt, man ist schlanker, und fühlt sich insgesamt wohler. Das spielt für jeden Einzelnen eine große Rolle, vor allem für das tägliche Wohlbefinden.

Studien zufolge ist Pendeln generell der Gesundheit abträglich. Wer längere Strecken unterwegs ist, ist häufiger krank als der, der um die Ecke arbeitet. Was können Betroffene dagegen tun?
Man kann auch bei längeren Arbeitswegen den Anteil des aktiven Verkehrs vergrößern. Etwa, indem man eine Bahnstation früher aussteigt und eine längere Strecke läuft. Oder das Fahrrad-Verleihsystem in der Stadt nutzt, um von der Station des ÖPNV zur Arbeit zu fahren. Oder die erste Strecke von der Haustür bis zum Bahnhof als aktive Strecke so lange gestaltet, wie man möchte. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Teil aktive Bewegung einzubauen, auch in einen längeren Arbeitsweg.

Wie kann ein Arbeitgeber das fördern, was Sie „aktive Verkehrsmittel“ nennen?
Da gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Er könnte bei Neueinstellungen darauf achten, dass der Mitarbeiter aus dem näheren Umfeld kommt. Sollte er von weiter her kommen kann er einen Umzug anregen. Er kann auch finanziell unterstützen, da gibt es zum Beispiel die Möglichkeit des Fahrradleasings. Der Arbeitgeber kann Duschen anbieten sowie sichere und hochwertige Fahrradabstellanlagen. Er kann Mobilitäts- und Gesundheitstage durchführen, die zu einer aktiven Mobilität raten.

Warum sollten Unternehmen dieses Geld investieren?
Der Unternehmer ist neben seinen unternehmerischen Interessen mit Sicherheit auch an der Gesundheit seiner Mitarbeiter interessiert. Meine Studie hat gezeigt, dass die Fahrradfahrer ein Drittel weniger krank sind als Autofahrer. Hochgerechnet auf die gesamten Beschäftigten hat er einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil davon. Ein höheres Wohlbefinden durch die aktive Bewegung auf dem Weg zur Firma bedeutet auch aktiver und produktiver bei der Arbeit zu sein, ausgeglichen und besser im Team miteinander zu funktionieren.

Wissen Arbeitgeber das überhaupt? Bei betrieblichem Gesundheitsmanagement denkt man doch landläufig eher an ergonomische Stühle oder Rückenkurse.
Da gibt es auf jeden Fall noch Defizite. Betriebliches Gesundheitsmanagement beginnt derzeit erst beim Arbeitsantritt und endet am Ende des Arbeitstags. Der Arbeitsweg ist nicht einbezogen.

Wäre ein Sportstudio eine Alternative? Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit und powere mich nach Feierabend auf dem Laufband aus?
Die Studie hat gezeigt, dass der regelmäßige Einbau von Bewegung im Alltag die größten Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Jeden Tag zweimal 20, 30 Minuten aktiv unterwegs zu sein, hat viel größere Auswirkungen, als wenn ich dreimal pro Woche Hochleistung im Fitnessstudio bringe.

Welche Forderungen leiten Sie von den Ergebnissen Ihrer Studie ab?
Ich wünsche mir, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen erkennen, was für Chancen darin liegen, den Arbeitsweg aktiv zu gestalten, und dass darin unheimlich großes Potenzial liegt.

Interview: Jutta Rippegather

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