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Gallus Auf den Spuren von Hans Frick

Eine Führung im Gallus folgt den Spuren des Schriftstellers Hans Frick, der als "Halbjude" in der Nazizeit ein schweres Schicksal hatte.

24.03.2014 16:42
Stefan Reichert
Helga Roos und Thomas Sock erklären die Geschichte des Konzentrationslagers Katzenbach vor den Adlerwerken. Foto: Monika Müller

Der Frankfurter Schriftsteller Hans Frick hat mit seinem Roman „Die blaue Stunde“ ein wichtiges Dokument der NS-Zeit im Gallus hinterlassen. Thomas Sock von der Arbeiterwohlfahrt und Helga Roos begleiten an diesem Sonntag etwa 30 Frankfurter bei einer Zeitreise zurück in das Gallus der NS-Zeit auf den Spuren des jungen Hans Frick. Er wurde 1930 als unehelicher Sohn einer Arbeiterin und eines jüdischen Kunsthändlers geboren und damit für die Nazis ein sogenannter Halbjude.

Die Führung beginnt vor dem Haus Gallus. Hierhin war vom Römer 1964 der erste Frankfurter Auschwitzprozess verlegt worden. Davor steht ein kleiner Turm aus Metall, der die Wachtürme von Auschwitz symbolisiert. Wenige Meter weiter ging Frick ab 1936 zur Schule. Hier musste er von Lehrern und Schulleiter Hetztiraden gegen sich ertragen. Die Gruppe biegt in die Hufnagelstraße ein. Vor einem Haus mit Schnellimbiss befindet sich ein „Stolperstein“. Hier lebte die jüdische Familie Stern und betrieb einen Laden, der 1939 „arisiert“ worden war. So wurde die Enteignung der Juden und Überstellung an linientreue Unternehmer genannt.

Die Führung führt bei lediglich einem Kilometer Länge an vielen solcher Häuser vorbei. Ein Metzger kam so an den Laden der Sterns. „Er war wohl unpolitisch, spendete allerdings an NS-Organisationen“, sagt Roos. Lotte Specht, die Tochter des Metzgers, gründete später den ersten deutschen Frauenfußballverein und war auch mit Frick bekannt. Der Metzger selbst belieferte die Adlerwerke in der Lahnstraße, welche die Gruppe nun über die Galluswarte erreicht. Auf dem riesigen Fabrikareal waren zur Zeit des Zweiten Weltkriegs 7000 Arbeiter beschäftigt. Rund die Hälfte davon waren Zwangsarbeiter. Diese waren nach Deutschland verschleppt worden oder in Kriegsgefangenschaft geraten. Ab 1944 arbeiteten bis zu 1600 Häftlinge meist aus dem Warschauer Ghetto im Konzentrationslager „Frankfurt/Adlerwerke“, das unter dem Decknamen „KZ Katzbach“ geführt wurde.

„Sie wurden durch die Arbeit vernichtet. Ohne Nahrung mussten sie unmenschliche Arbeit verrichten. Nach Todesmärschen und Deportation überlebten etwas über 40 Häftlinge das Martyrium“, so Sock. Frick selbst zog 1938 mit seiner Mutter in die Lahnstraße und muss täglich an den Kellerfenstern vorbei gekommen sein, durch welche die nassen und kalten Räume zu sehen waren, in denen die Häftlinge untergebracht waren.

Die Führung endet auf dem Golub-Lebedenko-Platz. Georgij Lebedenko und Adam Golub waren am 14. April 1945 bei einem Fluchtversuch von KZ-Koch Martin Weiß hingerichtet worden.

Weiß trank hin und wieder Schnaps mit Hans Frick. „Frick hat dem SS-Mann im Suff verraten, einen jüdischen Vater zu haben. Warum er kein Opfer von Weiß wurde, ist bis heute nicht klar“, so Sock. „Das ist nur eine Facette der Perversion der Zeit. Frick ließ diese nie mehr los. Das wird in seinen Werken deutlich.“ Hans Frick starb 2003 in Spanien.

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