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Gedenken an Opfer des KZ Katzbach Menschen fallen an Hauptwache zu Boden

Mindestens 528 Männer kamen zwischen August 1944 und März 1945 im Frankfurter Konzentrationslager Katzbach in den Adlerwerken ums Leben. Der Erinnerung an sie gilt das mehrjährige Kunstprojekt, das mit einer Aktion an der Hauptwache begonnen hat.

Teilnehmer der Performance "Fallen" von Margarete Rabow gedenken der Menschen, die im KZ Katzbach umgekommen sind. Foto: peter-juelich.com

Und plötzlich wird es still: Die rund 250 Teilnehmer der Performance „Fallen“ haben sich zwischen Katharinenkirche, Café Hauptwache und Kaufhof aufgestellt. Schweigend stehen sie da und warten auf das Zeichen von Künstlerin Margarete Rabow. Weil die Arbeiter auf der Baustelle nebenan aus irgendeinem Grund jetzt auch ihre Hämmer und Bohrer ruhen lassen, herrscht eine seltsame Ruhe auf der Hauptwache.

Dann hebt Rabow die Hand: Die 250 gleiten zu Boden und bleiben liegen. Eigentlich hätten es 528 Menschen sein sollen, so viele kamen aber nicht zusammen. Verdutzte Passanten stoppen, unsicher winden sie sich ihren Weg an den Gefallenen vorbei. Einige machen einen großen Bogen um sie herum. Manche der Liegenden strecken fragend dreinblickenden Passanten Infozettel entgegen.

Mit ihrer Aktion will Margarete Rabow der 528 Männer gedenken, von denen bekannt ist, dass sie zwischen August 1944 und März 1945 im Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof in den Adlerwerken umgekommen sind. Tatsächlich sind es wohl weit mehr Tote, insgesamt waren gut 1600 Männer im KZ Katzbach interniert. Doch nur von 528 sind die Namen bekannt. Von lediglich 50 Menschen dagegen weiß man, dass sie das Lager überlebten.

Gestern vor 69 Jahren, am 24. März 1945 begann der „Todesmarsch“ der verbliebenen Gefangenen zunächst nach Buchenwald und weiter nach Dachau. Noch immer wissen viele Frankfurter jedoch nichts von dem KZ mitten in ihrer Stadt. So wie Christiane Court: „Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen, vom KZ Katzbach habe ich noch nie etwas gehört“, erzählt sie. Als ihre Freundin von der Aktion berichtete, sie hatte davon in der Zeitung gelesen, meldete Court sich und ihren Mann prompt an.

Die Stadt Frankfurt will nun mit einem mehrjährigen Kunstprojekt der Opfer des KZ Katzbach gedenken. „Hierfür haben wir vier Künstlerinnen und Künstler beauftragt, innovative Wege des Gedenkens zu finden“, sagt Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Das Projekt ist über einen Zeitraum von vier Jahren verteilt und wird im Internet dokumentiert. Margarete Rabow macht den Anfang. „Unter dem Titel ‚Störungen und Irritationen im öffentlichen Raum‘ will ich den Blick auf die damaligen Geschehnisse lenken“, sagt Rabow.

Hierfür wird sie später die Umrisse der Gefallenen mit Kreide nachzeichnen und mit jeweils einem Namen versehen. Weil nicht genug Menschen gekommen sind, zeichnet jeder zwei oder sogar drei Umrisse. Zudem wird die Aktion fotografisch dokumentiert. „Auf unserer Homepage www.kz-katzbach.de kann man sich das anschauen.“ Ab dem 8. April wird Rabow dann einmal monatlich eine Lesung in einem Bus oder einer Bahn abhalten. Stefanie Grohs, Naneci Yurdagül und Barak Reiser werden das Projekt in den kommenden drei Jahren fortsetzen. Kritiker wie etwa der Autor Michael Knorn und die Initiative LAGG werfen der Stadt indes vor, die Opfer des KZ Katzbach viel zu lange verdrängt zu haben.

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