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Frolinde Balser Frolinde Balser ist tot

Wach und aktiv bis zum letzten Abend: Die SPD-Genossin und Stadtälteste Frolinde Balser ist tot. 1976 war sie als allererste Frau auf den Posten des Stadtverordnetenvorstehers gewählt worden.

Bibliothekarin und Buch-Autorin: Frolinde Balser. Foto: FRFOTO

Frolinde Balser ist gestorben, am Montag hat die Nachricht im Römer die Runde gemacht. Seit ewigen Zeiten gehörte sie, die 1976 als allererste Frau auf den Posten des Stadtverordnetenvorstehers gewählt worden war, einfach dazu, auch im Ruhestand. Ihr Interesse an der Entwicklung der Stadt begleitete sie bis zum Schluss, sie mischte sich ein.

Frolinde Balser wurde 88 Jahre alt. Am Samstag hatte man sie, die zuletzt im GdA-Stift neben dem Mousonturm lebte, noch beim Tag der offenen Tür im August Stunz-Heim erleben können, wo die alte Dame im strömenden Regen zu Fuß hingekommen war. Der Vortrag des Abends habe sie besonders interessiert, berichtete Hannelore Mees, die Sozialbezirksvorsteherin für das Ostend. Mees hat dann dafür gesorgt, dass die SPD-Genossin an dem Abend mit dem Taxi heimfuhr. Am Sonntagmorgen, als sie nach ihr frug, fand man sie tot in ihrem Zimmer.

Frolinde Balser war so Vieles: Von Hause aus Bibliothekarin, dann Forscherin und Autorin. In Frankfurt wurde die gebürtige Ingelheimerin zur Politikerin: Von 1964 bis 1985 saß sie für die SPD im Stadtparlament. In den späten 60er Jahren und danach trug sie in ihrem Heimatstadtteil Westend den Bürgerprotest gegen die Vertreibung von Bewohnern mit – und das im Widerstand gegen ihre bis 1977 mit absoluter Mehrheit regierende Partei. Es war bei ihr aber immer eine Gegenwehr mit Argumenten, nicht mit Polemik.

Nach dem Westend-Streit widmete sich Balser mehr und mehr der Stadtgeschichte und meldete sich in aktuellen Debatten zu Wort, etwa in die Auseinandersetzung um Rainer Werner Fassbinders Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ im Jahr 1985. Sie war dagegen, das Stück aufzuführen, das sie für antisemitisch hielt.

Seit 1991 war Frolinde Balser verbriefte Expertin für Frankfurts Nachkriegsgeschichte, die Zeit, die sie mitgestaltet hatte. Ihr Buch „Aus Trümmern zu einem europäischen Zentrum“ ist ein Standardwerk. Schon darum wird sie hier weiter zu Rate gezogen.

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