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Gallus Blick in die Galluswarte

Seit gut 600 Jahren gibt es den Stadtturm westlich des Hauptbahnhofs. Das Umfeld der Galluswarte soll in den nächsten Jahren umgestaltet werden.

Erst um 1850 wurde die Galgenwarte umbenannt, erfahren die Teilnehmer der Führung. Foto: Monika Müller

Rasant verlief die städtebaulich Entwicklung des Gallusviertels in den vergangenen Jahren: ein neues großes Einkaufszentrum, das neue Europaviertel, die vielen neuen Gebäude an der Mainzer Landstraße. Ein Kontrapunkt inmitten dieser Dynamik: Die Galluswarte – im Grunde die städtebauliche Konstante des Stadtteils schlechthin. Seit mehr als 600 Jahren steht an dem Ort, der heute zentraler Verkehrsknotenpunkt des Gallus ist, ein Türmchen. Ein Türmchen mit einer – natürlich – sehr wechselhaften Geschichte, wie die etwa 20 Besucher einer Veranstaltung zur Historie der Warte am gestrigen Sonntag erfahren haben.

Dazu eingeladen hatte das „Stadtlabor unterwegs“, eine Ausstellungsreihe des Historischen Museums. In diesem Jahr steht das Gallus im Fokus der Ausstellung, die das Stadtlabor stets zusammen mit Bürgern aufbereitet. Im Veranstaltungsraum des Stadtlabors, direkt neben den Ausstellungsräumen an der Kleyerstraße 1 und unweit der Warte, referierte Stadtteilhistorikerin Hanne Emrich zur Geschichte des Türmchens. Zusammen mit Renate Ullrich hat sie im vergangenen Jahr ein 237 Seiten starkes Buch zur 600-jährigen Geschichte der Warte veröffentlicht. Titel: „Weit draußen vor den Thoren der Stadt…“.

Vom Wachturm zum Entlüftungsschacht

Eben dort befand sich die Warte einst, nachdem sie im Jahre 1414 erbaut wurde. Von dort sollten Gefahren für die Stadt früh erkannt werden. Das Feld bis zur Stadtmauer wurde wegen des nahen Gerichts Galgenfeld genannt, worauf sich als Bezeichnung für den Wachturm „Galgenwarte“ durchsetzte. Zur „Galluswarte“ wurde das Gebäude erst um das Jahr 1850. Da war die Warte als Wachposten schon bedeutungslos geworden. Ab dem Jahr 1886 diente das Türmchen als Abluftschacht für die Kanalisation.

Das Rohr, welches dafür in den Turm eingesetzt wurde, konnten die Besucher am gestrigen Sonntag bei der anschließenden Führung in der Warte begutachten. Im Zuge der Umgestaltung in den Jahren 2008 bis 2010 ließ die Stadt es am unteren Ende abschneiden und eine durchsichtige Bodenplatte darüber legen. Über Metall-Leitern ist die Turmspitze seitdem zu erreichen. Nach ganz oben kam am Sonntag jedoch niemand. Die Abstände der Sprossen seien groß, das sei nur etwas „für Geübte“, so Petra Kanamüller vom Stadtplanungsamt, die die kleine Führung in der Warte übernahm.

Neben der Historie war auch die Umgestaltung des direkten Umfelds der Warte ein Thema. Schon 2013 stellte der Magistrat dafür 3,8 Millionen Euro bereit. Angestrebt ist unter anderem eine Neugestaltung der gesamten Verkehrsinsel, auf dem sich die Warte befindet. Die beiden Trinkhallen sowie die Toiletten, die sich im Gebäude unterhalb des Türmchens befinden, sollen dann verschwinden, die Aufenthaltsqualität an der Warte verbessert werden. Unklar ist jedoch, wann damit begonnen wird. „Komplex“ sei das Bauvorhaben, sagte Kanamüller, auch weil die Straßenbahnhaltestelle, die barrierefrei werden soll und der Eingang zur Bahnstation Teil dessen sei. Die gesamte Neugestaltung werde nicht vor dem Jahr 2020 abgeschlossen werden können.

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