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Gallus Ratten und Leerstand

Das alte Polizeipräsidium hat ungebetene Gäste. Eine ungewisse Zukunft hat das zuletzt für Parties und Fernsehdrehs genutzte Ensemble aus massiver Willhelministik und bundesrepublikanischer Funktionalität sowieso.

05.11.2010 11:36
Eva Marie Stegmann
Investor gesucht: das alte Polizeipräsidium. Foto: FR/Oeser

Wirklich skandalös ist es nicht: Im alten Polizeipräsidium treiben sich Ratten herum. „Die kommen schnell bei Gebäuden, die längere Zeit brach liegen“, informiert Ralph Rohr vom Ordnungsamt. Man hat umgehend Eigentümer, das hessische Justizministerium beziehungsweise das Land Hessen, und Verwalter, das hessische Immobilienmanagement, informiert und eine Zehn-Tagesfrist für die Entfernung der kleinen Nagetierchen angesetzt.

Die Mini-Rattenplage wird wohl bald vorbei sein, doch für Costantino Gianfrancesco (Die Grünen) vom zuständigen Ortsbeirat ist die Sache damit nicht abgeschlossen. Durch die nagenden Besucher ist die Frage, wie die ehemalige Residenz der Polizei weiter genutzt werden soll, in den Focus gerückt. „Es ist unverständlich, warum ein mehrstöckiges Gebäude in der Nähe des Bahnhofs leer steht und wohl verrotten soll“, sagt er. Noch bis 2007 nutzte der Deutsch-Afrikanische Kulturverein Wimbum die Räumlichkeiten als Kulturhaus. Aber: „Das Land Hessen verlangte von uns eine hundertprozentige Mieterhöhung und eine nicht nachvollziehbare Umlagenrechnung von 3600 Euro im Monat“, so Vorstand Kimbi Mangeh 2007. Der Verein, der sich selbst finanzierte, konnte nicht zahlen und nahm sich einen Anwalt.

Die Situation eskalierte, so Mangeh, als Ordnungsamt, Stadtpolizei und Landespolizei „gewaltsam eindrangen“. Der Vorsitzende sei festgenommen und körperlich so schwer von der Polizei angegriffen worden, dass er ernsthafte Verletzungen erlitten habe. Ate Plies, Pressesprecherin des hessischen Immobilenmanagements, dazu: „Zwischen dem Verein und uns bestand nie ein Mietverhältnis.“ Es habe Vertragsverhandlungen gegeben, letztendlich ohne Ergebnis. Auch ein Club, das Präsidium 9/11 war einmal in dem Gebäude, konnte sich jedoch nicht halten.

Vermarktung wird geprüft

Momentan, so Plies, würden im Rahmen des Leerstandsmanagements wieder Teile genutzt, die Namen der Mieter dürfe sie nicht preisgeben. Die Suche nach einem Investor, die 2002 „als der Immobilienboom zu Ende war“, eingefroren worden sei, ist jetzt wieder aufgenommen worden. „Die Chancen der Vermarktung werden derzeit geprüft“, sagt Plies. Am besten eigne sich der Bau für Büros, doch angesichts des Büroleerstands in Frankfurt sei dies schwer umsetzbar.

Wie es jetzt weitergeht mit dem Polizeipräsidium, ist unklar. So unklar wie im Jahre 2001. Damals antwortete das Hessische Finanzministerium auf Anfrage des zuständigen Ortsbeirats schriftlich: „Seit Frühjahr dieses Jahres werden Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren/Projektentwicklern Gespräche geführt. Das Ministerium der Finanzen führt gegenwärtig noch Verhandlungen mit vier Investoren.“

Der Christdemokrat Stephan Deusinger teilt den Ärger von Constantino Gianfrancesco. Es sähe danach aus, als wolle das Land das Gebäude verkommen lassen, findet er.

Verwunderung zeigt auch Alfred Gangel vom Liegenschaftsamt Frankfurt. Die Stadt will ein Behördenzentrum bauen, die Ausschreibung läuft bereits. „Ich verstehe nicht, warum uns das ehemalige Polizeipräsidium nicht angeboten wurde, es wäre perfekt, liegt im Herzen der Stadt.“ Und stadtenwicklungspolitisch sei es zudem von sehr hoher Bedeutung. Alfred Gangel weiß, dass anfangs ein Hochhaus gebaut werden sollte. Was jetzt passiert – darüber kann man nur spekulieren.

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