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„Fußball 2000“ Die Adler-Versteher vom HR

Bastian Roth und Marvin Mendel sind jede Woche mit dem Eintracht-Frankfurt-Podcast und „Fußball 2000“ auf Sendung.

Eintracht Podcast
Auf Sendung: Bastian Roth alias Basti Red (li.) und Marvin Mendel leben Eintracht Frankfurt in ihren Podcasts zum Hören und zum Sehen. Foto: Renate Hoyer

Darf man noch einmal? Die Szene des Jahres? Danke. Bitte: 19. Mai, Berlin. Ecke für Bayern München. Der Ball segelt vors Frankfurter Tor, Jetro Willems köpft ihn aus dem Strafraum zu Mijat Gacinovic, und der läuft … läuft … läuft in Richtung der völlig entfesselten Frankfurter Fans. „Beim Gacinovic-Lauf“, sagt Bastian Roth, und alle am Tisch haben wieder eine kleine Träne im Augenwinkel, „bei diesem Lauf ist man das alles losgeworden.“

Eintracht-Fans wissen, was Roth, 36, besser bekannt als Basti Red, mit „das alles“ meint: die harten Jahre, das Auf und Ab mit dem Herzensverein. Für ihn begann das alles Ende der 80er, für Marvin Mendel Mitte der 90er. „Mein erstes Eintracht-Spiel war eine Niederlage gegen die Stuttgarter Kickers“, sagt Basti. „Ich war fünf, mir war alles zu laut, ich wollte nach Hause.“ – „Bei mir war es Freiburg. Auch verloren“, sagt Marvin, 34. Sie grinsen sich an. In Bastis Erinnerung kam als Nächstes „der Alfons-Berg-Moment“, als der Schiedsrichter 1992 in Rostock nicht pfiff und der Traum von der Meisterschaft platzte. Für Marvin war es der Abstieg 1996: „Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Tagelang!“

Fans sind sie trotzdem geworden. Und geblieben, zum Glück. Sonst würden zwei der wichtigsten wöchentlichen Ankerplätze für Anhänger der Frankfurter Eintracht fehlen: der „Eintracht-Podcast“ zum Hören und der Videopodcast „Fußball 2000“.

Ein Podcast ist wie ein Radio- oder Fernsehbeitrag, den man aus dem Internet abruft, wann man will. An die 6000 Hörer tun das seit fast zehn Jahren jede Woche und lauschen einer gut gelaunten Rasselbande, die über die Eintracht babbelt; gar rund 10 000 Aufrufe hat das im Sommer gestartete Videoformat regelmäßig.

Fast ein wenig überrumpelt vom Erfolg

Wenn Marvin und Basti in einem Café im Nordend davon erzählen, bei Kaffee und Ginger Ale, wirken sie immer noch fast ein wenig überrumpelt vom Erfolg. „Die Sachen, über die wir reden – die besprechen wir sowieso. Nur dass jetzt eben Tausende zuhören“, sagt Basti: „Das Konzept ist wie eine ganz normale Unterhaltung.“ Der Podcast-Gründer und Moderator René Kurfürst, den es beruflich nach Bonn verschlug, sitzt am PC und schaltet mit einer speziellen Software Basti, Marvin und wechselnde weitere Teilnehmer zu. Alle sitzen daheim und geben ihren Senf zur Lage bei der Eintracht, oft stundenlang. Und die Zuhörer sind überall, zu Hause, im Auto, in der U-Bahn, im Park. Wenn irgendwo jemand mit Stöpseln im Ohr plötzlich losprustet: Vermutlich hört er den Eintracht-Podcast. Oder „Drei90“, ein quasi überparteiliches Format, das sich mit der ganzen Fußballbundesliga befasst, in dem Basti die Interessen der Eintracht sehr würdig vertritt.

Für den etwa 20-minütigen Videopodcast macht Marvin, Social-Media-Redakteur beim Hessischen Rundfunk, jedes Mal ein Konzept. Kürzlich fuhren die fünf verrückten Typen für „Fußball 2000“ mit einem Kleinbus durch die Stadt und sangen Vereinshymnen – alles rasend schnell geschnitten. Bei anderer Gelegenheit sitzen die videogenen Fans in Kneipen, Kellern, kicken auf der Bertramswiese, verzapfen herrlichen Blödsinn. Warum? „Für die Eintracht war keine Medienlandschaft da“, sagt Marvin. In den üblichen TV-Sendungen wurde zu viel über Bayern München geredet – was nicht nur Eintracht-Fans nervte. Aber es gibt nun die Technik, eigene Inhalte zu produzieren für Leute, die lieber Gebabbel mit Herzblut über die Eintracht hören als die neuste heiße Luft von Bayern-Boss Uli Hoeneß.

Obwohl: Der „Wurst-Uli“, wie sie ihn liebevoll nennen, kommt im Eintracht-Podcast auch vor. Da gibt’s die Rubrik „Dummschwätzer der Woche“; Hoeneß ist oft nominiert. „Der will das aber auch, dass man sich über ihn lustig macht“, sagt Basti und hustet sein charakteristisches, ein wenig heiseres Lachen hinterher, das ein Gutteil des Charmes im Eintracht-Podcast ausmacht – gepaart mit Marvins ziegenhaftem Meckern etwa zwei Oktaven darüber. Die Stimmen, hier sonor, da in hohen Tönen, ergänzen sich wunderbar. Gehört das zum Konzept der Sendung? Gelächter. „Nee, nee, das ist halt so. Das hat sich so ergeben.“

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