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Fußballfans nach Eintracht Frankfurt-Spiel Entsetzen über "U-Bahn nach Auschwitz"

Entsetzen in der S-Bahn: Fußball-Fans stimmen das verbotene Lied "Eine U-Bahn von Hamburg bis nach Auschwitz" an. Niemand reagiert - außer Marvin Mendel. Auf Twitter verbreitet sich die Nachricht rasend schnell.

Erst glaubte Marvin Mendel gar nicht, was er da hörte. Mit drei Kumpels war er am Samstag im Stadion bei der Eintracht, und eine Horde Fans war ihm schon zuvor negativ aufgefallen. Nun standen sie in der gleichen S-Bahn wie er. Die S8 aus Wiesbaden, die kurz nach halb neun an der Station Stadion einfuhr.

Noch während einige die Lichtschranken blockieren, stimmte diese Gruppe von Eintracht-Fans ein fatales Lied an. „Eine U-Bahn, eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir, von Hamburg bis nach Auschwitz, eine U-Bahn bauen wir“, schallt es durch das Abteil.  Als die Gruppe das Lied zum zweiten Mal, nun in der fahrenden Bahn anstimmte, reichte es Marvin Mendel: „Wer keine Ahnung von Geschichte hat, hält besser die Klappe.“ Ruhe war.

„Das kam aus dem Bauch heraus, weil mich das in dem Moment sehr mitgenommen hat“, erzählt der Eintracht-Fan der FR am Tag danach. Über eine Reaktion machte er sich in dieser Situation keine Gedanken, „ich hätte mit jeder Reaktion leben können, aber nicht mit einer stillschweigenden Tolerierung dieser Gesänge.“

Im sozialen Netzwerk Twitter verbreitete sich die Nachricht schnell – sowohl von schweigenden Mitreisenden wie auch von Mendel selbst, der sich darüber ärgerte, dass er als einziger etwas sagte. Dutzende sprachen ihm daraufhin ihren Respekt aus, lobten ihn für den Mut und die Zivilcourage. Wichtig sei ihm, macht Mendel deutlich, „dass jemand die Stimme erhebt, gegen die Verharmlosung von Gräueltaten, gegen Rassismus.“

Auch das Ansehen seines Lieblingsvereins sieht er durch die Aktionen solcher Fans gefährdet, immerhin bemühten sich Eintracht wie auch die meisten Fans um ein buntes, offenes Frankfurt. Die Frankfurter Ultras erhielten beispielsweise im Jahr 2012 den Julius-Hirsch-Preis gegen Rassismus und Faschismus, weil sie mit jungen Anhängern nach Auschwitz fuhren, um ihnen das Erbe vor Augen zu führen.  „Das will ich mir durch fehlgeleitete Gedanken mancher nicht kaputt machen lassen“, sagt Mendel.

In Frankfurt gilt das Singen des U-Bahn-Liedes ohnehin als Straftat.  Im August des vergangenen Jahres wurde ein Dynamo-Dresden-Fan in Frankfurt wegen Volksverhetzung verurteilt. Vor allem im Osten des Landes ist das Lied in Stadien häufig zu hören – obwohl es laut Stadionordnung verboten ist. Strafrechtlich relevant ist es generell aber nicht, urteilte das Oberlandesgericht in Rostock vor wenigen Jahren.

Ob das U-Bahn-Lied strafrechtlich relevant ist, interessierte Mendel bei seinem Einschreiten nicht – er kannte, so sagt er, das Urteil gar nicht. „Schon beim einmaligen Hören sollte einem klar werden, dass das nicht geht.“

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