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Gateway Gardens 40 Bäume illegal gefällt

Die Behörden ermitteln wegen einer illegalen Rodung im wachsenden Stadtteil Gateway Gardens. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig spricht von einem „Kahlschlag nach Gutsherrenart“.

2013: Da standen die Bäume noch. Foto: Stadtvermessungsamt

Kommissar Zufall ist nicht nur im Tatort aktiv – auch in Naturschutzfragen kann er helfen. Wie das Frankfurter Umweltamt eine illegale Rodung in Flughafennähe entdeckte, ähnelt jedenfalls entfernt einem Krimi. Und dabei ist aus Sicht des Hauptverdächtigen gar nichts passiert.
Da schaute sich im vorigen Jahr die Untere Naturschutzbehörde (UNB) auf Luftbildern die Lage im Gebiet Gateway Gardens an, dem wachsenden neuen Stadtteil im Süden. Dort ist ein Ergänzungsverfahren zum Bebauungsplan im Schwange. Aber beim Studium der Luftbilder stellte UNB-Leiter Volker Rothenburger fest, dass offenbar schon jemand seinen eigenen Bebauungsplan in Angriff nimmt: „Es wurden illegal Waldflächen gerodet.“

Und zwar im Bereich zwischen der Autobahn 3 und dem Gelände der LSG Sky Chefs, weltgrößte Zubereiter von Flugzeugessen. Dort standen 2013 noch Bäume. 2015 nicht mehr – oder jedenfalls viel weniger. Ein Areal von 180 auf 40 Meter hat der Frankfurter Naturschutzbeirat ausgemacht und fordert, „die Verantwortlichen der illegalen Waldrodung zu ermitteln, die Wiederaufforstung durchzusetzen und der Bebauungsplanänderung in diesem Bereich nicht stattzugeben“.

Volker Rothenburger spricht von etwa 40 Bäumen, die gefällt wurden, alte Eichen, laut gültigem B-Plan „zu erhaltender Baumbestand“, laut Grünflächenamt Wald. Abgeholzt „ohne Genehmigung, ohne Abstimmung mit irgendeinem Amt“. Dafür wäre das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt zuständig gewesen. Eine Erlaubnis für einen derartigen Kahlschlag hätte es aber ohnehin nicht gegeben. „Der Waldstreifen hatte seine Funktion als Puffer gegen Staub, Strahlung und Lärm“, erklärt Rothenburger. Er sei wichtig für die LSG-Belegschaft zur Abgrenzung von der Autobahn gewesen, und er habe auch eine ökologische Funktion erfüllt: „Eichen haben den höchsten Wert für Kleinlebewesen aller Art – das Gebiet vernetzt auch Lebensräume nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.“ Fledermäuse etwa seien zur Orientierung auf die Baumkulisse angewiesen. Mit der Autobahn als Wegweiser können sie nichts anfangen.

Vertreter des RP und der anderen zuständigen Stellen trafen sich am Montag vor Ort, um die Bescherung zu betrachten und über das weitere Vorgehen zu beraten. Dabei gestanden die Beschuldigten nach Angaben der Behörden alles ein. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) reagierte scharf: „Wir haben klipp und klar gegenüber dem RP unsere Position benannt. Solch ein Kahlschlag nach Gutsherrenart und vorbei an Recht und Gesetz kann und darf nicht folgenlos bleiben.“

Beim Forstdezernat des Regierungspräsidiums ist nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen das Hessische Waldgesetz anhängig, wie Sprecher Dieter Ohl mitteilt. „Wir sind derzeit dabei, den Sachverhalt näher aufzuklären“, sagt er, gegebenenfalls folge ein Bußgeldverfahren. Nächster Schritt ist eine förmliche Anhörung, die noch eine Weile dauern kann – zum Ärger des Naturschutzbeirats. „Das zieht sich sowieso schon ewig hin“, sagt Beiratsmitglied Fritz Küsters. Aus seiner Sicht liegt es auf der Hand, dass der Grundstücksentwickler auf dem Gelände bauen wollte: „Für den Eigentümer ist daher eine Waldfläche ein Hindernis, also weg damit.“

Aber wer war’s denn nun? Das will Peter Buchholz, Geschäftsführer der Gateway Gardens Projektentwicklungsgesellschaft, abgeordnet aus dem Planungsdezernat, nicht sagen. „Gerodet haben andere“, sagt er, „wer, ist doch völlig egal. Wichtig ist, dass es wieder in Ordnung gebracht wird.“ Und das sei am Montag auf den Weg gebracht worden. „Dort wird alles wieder aufgeforstet als Wald“, verkündet Buchholz, „der Fall ist gelöst, alle sind zufrieden.“ Er bedaure „außerordentlich“, dass der Naturschutzbeirat etwas in die Welt setzt, das längst geregelt ist“.

Wobei darüber die Meinungen wohl momentan noch auseinandergehen in diesem Fall: was geregelt ist und was nicht.

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