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Gedenken an der Hauptwache Kerzen für "Charlie Hebdo"

500 Menschen trauern an der Hauptwache um die Opfer des Anschlags auf die Pariser Satirezeitung "Charlie Hebdo". Viele der Anwesenden sind noch sichtlich geschockt von den Ereignissen.

An der Frankfurter Hauptwache treffen sich rund 500 Menschen um die Opfer von Paris zu betrauern. Foto: Andreas Arnold

Still ist es an der Hauptwache, obwohl so viele Menschen da sind. Rund 500 haben sich am Donnerstagabend trotz des Regens versammelt, um ihr Mitgefühl mit den Opfern des Terroranschlags auf die Pariser Satirezeitung „Charlie Hebdo“ zu zeigen. Der ganze Platz ist voller Regenschirme, die Leute haben Kerzen mitgebracht. Und Pappschilder, auf die sie eine klare und einfache Botschaft geschrieben haben, die derzeit weltweit über das Internet und auf Kundgebungen verbreitet wird: „Je suis Charlie“ – Ich bin Charlie. Ruhig stehen die Leute beisammen und reden, viele sind noch sichtlich geschockt von den Ereignissen. Vor der Katharinenkirche haben sie Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Ulrike Engelhardt ist gekommen, um ihre Betroffenheit auszudrücken. „Ich finde es schlimm, dass die Karikaturisten ermordet wurden“, sagt die Frankfurterin. Sie fühle sich besonders mit Frankreich verbunden, weil ihre Tochter in Paris lebe und arbeite. „Ich hoffe, dass sie jetzt genauso draußen auf der Straße ist wie ich“, sagt Engelhardt.

Gedenken an „Charb“

Neben ihr an der Wand der Katharinenkirche lehnt ein junger Mann, der sich gegen den Regen eine Kapuze ins Gesicht gezogen hat. Er sei zum Gedenken an Stéphane Charbonnier gekommen, sagt er.

Der „Charb“ genannte Chefredakteur von Charlie Hebdo war am Mittwoch wie mehrere seiner Kollegen in Paris erschossen worden. „Er war ein Humanist, er hat sich auch für uns Kurden eingesetzt“, sagt der junge Mann. „Ich bin heute für ihn da.“

Die Frankfurter Rechtsanwältin Elishewa Patterson-Baysal hatte unter dem Motto „Wir sind frei, wir sind Charlie“ über Facebook zu der Kundgebung aufgerufen. Nachdem sie die ersten Meldungen über den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ gelesen hatte, sei ihr der Gedanke dazu gekommen, sagt sie. „Der Schock sitzt tief, weil das ein Angriff ist auf die Essenz unserer Demokratie.“ Meinungsfreiheit sei „das wichtigste Gut, das wir haben“, findet Patterson-Baysal. „Die Satire, die Karikatur, auch die Provokation müssen wir als Demokraten aushalten.“ Kontroverse Karikaturen regten manchmal zu heftigen Diskussionen an und dürften auch kritisiert werden, sagt Patterson-Baysal. Aber niemals dürfe mit Gewalt auf Satire und Humor reagiert werden.

Mittlerweile sind auch einige Franzosen bei der Kundgebung eingetroffen. „Ich will meine Unterstützung für Charlie Hebdo zeigen, genau wie die vielen Menschen in den französischen Städten“, sagt eine junge Französin. Der Schock zu Hause sei enorm, berichtet die Frau. Die getöteten Zeichner seien „wichtige und talentierte Persönlichkeiten“ gewesen, fast jeder habe ihre Karikaturen gekannt. Ihre Freunde in Frankreich hätten jetzt Angst, dass alle Muslime mit Terroristen in einen Topf geworfen würden und die Gesellschaft sich weiter spalte. Man kann es in vielen Gesichtern sehen: Mit dieser Angst ist die junge Frau nicht allein.

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