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FSV Stadion Sitzplatz auf der Baustelle

Kein Stein ist am Bornheimer Hang auf dem anderen geblieben. Beim Heimspiel am Samstag können die Fans des Fußball-Zweitligisten FSV aber nun wieder alle vier Tribünen nutzen. Gebaut wird allerdings immer noch. Sozusagen bei laufendem Betrieb.

1850 Plätze, 580 Business-Seats, zehn Logen... frischen Rasen gibt's auch. Foto: Michael Schick

Kein Stein ist am Bornheimer Hang auf dem anderen geblieben. Beim Heimspiel am Samstag können die Fans des Fußball-Zweitligisten FSV aber nun wieder alle vier Tribünen nutzen. Gebaut wird allerdings immer noch. Sozusagen bei laufendem Betrieb.

Hinter der Südtribüne, auf der am Samstag wieder die besonders treuen FSV-Fans stehen werden, rangieren die Lastwagen. Es ist eng, die Fahrer müssen teuflisch aufpassen, dass sie nicht das improvisierte Zelt für die VIP-Gäste oder die Kassenhäuschen rammen. Teuflisch ist ein gutes Stichwort: Am Samstag spielt der FSV Frankfurt im Stadion am Bornheimer Hang gegen den 1. FC Kaiserslautern, Spitzname „Die Roten Teufel“. Dann erwartet zwar niemand, dass gar nichts mehr an die Großbaustelle erinnert. Aber grundsätzlich soll das neue Stadion morgen zum Anpfiff um 13 Uhr fertig sein.

Ein fertiges Stadion? Wer am Donnerstag auf dem Spielfeld steht und auf die neue Haupttribüne schaut, sieht keinen Grund für das Fragezeichen. Schön ist sie geworden, die Gerade mit ihren 1850 Plätzen, 580 Business-Seats und zehn Logen. Topmodern sieht die Tribüne aus. Die alten Holzbänke, die jahrelang vor sich hin moderten, sind verschwunden. Und auch die Pfosten, die die Dachkonstruktion hielten, aber die Sicht der Zuschauer behinderten, sind weg. Ein Schmuckkästchen ist es geworden, dieses Stadion. Das Wort wird am Samstagmittag von FSV-Oberen und Stadtpolitikern wohl häufiger zu hören sein.

Nur ein Schnupperfest

Ein fertiges Stadion? Junge, kräftige Männer schleppen am Donnerstag Möbel die Tribüne hoch und verschwinden durch eine Tür, hinter der sich der Business-Bereich auftut. Dort sieht es aus wie in einem Rohbau. Kabel hängen von der Decke. Die Wände sind völlig unverputzt, der Fußboden besteht aus nacktem Beton. In der Ecke stehen Styroporplatten, eine Schleifmaschine heult auf. Trotzdem sollen sich hier am Samstag VIP-Zuschauer aufhalten, um zu essen, zu trinken und über das Spiel zu diskutieren.

„Unsere Gäste werden schon merken, dass noch nicht alles fertig ist“, sagt Jens-Uwe Münker, Geschäftsführer beim FSV Frankfurt. Er spricht deshalb auch nicht von der offiziellen Stadioneröffnung, sondern von einem „Haupttribünen-Schnupperfest“.

Gegner im Container

Vieles im Innern des Bauwerks wird erst im Februar fertig sein. Etwa die Umkleideräume. Bislang kann sich nur die Mannschaft des FSV in der Tribüne umziehen. Für die Gegner gibt es einen Container. Oder der Presseraum. In der bisherigen Media Lounge in der Südtribüne soll ein Kraftraum eingerichtet werden. Oder auch die Parkplätze direkt am Stadion, die freilich nur VIP-Zuschauern vorbehalten sein werden. Dass sie noch nicht angelegt sind, ist ein Grund dafür, dass der FSV für das Spiel gegen Kaiserslautern nur gut 10.000 Karten verkaufen darf. Die gesamte Kapazität von 12500 Plätzen wird erst zur Verfügung stehen, wenn auch rund um das Stadion alles fertig ist.

„Rekonstruktion des Stadions“ steht auf dem Schild am Eingang zur Baustelle. Das allerdings ist untertrieben. Am Bornheimer Hang ist in den vergangenen Jahren kein Stein auf dem anderen geblieben. Seit 2007 entstand ein komplett neues Stadion. Nicht ohne Schwierigkeiten.

Mit der Stadt im Reinen

Vor allem rund um den Neubau der Gegentribüne, mit dem die Arbeiten begannen, gab es immer wieder Ärger. Mal musste eine Lösung für das Flutlicht gefunden werden, weil sonst Autofahrer auf der angrenzenden A661 geblendet worden wären, mal gab es eine politische Debatte über die aus dem Ruder gelaufenen Kosten. Zwischenzeitlich überwarf sich FSV-Geschäftsführer Bernd Reisig mit Sportdezernent Markus Frank (CDU), was dazu führte, dass die Kultfigur des FSV zurücktrat und Frank von der Boulevardpresse hart angegangen wurde. Zu allem Überfluss wurden unter der Haupttribüne noch giftige Altlasten gefunden. Die Arbeiten verzögerten sich um vier Monate.

Am Ende steht eine Rechnung über knapp 30 Millionen Euro. Und Jens-Uwe Münkers Erkenntnis: „Wir sind mit der Stadt im Reinen und haben jetzt die Infrastruktur, um attraktiven Fußball spielen zu können.“

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