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Gallus Menschenretter im KZ

Die Stadt benennt eine Grünanlage im Galluspark nach dem jüdischen Arzt Julius Munk. Er half im Konzentrationslager Adlerwerke kranken Mithäftlingen.

09.10.2016 19:41
Jöran Harders
Die Julius-Munk-Anlage ist die zweite Straße, die nach einem Häftling der Adlerwerke benannt ist. Foto: Rolf Oeser

Dass es in den Adlerwerken von August 1944 bis März 1945 ein KZ-Außenlager gab, in dem Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden, ist nur wenig bekannt. Erst in der jüngeren Vergangenheit begann man sich mit diesem Kapitel der Frankfurter Geschichte zu beschäftigen. Seit 1998 erinnert eine eher unauffällige Bronzetafel an das Schicksal der mehr als 1600 Adler-Häftlinge, von denen nur wenige ihre Zeit im Konzentrationslager Katzbach überlebten.

Nachdem in diesem Jahr eine Aktion der Künstler Naneci Yurdagül und Thomas Müller den Blick auf das vergessene Konzentrationslager gelenkt hat – im Rahmen ihres Kunstprojekts wurden rund um die ehemaligen Werksgebäude Wegweiser mit der Aufschrift „KZ Adlerwerke“ aufgehängt – und die Künstlerin Stefanie Grohs bereits im vergangenen Jahr Bäume mit Stoffbinden mit Häftlingsnummern umwickelt hat, hat die Stadt jetzt mit der Benennung der Grünanlage im Galluspark nach Julius Munk einen weiteren Beitrag zur Kultur der Erinnerung geleistet, wie Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) bei der Feier zur Benennung am Samstag feststellte.

Nach dem Golub-Lebedenko-Platz vor dem ehemaligen Haupteingang der Adlerwerke ist die Julius-Munk-Anlage der zweite öffentliche Ort, der den Namen von Häftlingen des KZ trägt. Wie Adam Golub und Georgi Lebedenko, die bei dem Versuch, aus dem Lager in den Adlerwerken zu fliehen, erschossen wurden, überlebte auch Julius Munk den Nazi-Terror nicht. Nach der Auflösung des KZ Katzbach wurde Munk nach Buchenwald gebracht und starb eine Woche nach der Befreiung des KZ am 18. April 1945 an den Folgen der Strapazen.

Die Initiative zur Namensgebung der Julius-Munk-Anlage ging von Michael Knorn aus, der als Geschichtslehrer mit einer Arbeitsgruppe von Schülern 1985 die Geschichte der Adler-Häftlinge erforscht hat und der in der zehn Jahre später gemeinsam mit Ernst Kaiser veröffentlichten Firmenmonografie „Wir lebten und schliefen zwischen den Toten“ die Zeit der Zwangsarbeit in den Adlerwerken aufgearbeitet hat.

Knorn beschrieb das KZ Katzenbach in seiner Rede bei der Einweihung der Julius-Munk-Anlage als abgeriegelte Hölle mitten in einem Industriebetrieb. Munk, der aus Österreich vor den Nazis nach Frankreich geflohen war und dort als Mitglied der Résistance festgenommen wurde, kam Ende 1944 als Häftling in das KZ in den Adlerwerken. Der Arzt kümmerte sich dort um kranke Mithäftlinge. Die Straßenschilder an der Julius-Munk-Anlage halten nun nicht nur die Erinnerung an Zwangsarbeit und Vernichtung in einem bedeutenden Frankfurter Industrieunternehmen wach, sondern ehren den Namensgeber laut Oliver Strank „stellvertretend für den Einsatz aller Ärzte, die unter schwierigsten Bedingungen im KZ Katzbach Menschenleben zu retten versuchten“.

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