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Gedenken Autoren kritisieren Erinnerungskultur

Buchautoren werfen der Stadt Frankfurt jahrzehntelanges Schweigen zum KZ-Außenlager in Katzbach vor.

Mehr als 250 Menschen haben der Frankfurter KZ-Opfer gedacht. Sie zeichneten 528 Körperumrisse auf die Zeil. Foto: REUTERS

Die Gedenkveranstaltungen für die Menschen, die im KZ-Außenlager Katzbach inhaftiert waren, stoßen auf heftigen Widerspruch. Die Autoren Michael Knorn und Ernst Kaiser werfen dem zugrunde liegenden Konzept der Stadt „Gehaltlosigkeit“ vor. In einem Schreiben an die FR beziehen sie Stellung zum „Erinnerungskonzept der Stadt“.

Am Montag hatte die Künstlerin Margarete Rabow auf der Hauptwache gemeinsam mit gut 250 Teilnehmern ihre Performance „Fallen“ durchgeführt. Lesungen von Rabow in öffentlichen Verkehrsmitteln und ein Konzert im Gallus-Theater, in den ehemaligen Adlerwerken, sollen bis zum Jahresende folgen. Für die kommenden drei Jahre planen Stefanie Grohs, Naneci Yurdagül und Barak Reiser weitere Projekte. Die Stadt Frankfurt unterstützt die Vorhaben mit insgesamt rund 100 000 Euro.

"Fast 70 Jahre beschwiegen"

Knorn und Kaiser, die 1994 das Buch „Wir lebten und schliefen zwischen den Toten“ veröffentlichten, kritisieren nun, dass „die städtische Aktion den Eindruck vermittelt, als handele es sich gewissermaßen um die Stunde null der Erinnerung“. Dabei habe die Stadt das Thema „fast 70 Jahre beschwiegen“. Die Stadt sei selbst dafür verantwortlich, dass viele Frankfurter bis heute nichts von der Existenz eines KZ-Außenlagers mitten in der Stadt wüssten.

Auch inhaltlich kritisieren Knorn und Kaiser die Gedenkveranstaltungen. „Die Harmlosigkeit der Projektentwürfe und die Abwesenheit aller kritischen Fragestellungen sagen viel über den Status quo der Erinnerungskultur aus.“ Sie fordern „einen dauerhaften Ort der Reflexion und/oder ein Mahnmal im Innenhof der Adlerwerke“.

Lothar Reininger von der Initiative Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim (LAGG) erinnert daran, dass die Stadt „erst auf unser massives Drängen hin 1997 auf dem Hauptfriedhof eine Grabstätte, die zuvor als polnische Kriegsgräber bezeichnet wurde, den Opfern des KZ-Außenlagers gewidmet hat“. Die LAGG finanzierte den Grabstein.

Diese Kritik kann man bei der Stadt nicht nachvollziehen. „Es stimmt nicht, dass die Stadt das KZ-Außenlager Katzbach verdrängt hat“, sagt Kirsten Grote-Bär vom Kulturdezernat. Lutz Becht vom Institut für Stadtgeschichte: „Das angebliche Verschweigen der Opfer ist eine Unterstellung. Im Übrigen haben Knorn und Kaiser unsere Gesprächsangebote nie beantwortet.“ Knorn hingegen sagt, dass er von dem Projekt aus der Zeitung erfahren habe.

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