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Geheimdienst in Frankfurt US-Agenten sollen mit der U5 fahren

Die neuesten Enthüllungen der Plattform Wikileaks drehen sich auch um das Frankfurter US-Generalkonsulat. Dort sollen sich CIA-Agenten tummeln, die Anweisungen erhalten,wie sie sich in der Stadt verhalten sollen.

US-Generalkonsulat  Frankfurt
Ein Seitenportal des US-Generalkonsulats an der Gießener Straße in Frankfurt. Foto: Christoph Boeckheler

Die Anweisungen lesen sich ein bisschen wie ein Agententraining aus dem guten alten Yps-Heft. Die CIA-Programmierer sollen zur Arbeit mit der U-Bahn-Linie 5 fahren, Geld an Automaten der Deutschen Bank abheben und nach Frankfurt am besten mit der Lufthansa fliegen – dort sei der Alkohol gratis. Wikileaks hat mal wieder zugeschlagen und diesmal auf seiner Internetseite (wikileaks.org) unter dem Begriff „Vault 7“ Hunderte von Dokumenten veröffentlicht, die aus einem digitalen Handbuch des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA stammen sollen. In der Pressemitteilung zu der jüngsten Wikileaks-Enthüllung heißt es zudem, die CIA würde vom US-Generalkonsulat in Preungesheim aus Hackerangriffe in Europa, dem Nahen Osten und Afrika durchführen.

Walter Wieland hat an diesem Mittwoch einiges zu tun. Der Pressesprecher des weltgrößten US-Generalkonsulats bekommt viele Anrufe, zudem haben sich einige Fernsehteams angesagt, die Außenaufnahmen vom gut abgeschirmten Gebäudekomplex an der Gießener Straße machen wollen. Sie brauchen Filmmaterial für ihre Berichterstattung. Zu allen Anfragen bezüglich des Wahrheitsgehalts der jüngsten Wikileaks-Enthüllungen ist aus dem Generalkonsulat am Mittwoch aber gebetsmühlenartig nur der eine Satz zu hören: „Das US-Außenministerium äußert sich grundsätzlich nicht zu nachrichtendienstlichen Anschuldigungen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Medien über mutmaßliche Geheimdiensttätigkeiten der USA in Frankfurt berichten. In den 80er Jahren berichtete das Magazin „ Der Spiegel“, die NSA organisiere Abhöraktionen aus einer getarnten Einsatzzentrale auf der Zeil, und vor gut zehn Jahren wurde gemutmaßt, die CIA verschanze sich in einigen Wohnblocks an der Hansaallee. Wahrscheinlicher aber ist, dass auf dem ehemaligen Gelände des US-Miltärs im Westend heute hochrangige Diplomaten mit ihren Familien leben. Es wäre auch wenig sinnvoll, würde sich die CIA exponiert in der Hansaallee verschanzen, anstatt die Anonymität des abgeschirmten 9,3 Hektar großen Geländes mit seinen 13 Gebäuden und über 1000 Mitarbeitern an der Gießener Straße zu nutzen.

Das Generalkonsulat war 2005 wegen Platzmangels aus dem Westend auf das Gelände des ehemaligen General Hospitals gezogen. Seitdem wächst der größte Standort von US-Diplomaten außerhalb der USA ständig. Zuletzt waren 54 Mitarbeiter der amerikanischen Entwicklungshilfebehörde US-Aid aus Sicherheitsgründen von Kairo nach Preungesheim gezogen. „Frankfurt ist so ein perfekter Platz mit diesem unglaublichen Flughafen“, schwärmte der neue Frankfurter Generalkonsul James Herman bei seinem Amtsantritt im September 2015.

26 Abteilungen hat das US-Generalkonsulat in Frankfurt. Von hier werden die Konsulate in Afrika, dem Mittleren Osten, Europa und weiten Teilen Asiens mit Hard- und Software versorgt. Fast täglich kommen Diplomaten aus der ganzen Welt zu Schulungen nach Frankfurt. Irgendwo auf den insgesamt fünf Kilometer langen Gängen des Gebäudetrakts werden sich sicher auch CIA-Mitarbeiter tummeln.

Zumindest die Zöllner am Frankfurter Flughafen könnten nun dank Wikileaks erahnen, wann sie einen für Hackerangriffe entsandten Agenten vor sich haben. Die nämlich sollen bei der Grenzkontrolle als Einreisegrund „Supporting technical consultations“ angeben. Aussteigen müssen die U-Bahn fahrenden Agenten dann an der Haltestelle Gießener Straße – „phonetically: Gee-ssen-err Shtrah-sseh“. Unterstützt das CIA-Handbuch.

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