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Geschichte Die Wandelbare

Fred Kickhefel, FR-Redakteur im Ruhestand, zeigt Stadtansichten verschiedener Epochen. Vom Nachkriegsfrankfurt zur heutigen Bankenmetropole.

Grundsteinlegung zum Wiederaufbau im Jahr 1952. Foto: Institut für Stadtgeschichte

Es gibt drei Frankfurts. Das alte Frankfurt, das Nachkriegsfrankfurt und das Frankfurt der Gegenwart. Mehr und mehr schämt sich das heutige Frankfurt seiner überaus bescheidenen Jahre und zeigt sich getrieben von dem Wunsch, die eher schlichten Gebäude der Wiederaufbauzeit durch Gefälligeres zu ersetzen.

Mehr und mehr scheint es also angebracht, die Zeiten in Erinnerung zu rufen, in denen es in dieser Stadt nicht überzähligen Raum in einer Größenordnung von zwei Millionen Quadratmetern Fläche gab, wie heute. Sondern Millionen nutzbarer Quadratmeter zu wenig, wie damals.

Kein anderer Chronist könnte das besser, als unser früherer FR-Kollege Fred Kickhefel, den der Ruhestand nicht abhält, Frankfurter Geschichten zu erzählen. Die Stadt der Ruinen war sein Spielplatz. Einer wie er hat Leitsätze des Wiederaufbaus, als Oberbürgermeister Walter Kolb persönlich die Trümmerschaufel führte, im Ohr: „Wir wollen nicht die Städte unserer Großväter, sondern die unserer Kinder bauen.“

Stadt im Wandel

Diese Losung des Publizisten Walter Dirks von 1946, vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Altstadt-Debatte erstaunlich aktuell, zitiert Fred Kickhefel in seinem neuen Bildband „Frankfurt am Main. Stadt im Wandel“, der mit aktuellen Fotos von Markus Kurscher gerade erschienen ist. Seite für Seite ist dort das heutige Bild der Stadt, stets aus dem gleichen Blickwinkel, Aufnahmen der historischen und der zerstörten Stadt gegenübergestellt.

Keine deutsche Stadt, das lässt sich schon an dem Grundstück der Deutschen Bank (Taunusanlage 14) zeigen, hat so hart mit ihrer Geschichte gebrochen wie Frankfurt. Und darum so viel Mühe, zu einer Identität zu finden. Um mit den bläulich-verspiegelten Banktürmen das Signal zu setzen, es sei nun mit der Bescheidenheit vorbei, wurde 1972 an der Adresse die stattliche Ruine des Palais Löwenstein abgetragen. Und zwar nachdem diese nach Kickhefels Beobachtung 27 Jahre lang „wie ein ausgebrannter Luxusdampfer“ vom Reichtum erloschener oder ausgelöschter Familien Zeugnis abgelegt hatte. Während man, nämlich zum Beispiel er, „in der Ruine herumkraxeln konnte“. Allein die zwei Löwen aus dem Giebel erinnern bis heute am Hochhaus-Sockel an den Prachtbau nahe der Alten Oper, den bis 1892 die Gräfin von Reichenbach-Lessonitz errichten ließ und der seit 1912 den Namen ihrer Tochter Pauline zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg trug.

Wie dort am Westend-Rand zeigen Gegenüberstellungen an weiteren 29 Schauplätzen „die eklatanten Veränderungen, die sich im Laufe der Jahrzehnte vollzogen haben“. Ob rund um die Berliner Straße, an der Großen Eschenheimer Straße, am Kaiserplatz oder am Hessendenkmal – die Auswahl der Örtlichkeiten sei begrenzt. Das alte Frankfurt hat man hunderttausendfach abgelichtet, die Zahl der Trümmerbilder aber ist überschaubar.

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