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Gedenkstunde Gegen das Vergessen

70 Besucher kommen ins Gallus-Theater, um an das frühere Konzentrationslager Katzbach zu erinnern. Sie fühlen sich einem gemeinsamen Ziel verpflichtet.

Vor 72 Jahren wurde das Konzentrationslager (KZ) Katzbach in den Adlerwerken aufgelöst. 400 Häftlinge mussten Ende März 1945 auf einen Todesmarsch, der über Maintal und Gelnhausen in das KZ Buchenwald führte. Am Sonntagnachmittag gedachten rund 70 Besucher im Gallustheater, in den früheren Adlerwerken, der Opfer.

Der erst kürzlich gegründete „Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken und zur Zwangsarbeit“ hatte zu der Gedenkfeier eingeladen. Horst Koch-Panzner, der Vorsitzende, berichtete, dass sich bei dem „brutalen Fußmarsch“ Häftlinge auf den Boden gelegt und gewartet hätten, bis sie erschossen werden. Das KZ Katzbach, auf dem Areal des ehemaligen Fahrzeug- und Maschinenherstellers, war im August 1944 als Außenlager des KZ Struthof-Natzweiler im damals besetzten französischen Elsass errichtet worden; mehr als 1600 überwiegend polnische Zwangsarbeiter mussten Sklavenarbeit leisten.

In seiner Rede sagte der polnische Vizekonsul Przemyslaw Gembiak: „Es ist eine außergewöhnliche Geste der Verständigung, sich für die Aufarbeitung der Vergangenheit einzusetzen.“ Er fügte hinzu: „Wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, werden wir uns nicht ausreichend kennen lernen und einander verstehen.“

Die Leiterin des „Europäischen Zentrums der deportierten Widerstandskämpfer am ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof“, Frédérique Neau-Dufour, sagte: „Wir und ihr bearbeiten eine gemeinsame Geschichte mit demselben Ziel, Erinnerung zu bewahren“. Die Historikerin sprach von einer „engen Verzahnung zwischen Haupt- und Außenlager“ und bezeichnete die Struktur als „ein System“. So seien die Katzbach-Häftlinge in Natzweiler-Struthof registriert worden. Neben weiteren Außenlagern im Süden Deutschlands sei in Frankfurt das nördlichste gewesen. Weiter sagte Neau-Dufour, es sei wichtig, dass sich Frankfurter Bürger engagierten. Sie hoffe auf enge Zusammenarbeit: „Unsere Erfahrung könnte euch helfen, euer Engagement ist ein Beispiel für uns Franzosen“. Bei dem aktuellen Zulauf für Rechtsextremisten gelte es, Mut zu machen für die Gegenwart. „Wir bauen weiter am europäischen Haus des Friedens“, sagte Neau-Dufour – viel Beifall.

„Endlich eine Gedenkstätte“

Stadträtin Elke Sautner, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vertrat, sagte: „Ich hoffe, dass wir es endlich hinbekommen, eine Gedenkstätte zu errichten.“ Mit Blick auf das Durchschnittsalter der Besucher – keine Jugendlichen – ergänzte sie, es müsse über neue Methoden nachgedacht werden, um Erinnerung wachzuhalten.

Der Leiter des Gallus-Theaters, Winfried Becker, blickte zurück auf 1997, als das Theater in Räume der ehemaligen Adlerwerke einziehen wollte und die Macher von der dunklen Vergangenheit erfuhren. „Es war ein großer Schock“, sagte Becker. Und es sei zunächst undenkbar gewesen, hier ein Theater zu eröffnen. Sie taten es trotzdem – unter einer Bedingung:. „Wenn wir uns verpflichten, dann in Verbindung damit, dass wir regelmäßig an diese Tatsache erinnern“, so Becker. Weil die „Zeit der Zeitzeugen“ langsam vorbeigehe, ist Becker froh darüber, dass der Förderverein gegründet wurde.

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