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Geburtstagsgruß in Mauer Lehrjahre auf dem Goetheplatz

Der Künstler Jean Luc Cornec lässt den Dichter ausgerechnet an seinem Geburtstag einmauern.

27.08.2010 22:25
Matthias Arning
Fest gemauert...ist von der Konkurrenz. Aber jetzt hat Goethe auch seine Mauer. Foto: Rolf Oeser

Man muss sich das etwa so vorstellen, sagt Jean Luc Cornec am frühen Freitag morgen mitten in der Innenstadt: Zu Goethe und Wilhelm Meister falle ihm die Willensfreiheit des Menschen ein, für dessen Selbstbestimmung es Grenzen gebe. Diese Grenzen nehmen sich die Dichter ja eigentlich während der Erörterungen in der Turmgesellschaft vor. Und wenn er an Türme denke, komme er auch ganz schnell nach Frankfurt am Main, das klinge doch wohl plausibel, betont Cornec, der Künstler, der an diesem Morgen nach den ergiebigen Regenfällen der Nacht auf dem Goetheplatz nach dem Rechten sieht. Schließlich soll sein Werk an diesem Tag fertig werden, die Mauer eine Höhe von knapp zwei Metern erreichen.

Die Mauer entsteht aus groben Ziegeln. Auf jedem Einzelnen dieser Bausteine steht „WM“. Das sollen Initialen sein. „WM“ steht für Wilhelm Meister, Goethes Protagonisten im Bildungsroman. Aber „WM“ stehe auch für das schöne deutsche Wort „Weltmeisterschaft“, mit der es in Südafrika ja beinahe etwas geworden wäre.

Spätestens in diesem Augenblick kann es keinen Zweifel mehr geben: Der Mann besitzt eine ganz feine Ironie. Denn er lässt von Handwerkern eine Mauer um das Goethedenkmal ziehen. Pünktlich zum Geburtstag des großen Meisters und verehrten Sohnes der Stadt.

Nicht irgendeine Mauer auf diesem für den gegenwärtigen Frankfurter so überaus sensiblen Platz in der Mitte der Metropole. Es ist eine Ringmauer, die das Denkmal umschließt. Eine Mauer aus Backsteinen, die Cornec auch als ein Art Bremsklotz verstanden wissen will. Als Bremse, „um nicht in den Abgrund zu rasen“. Vom Rathenauplatz aus kann man das „Meister-Monument“ betreten.

Es ist ein temporäres Kunstwerk, das man auf jeden Fall in den kommenden zwei Wochenansehen kann. In dieser Zeit lässt sich dann auch der Frage nachgehen, warum der Künstler uneindeutig bleibt, warum er den Turmbau um das Denkmal herum nur andeutet. Es könnte ein Turm werden. Vielleicht ist es aber auch nichts anderes als – eine Ruine.

Wilhelm Meister 2010, eine Installation zu Goethes Geburtstag von Jean Luc Cornec, Goetheplatz

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