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Frühlingsanfang Schnee und Eiskälte trotz Frühlingsanfang

Viele Frankfurter haben genug vom Winter, doch der will sich noch nicht so schnell verabschieden.

Am besten die Stadt verlassen – oder gleich den Kontinent. Stichwort Frühlingsanfang, Stichwort Schneefall. Nach Hongkong etwa, wie Ralf Kober. Da sollen es am Mittwoch 22 Grad sein, sagt der Flugbegleiter an seinem letzten Tag in der Kälte.

Kober steht auf dem Markt am Südbahnhof und hat auf seinem Handy eine Wetter-App geöffnet. Die zeigt die erfreulicheren Aussichten auf seiner nächsten beruflichen Reise. „Dass es jetzt wieder geschneit hat, geht wirklich nicht“, sagt er. Kober kommt gerade vom Sport. „Im Fitnessstudio natürlich“, sagt er. Draußen – das komme für ihn noch nicht infrage.

Zurück lässt der 43-Jährige seinen Schrebergarten in Oberrad. Dort seien die Knospen und Frühlingblumen gerade erst gekommen und nun bereits wieder mit Schnee bedeckt. Richtig getraut, im Garten nachzuschauen, hat er sich noch nicht. Was weiter blüht, wird er erst nach Hongkong erfahren. Er ist jedoch skeptisch, was die Überlebenschancen angeht.

Anders als Kathrin Schaudinn. Sie glaubt, dass es ihre Pflanzen schaffen werden: die Krokusse, Schneeglöckchen und Hyazinthen. „Es reicht trotzdem mit dem Winter“, sagt die 76-Jährige. „Aber der Markt lockt.“ Also hat sie sich mit einer dicken Jacke zwischen die Stände vor dem Südbahnhof gewagt. „Außerdem“, sagt sie, „ist die Luft schön klar.“

Ein kleines bisschen vom Frühlingsgefühl kommt hingegen am Stand von Monika Scymanski auf. Im Inneren ist man von Blumen umringt, und ein Heizer spendet Wärme. Die Marktverkäuferin am Südbahnhof würde sich jedoch eher freuen, wenn es auch draußen wärmer würde. „Dann könnten wir die Wände hoch machen und die Pflanzen rausstellen“, sagt die Händlerin, während sie ein paar Tulpen für eine Kundin einpackt. Käufer würde das stärker anlocken.

Bevor Scymanski morgens die Pflanzen aus dem Auto holt, muss zunächst der Stand aufgebaut und aufgewärmt werden, damit kein Schaden entsteht. Außerdem verbraucht das Wärmen mit dem Heizgebläse Gas und somit auch Geld.

Mini-Trost am Wochenende

Der kalendarische Frühlingsanfang war eigentlich am Dienstag um 17.15 Uhr, aber eher im Kalender – auf Frankfurts Straßen jedenfalls liegen Eisschollen. Hongkong wäre schön, mag man beim Spaziergang durch die Stadt denken. Noch mal kurz zum Sport, die Tasche packen und los. Doch die meisten bleiben hier, beim dreckigen Schnee, und frieren unterwegs trotz dicker Jacke.

„Ich will gar nicht an meine Heizkosten denken“, sagt India Nagler. So viel und so lang wie in diesem Jahr heizt sie normalerweise nicht. Die Sozialarbeiterin spaziert mit ihrem Hund am Main entlang – egal bei welchem Wetter geht sie je eine halbe Stunde morgens und abends raus – lieber noch länger. „Ich denke, man sieht, dass sich unser Klima tatsächlich ändert“, sagt die 25-Jährige.

Ob der Hund etwas zum Wärmen braucht? „Nein“, sagt sie und lacht. „Das brauchen nur die ganz kleinen.“ Das Salz jedoch sei ein Problem für die Pfoten. Die wäscht sie nach einem Spaziergang meistens ab. Erfreut stellt sie fest, dass in der Stadt vermehrt Alternativen zum Salz genutzt werden.

Aufs Fahrrad verzichtet die Sozialarbeiterin allerdings schon. „Damit war ich gestern in Sachsenhausen unterwegs“, sagt sie. In den kleineren Straßen sei es jedoch sehr glatt gewesen. Das Fahrrad hat sie dann geschoben. „Aber wenigstens ist es schon etwas wärmer als noch am Montag.“

Unbeeindruckt von der Kälte zieht Annika H. ihren Helm und den Schal an. Vor einer Bäckerei in der Nähe des Schweizer Platzes steigt sie auf das Fahrrad. „Ein bisschen mehr Frühling wäre schon sehr schön“, sagt sie. Die Fahrradwege seien jedoch gut geräumt.

Schnee, findet sie, sei für die Fortbewegung per Rad besser als Regen. Die Kindergärtnerin ist auf dem Weg zur Arbeit. Mit den Kindern geht sie auch bei diesem Wetter raus. „Die sind alle gut eingepackt.“

Vor allem in den kommenden beiden Nächten soll die Temperatur weiterhin unter null bleiben. Zum Wochenende könnte es ein bisschen wärmer werden.

Vielleicht kommt dann der Frühling doch noch – auch nach Frankfurt.

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