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Fukushima Fukushima ohne Tabus

Eine japanisch-deutsche Gruppe tauscht sich über die Reaktorkatastrophe vom Frühjahr 2011 aus - und handelt. Am Samstag, 8. Dezember, findet eine Info-Veranstaltung zu den gesundheitlichen Folgen der Unfalls statt.

Arbeiter in Schutzanzügen dekontaminieren das Dach eines Kindergartens in der Präfektur Fukushima. Foto: dapd

Eine japanisch-deutsche Gruppe tauscht sich über die Reaktorkatastrophe vom Frühjahr 2011 aus - und handelt. Am Samstag, 8. Dezember, findet eine Info-Veranstaltung zu den gesundheitlichen Folgen der Unfalls statt.

Im März 2013 ist die Atomkatastrophe in Fukushima zwei Jahre her. „Doch auch heute ist die Lage dort nicht unter Kontrolle – auch wenn der Stromkonzern Tepco und die japanische Regierung es so darstellen“, sagt Martin Repp. Das seien die ihm vorliegenden Informationen. Repp ist Pastor des Zentrums Ökumene der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau mit Sitz in der Praunheimer Landstraße. Er selbst lebte 20 Jahre in Japan und ist mit einer Japanerin verheiratet.

Gemeinsam mit Japanern und Deutschen gründete Repp die Gruppe JFF (Japan-Fukushima-Frankfurt). Die neun Mitglieder treffen sich etwa ein- bis zweimal im Monat, um sich auszutauschen oder öffentlich über die Lage in Japan zu informieren. So wird am heutigen Samstag Dörte Siedentopf über die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima referieren. Die Ärztin aus Dietzenbach, die sich seit langem um Kinder aus Tschernobyl kümmert, besuchte anlässlich eines Kongresses in Hiroshima auch Fukushima.

Offen und ehrlich

Die JFF hat sich drei Ziele gesetzt: Zum einen den verlässlichen Informationsaustausch über die Tepco-Atomkatastrophe zu fördern. Außerdem Hilfsprogramme, beispielsweise Freizeiten für Kinder aus Fukushima, zu unterstützen sowie an politischen Aktionen wie etwa Anti-Atomkraftwerks-Demonstrationen teilzunehmen. Durch eine Veranstaltung der Frankfurter Rundschau und des Zentrums Ökumene, bei der der in Japan sehr bekannte Journalist Takeshi Uesugi auftrat, fand sich die Gruppe zusammen. „Man hatte einen Ort für Kommunikation gesucht“, sagt Repp. Viele Japaner von JFF wollten sich engagieren, obwohl sie weit entfernt von ihrer Heimat wohnten.

Kaori Sakai etwa kam im Jahr 2000 aus Tokyo nach Deutschland. Seit zehn Jahren lebt sie in Frankfurt, momentan in Höchst, zusammen mit ihrem Ehemann und zwei Kindern. Sakai gefällt an der Runde, dass man offen und ehrlich sprechen kann. Zuvor hatte sie das nur im Internet getan.

2000 Follower

Unter dem Namen „Kebabu Toruka“ ist sie bei Twitter zu finden. „Seit der Katastrophe schreibe ich viel mehr, besonders über die unterschiedliche Berichterstattung der Medien in Deutschland und Japan.“ Sakai übersetzt deutsche Artikel ins Japanische und twittert sie. Inzwischen hat sie mehr als 2000 Follower.

In Japan seien die großen Medienanstalten sehr von der Regierung manipuliert, berichten Repp und Sakai. Es gebe sogar gewisse Tabuworte, die Japaner nicht verwenden. „Hibaku“ beispielsweise, was soviel heißt wie Verstrahlung, auch „Hinan“, was flüchten bedeutet, werden kaum gebraucht. „In unserer Gruppe dagegen gibt es keine Tabus, wir sprechen auch die heiklen Themen an“, sagt Sakai.

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