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Gedenken Neuer Glanz für Stolpersteine

Eine Initiative ruft zum erneuten Frühjahrsputz der kleinen Gedenksteine auf. Mehr als 1100 gilt es in Frankfurt zu reinigen.

Auch diese drei Stolpersteine in der Dalbergstraße in Höchst profitieren vom Frühjahrsputz. Foto: Michael Schick

Jeder Gedenkstein steht für ein individuelles Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus. Den Menschen das Gedenken an Opfer des Holocaust in den Blick zu rücken, das hat sich Hartmut Schmidt zur Aufgabe gemacht. Er ist der Koordinator der Aktion „Stolpersteine Frankfurt“.

Um die Sicht auf die „Stolpersteine“ – kleine, auf Pflastersteinen angebrachte Gedenktafeln – zu ermöglichen, ist es nötig, diese frei von Schmutz und Moos zu halten. Dabei setzt Schmidt auch in diesem Frühjahr auf die tatkräftige Hilfe der Frankfurter Bürger. Denn mittlerweile wurden mehr als 1100 Messingtafeln in Bürgersteige eingelassen.

Der Frühjahrsputz wurde auf das Wochenende 23./24. April gelegt. Die Messingplatten dürfen mit allen haushaltsüblichen Metallputzmitteln von Witterungsrückständen befreit werden, nur Drahtbürsten eignen sich nicht. Bewohner und Nachbarn der Häuser, vor denen Stolpersteine liegen, werden zur Denkmalspflege aufgerufen. Außerdem hofft die Initiative darauf, dass möglichst viele der 400 Paten eines Gedenksteins Zeit zum Helfen finden.

In Frankfurt wurde 2003 der erste Pflasterstein durch einen mit eingraviertem Namen ersetzt. Gestartet wurde die Initiative 1992. Mehr als 50 000 dieser Steine sind seither europaweit installiert worden. Der Künstler Gunter Demnig, der hinter dem Projekt steht, wurde für die Stolpersteine mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seine Absicht: Menschen im Alltag über Schicksale stolpern lassen, um diese vor dem Vergessen zu bewahren. Gedacht wird damit der von den Nationalsozialisten Getöteten, in den Tod Getriebenen, Geflohenen, aber auch Überlebenden aus Lagern und Gefängnissen. Dazu gehören Juden, Homosexuelle, Sinti, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer. Noch steht jeder Stolperstein symbolisch für alle Opfer, denn längst nicht alle haben einen eigenen. Doch jedes Jahr folgen weitere.

So werden auch in diesem Jahr, vom 17. bis 19. Mai, wieder rund 100 neue in Frankfurt verlegt. In der Vorbereitung sucht Hartmut Schmidt ehrenamtlich die ehemaligen Wohnorte der Opfer auf. Meist mit seinem Fahrrad und oftmals auch mit dem Straßenvermessungsplan von 1944.

Mittlerweile existiert auf der Webseite der Initiative eine genaue Route, von Stadtviertel zu Stadtviertel, in der an den drei Tagen im Mai neue mit Messingplatten versehene Blöcke angebracht werden. Neben Stolpersteinputzern werden nun noch etwa 25 Patinnen und Paten für die neuen Steine gesucht. Jeder von ihnen kostet 120 Euro. Bei Interesse erhält man Namen, Schicksale der Opfer und wo deren Gedenktafeln verlegt werden. Dann kann jeder Interessierte selbst auswählen, für wen er die Patenschaft übernehmen möchte.

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