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Gast zu Tode geprügelt U60311-Türsteher beschuldigt Kollegen

Vier Türsteher des Frankfurter Clubs U60311 prügeln im Frühjahr 2011 einen Gast zu Tode und müssen sich nun vor Gericht verantworten. Der Hauptangeklagte weist am Freitag vor dem Landgericht die Schuld von sich.

Vor dem Club U60311 wurde im Frühjahr 2011 ein Gast von Türstehern zu Tode geprügelt. Foto: dapd

Zuerst deutete alles auf einen langweiligen Prozesstag hin. Doch als die Verteidiger der vier Angeklagten mit ihren obligatorischen Antrags- und Verzögerungsritualen fertig waren, machte der Hauptangeklagte Athanasios G. doch noch seine Aussage – und die hatte es in sich.

Die Anklage geht davon aus, dass es hauptsächlich der 34-jährige Türsteher war, der in der Nacht des Ostermontags 2011 den 31 Jahre alten Briten Lee John H. zu Tode prügelte. Vorausgegangen war ein Streit unter Gästen, an dem der Brite nach Aussage von Zeugen jedoch völlig unbeteiligt gewesen sein soll. Die drei mitangeklagten Türsteher spielten nach bisherigem Stand der Dinge eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Dem widerspricht die Aussage G.s. Gegen 6.10 Uhr, sagt er, habe es in der Disco „ein Gerangel“ gegeben. Er habe eingreifen wollen, sei aber von „mindestens zwei Gästen“ attackiert worden und habe einen Schlag auf den Hinterkopf erhalten. Bei einem der Angreifer soll es sich um das spätere Opfer gehandelt haben.

Doch totgeschlagen habe er ihn nicht. Das sei sein Kollege Ömer H. gewesen, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt. Der, sagt. G, sei auf den am Boden liegenden Briten gesprungen, habe ihn gewürgt und auf ihn eingeschlagen. „Ömer war außer sich, er wirkte völlig ausgerastet, er schien nicht einmal mich zu erkennen.“ Er habe seinen Kollegen von dem Briten weggezogen, daraufhin habe dieser die Disco wütend verlassen, während er Wasser organisiert haben will, mit dem er den Schwerverletzten erfrischen wollte.

Ortstermin soll Klarheit bringen

Später will er seinem Kollegen gesagt haben, dass es nicht gut um den Verprügelten stehe – dass habe man schon am Verhalten der Rettungskräfte sehen können. Ömer habe daraufhin seine Sonnenbrille angezogen, wahrscheinlich um nicht erkannt werden zu können, und habe gesagt: „Mach dir keine Sorgen, ich habe doch geschlagen, nicht du.“

Die ursprünglich für heute angekündigte Aussage von Ömer H. fiel aus, er will sich jetzt nach Aussage seines Verteidigers vermutlich am nächsten Prozesstag am kommenden Freitag äußern.

Mehr Klarheit in den Fall soll demnächst ein Ortstermin bringen. Diesen forderten sämtliche Verteidiger in einem Antrag, dem sich auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage anschlossen – die Zustimmung des Gerichts scheint daher nur noch Formsache zu sein.

Bei diesem Ortstermin sollen am Tatort, der Disco U60311, die zur Tatzeit herrschenden „Licht- und Geräuschverhältnisse“ simuliert werden – denn diese stellten mit Sicherheit eine „Erschwernis für die Wahrnehmungsfähigkeit der Handlungsabläufe“ dar. Ein Termin steht noch nicht fest, doch das Gericht muss sich beeilen: Das U 60311 steht vor der Schließung.

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